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USA: Ein Bilderbuchbeispiel für "Überschussnachfrage"




08.06.21 09:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Es boomt in den USA, so die Analysten der Helaba.

Wahrscheinlich werde die Quartalsdynamik des realen BIP im zweiten Quartal den Hochpunkt des Jahres 2021 erreichen, obwohl bereits das Jahresauftaktquartal mit einer annualisierten Rate von 6,4% die Messlatte sehr hoch gesetzt habe. Modellschätzungen der regionalen Federal Reserve Banken würden für das zweite Quartal Zuwachsraten zwischen rund 5% und fast 10% sehen. Die Analysten lägen mit ihrer Schätzung von knapp 8% etwa in der Mitte dieser Spanne. Tatsächlich sehe es aktuell so aus, als würden vor allem Engpässe auf der Angebotsseite ein noch schnelleres Wachstum verhindern. Die Lieferzeitindices aus den ISM-Umfragen lägen auf langjährigen Hochs und die Teilnehmer würden sich jeden Monat aufs Neue lautstark über noch nie da gewesene Knappheiten und Preissteigerungen beschweren.

Ein Haupttreiber der Nachfrage sei der Konsument. Mithilfe der Steuerschecks und erhöhten Arbeitslosenhilfen habe der Haushaltssektor insgesamt enorm viel Geld "in der Tasche": Der Konsum habe im April um 4,5% über seinem Niveau Anfang 2020 gelegen. Dennoch hätten die Verbraucher in den letzten zwölf Monaten eine "Überschussersparnis" von rund 10% der jährlichen Einkommen angehäuft - und dies trotz eines Beschäftigungsniveaus, das rund 7,5 Mio. niedriger sei als noch vor der Pandemie.

Wenn der Arbeitsmarkt weiterhin so gut laufe wie im Mai - fast 600.000 neue Stellen und ein erstaunlich kräftiger Lohnzuwachs von 0,5% gegenüber Vormonat - werde schon allein der Anstieg der Lohn- und Gehaltssumme ausreichen, ungewöhnlich hohe Konsumwachstumsraten zu generieren. Nachholeffekte wegen fast eines Jahres erzwungenen Verzichts auf bestimmte Aktivitäten plus die partielle Auflösung des Sparstaus würden praktisch garantieren, dass das Gesamtwachstum in den kommenden Quartalen überdurchschnittlich bleibe. Dies würde den Entfall der Impulse aus dem Stimuluspaket ab Q3 kompensieren.

Angesichts der enormen Engpässe in der Industrie und zunehmend auch im Dienstleistungsbereich überrasche es nicht, dass sich das Preisklima weiter deutlich eintrübe. Die Teuerungsrate ziehe merklich an. Für den Jahresschnitt würden die Analysten mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um über 3% rechnen. Ins Jahr 2022 hinein würden bei der Kernrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) vor dem Hintergrund der aktuellen Kapazitätsengpässe und der anhaltenden kräftigen fiskal- und geldpolitischen Impulse die Aufwärtsrisiken dominieren. Der große Unsicherheitsfaktor bleibe hierbei, wie schnell der Dienstleistungssektor auf den mit dem Ende des "social distancing" zu erwartenden Nachfragesprung reagieren könne.

Die FED wette jedoch darauf, dass dies alles nur ein zeitlich eng beschränktes Phänomen sein werde. Sie bleibe stur bei ihrer "forward guidance" einer auf Jahre hinaus extrem expansiven Politik. Viele FOMC-Mitglieder, nicht zuletzt FED-Chef Powell, würden sich unverändert weigern, derzeit auch nur über die Höhe des massiven Anleihekaufprogramms (aktuell 120 Mrd. Dollar pro Monat) zu reden. Diese Anleihekäufe würden aber nach Lesart der FED selbst noch zu einer Monat für Monat immer expansiver werdenden Geldpolitik führen - mitten in einer Situation der Überschussnachfrage. (Ausgabe vom 07.06.2021) (08.06.2021/ac/a/m)






 
 
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