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UK: Covid-19 und der Brexit führen zu Belastungen der Wirtschaft




11.01.21 19:40
Nord LB

Hannover (www.aktiencheck.de) - Das Vereinigte Königreich leidet aktuell sehr stark unter der Coronavirus-Krise, so die Analysten der Nord LB.

Das Gesundheitssystem des Landes stoße an seine Grenzen. Entsprechend sei für England inzwischen ein sehr harter Lockdown verhängt worden, der das tägliche Leben deutlich beeinflusse und die Wirtschaft des Landes daher auch weiter belasten sollte.

Die extrem schwierige Covid-19-Lage im Vereinigten Königreich, die scharfe Maßnahmen im Kampf gegen das Virus erforderlich gemacht habe, dürfte nach Auffassung der Analysten ein wichtiger Faktor gewesen sein, der die britische Politik im Dezember bei der Findung einer Brexit-Lösung unter Handlungsdruck gesetzt habe. Mit einem noch größeren No-Deal-Chaos zum Start des Jahres wäre sonst die grundsätzlich weiterhin zu erwartende Gegenbewegung bei der Wirtschaftsaktivität im Vereinigten Königreich sicherlich komplett ausgeblieben. Insofern habe man unter einem gewissen Zwang gestanden, der EU bei den Fischereirechten stärker entgegenzukommen, als mancher Politiker in London wohl eigentlich gewollt habe.

Durch den Deal hätten immerhin zusätzliche Belastungen durch Zölle und Mengenbegrenzungen im Handel mit der EU vermieden werden können. Großbritannien habe aber zum 31.12.2020 den gemeinsamen Binnenmarkt verlassen und es existiere damit seit dem 1.1.2021 eine neue Zollgrenze. Insofern seien - auch wenn es prinzipiell keine Zölle für Waren gebe - Zoll- und Zertifikatskontrollen nötig geworden. Zollfrei seien dabei jedoch nur jene Güter, die den jeweiligen Ursprungsregeln genügen würden. Die damit nun grundsätzlich notwendigen Zollformalitäten im Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU würden ohne jeden Zweifel zu einem erhöhten Aufwand führen - und damit auch zu Kosten für die an der Lieferung der Waren beteiligten Unternehmen.

Mit Blick auf die Ursprungsregeln stecke der Teufel zudem durchaus im Detail. Weiterhin würden dort Zölle fällig, wo Güter zunächst importiert und dann sofort wieder exportiert werden sollten. Zudem seien Spielregeln vereinbart worden, die gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherstellen sollten, was es London beispielsweise erlaube, eigene Standards in Fragen des Arbeitsrechts einzuführen. Ein Schiedsgericht könne beiden Seiten aber spezifische Zölle als Ausgleich zur Sicherstellung des fairen Wettbewerbs erlauben. Daher würden nun neue bürokratische Prozesse existieren, auf die sich die Wirtschaft erst einstellen müsse.

Weiterhin gebe es mit dem Nordirland-Protokoll eine Sonderregelung, die eine "harte" Grenze mit der Republik Irland verhindert habe. Auch diese Regelung schaffe aber Probleme, da inländische Lieferungen in diesen Teil des Vereinigten Königreiches nun anders behandelt werden müssten als beispielsweise der Warenverkehr zwischen England und Wales oder England und Schottland. In vielen britischen Firmen sei man sich aktuell noch nicht sicher, wie mit den neuen Formalitäten umgegangen werden solle. Insofern würden die Presseberichte über Lieferengpässe in nordirischen Supermärkten eigentlich nicht verwundern. Auch wenn es sich hierbei wohl zunächst vor allem um ein "Ruckeln" beim Start in eine neue und veränderte Zukunft handele, werde der Aufwand für die britischen Firmen auch perspektivisch erhöht bleiben. Insofern sei die Forderung nordirischer Wirtschaftsverbände nach weiteren Gesprächen zwischen London und Brüssel und nach mehr Klarheit durch die britischen Behörden keine Überraschung.

Die britische Wirtschaft leide derzeit stark unter dem neuen Coronavirus. Der "Last-Minute-Deal" mit der EU verhindere zwar zumindest unnötige Belastungen durch den Brexit, dennoch existiere nun eine neue Zollgrenze, die zweifellos zu mehr Bürokratie führe. Auch dies sei ein Problem für die britische Wirtschaft. Damit steige die Wahrscheinlichkeit einer Revision der UK-Wachstumsprognose der Analysten nach unten. (11.01.2021/ac/a/m)







 
 
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