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USA: Mehr Strohfeuer als Wirtschaftswunder




09.10.18 12:15
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach Donald Trumps Lesart ist die aktuell hohe Dynamik der US-Konjunktur in vollem Umfang seiner brillanten Politik zu verdanken und - obwohl die annualisierte Quartalsrate von 4,2% im zweiten Quartal bereits doppelt so hoch war wie das Trendwachstum - "Es wird noch besser!", so die Analysten der Helaba.

Mit diesem Glauben dürfte der Präsident allerdings ziemlich alleine dastehen. Selbst optimistische Prognostiker würden der US-Wirtschaft 2019 im Schnitt "nur" etwa 3,25% Wachstum zutrauen. Hierbei sei davon auszugehen, dass die Fiskalpolitik auch im kommenden Jahr die Konjunktur noch einmal befeuere. Die Steuersenkung von Ende 2017 werde für manche Haushalte erst mit der Steuererklärung (und -rückzahlung) vom April 2019 voll wirksam. Auch die Impulse von den Staatsausgaben seien im kommenden Jahr noch einmal überdurchschnittlich, wenn auch in geringerem Maße als 2018. Per saldo würden also temporäre Stimulusmaßnahmen das Wachstum ins Jahr 2019 hinein stützen. Trotzdem dürfte es zunehmend schwierig werden, ein Tempo von 3%-plus zu halten.

Dem stehe zum einen der von Präsident Trump vom Zaun gebrochene Handelsstreit entgegen. Zwar sei die große Eskalation mit der EU bislang ausgeblieben und die auf den Handel mit den USA angewiesenen Mexikaner und Kanadier hätten sich Trumps Druck gebeugt und eine neue - aus Sicht der Analysten schlechtere - Freihandelszone in Nordamerika vereinbart. Im zentralen Konflikt mit China stünden die Zeichen aber auf Konfrontation. Ende September habe die US-Regierung Strafzölle in Höhe von 10% auf chinesische Waren verhängt, die 2017 im Volumen von knapp 200 Mrd. Dollar in die USA eingeführt worden seien. Lenke China nicht ein, solle der Satz am 1. Januar 2019 auf 25% angehoben werden. Damit sei nun fast die Hälfte der Warenimporte aus China Ziel von Sonderzöllen. Eine Lösung des Konfliktes sei nicht in Sicht.

Zum anderen normalisiere die FED das Zinsniveau weiter. Nach der Anhebung des Leitzinsbandes im September auf 2,00% bis 2,25% würden die FOMC-Mitglieder mehrheitlich davon ausgehen, dass sie den Zins vor Jahresende noch um weitere 25 Basispunkte erhöhen würden. Für 2019 würden sie drei weitere Schritte sehen. Dies erscheine angesichts der hohen Auslastung am Arbeitsmarkt (Arbeitslosenquote unter 4%) und der anziehenden Teuerung (Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel im August: 2,2%) plausibel. Zwar würden die Schätzungen des "neutralen Zinsniveaus" auseinandergehen. Klar sei aber, dass der aktuelle Kurs der FED zumindest eine weniger expansive Geldpolitik, über kurz oder lang sogar eine neutrale Ausrichtung derselben bringen werde.

Damit werde der Rückenwind für die Konjunktur aus dieser Richtung schwächer bzw. flaue ganz ab. Ob es finanzpolitisch noch mal "einen Nachschlag gibt", hänge vom Ausgang der Wahlen Anfang November ab. Gelinge es den Demokraten, in einer oder beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit zu erringen, würden sie alles tun, eine Wiederwahl Trumps 2020 zu verhindern - selbst um den Preis einer restriktiven Finanzpolitik. (Ausgabe vom 04.10.2018) (09.10.2018/ac/a/m)






 
 
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