Kolumnist: Miningscout.de

Turbulenzen an den Märkten – Achterbahnfahrt am Goldmarkt




14.06.22 14:57
Miningscout.de

Viele Investoren hofften, die am Freitag veröffentlichen Daten zum Konsumentenpreisindex würden bestätigen, dass die Inflation im März mit 8,5% bereits ihren Zenit überschritten hätte und von nun an wieder fallen würde, nachdem der Preisanstieg im April bei „nur“ 8,3% lag. Eine Entspannung an der Inflationsfront hätte der US-Notenbank Spielraum gegeben, die Zinsen im weiteren Verlauf des Jahres nicht so stark anzuheben, was gut für die Aktienmärkte gewesen wäre.


Einen Tag zuvor hatte JPMorgan bereits vor einer Enttäuschung und heißen Inflationsdaten gewarnt, worauf die Aktien- und Anleihenmärkte auf Talfahrt gingen. JPMorgan behielt recht und die neuesten Daten zeigten einen Preisanstieg im Mai zum Vorjahr von 8,6%, womit die Preissteigerung zum Vorjahr ein neues 40-Jahreshoch erreicht hat. Allein zum Vormonat stiegen die Preise um 1% an, wobei die Energiepreise um 3,9% und die Lebensmittelpreise um 1,2% zum Vormonat zulegten. Selbst die Kerninflationsrate, ex Energie und Lebensmittel, übertraf die Erwartungen des Marktes, mit einem Anstieg um 0,63%, während der Marktkonsens bei 0,5% lag. Aufgrund von Basiseffekten sank die Jahresrate jedoch von 6,2% auf „nur noch“ 6,0%.


Die Preise in den USA stiegen im Mai um 8,6% auf ein neues 40-Jahreshoch

Die US-Notenbank hatte bei ihren nächsten beiden Sitzungen bereits Zinsanhebungen von jeweils 50 Basispunkten angekündigt und nun rechnet man im September ebenfalls mit einem weiteren Zinsschritt von 0,5%. Die Fed Funds Futures spiegeln mittlerweile sogar eine 22% Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt von 75 Basispunkten im Juli wider.


Die Zinsanstiege sind Gift für die Unternehmensgewinne, was die Aktienmärkte sofort eskomptierten und die Technologiebörse Nasdaq um 1.000 Punkte (-8%) seit Donnerstag einbrach, während der S&P500 um 7% fiel. Die Anleihenmärkte kollabierten, wobei die zehnjährigen Zinsen für US-Staatsanleihen auf 3,23% nach oben schossen. Die Stagflation manifestiert sich immer weiter exakt nach dem Spielplan, den ich schon vor 3 – 4 Jahren vorgelegt hatte.


Wie in den siebziger Jahren wird es auch diesmal Phasen in der Rezession geben, in denen die deflationären Kräfte die inflationären Kräfte einholen, was die Märkte unterschiedlich treffen und eine hohe Volatilität an den Märkten erzeugen wird.


Der Goldpreis reagierte am Freitag plan- und ziellos, entsprechend der Unkenntnis und Planlosigkeit der Marktteilnehmer, die bisher nur steigende Märkte, niedrige Inflation und Nullzinsen kannten. Die erste Reaktion des Goldpreises war die gleiche wie immer in den letzten Monaten mit einem Preiseinbruch um 20$ auf 1.824$, nur um diese sofort wieder wettzumachen. Danach fiel der Goldpreis wieder auf das Tief, nur um danach eine Rallye zu starten, die sich zu einem Short-Squeeze entwickelte und den Preis auf 1.878$ hievte. Scheinbar hatten sich doch einige Investoren besonnen und erkannt, dass hohe Inflationsraten bullisch für den Goldpreis sind, insbesondere in einem Umfeld, in dem es bei steigenden Zinsen keine Alternativen am Aktien- oder Anleihenmarkt gibt.


Heute, am Montag fiel der Goldpreis dann wieder auf 1.828$ im Tief, womit sich die Preisbewegung der letzten beiden Tage nur als Achterbahnfahrt beschreiben lässt. Der US-Dollar konnte von diesen steigenden Zinsen natürlich zu all den anderen Fiat-Währungen profitieren, während der japanische Yen mit 134 Yen je Dollar auf den tiefsten Stand seit 2002 fiel und die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf 1,045$ kollabierte.


Der Goldpreis konnte ansteigen, obwohl der US-Dollar wieder stärker wurde EZB-Zinsentscheid

Während die US-Notenbank agiert, weigerte sich die Europäische Zentralbank (EZB) letzte Woche auf ihrer Sitzung mit starken Zinsanhebungen und einer Reduzierung der Notenbankbilanz die hohe Teuerung zu bekämpfen und für Preisstabilität zu sorgen. Trotz der aktuell historisch hohen Inflation von 7,4% im Euroraum und 7,9% in der Bundesrepublik (8,7% EU-harmonisiert), hält die EZB an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Man plant lediglich eine kleine Zinsanhebung um 25 Basispunkte im Juli und wischte die Möglichkeit eines Zinsschrittes um 50 Basispunkte vom Tisch, was zeigt, wie sehr man sich bei der EZB fürchtet, von den Folgen der destruktiven Nullzinspolitik in den letzten 13 Jahren eingeholt zu werden.


In einem freien Markt handeln Zinsen mehrere Prozentpunkte oberhalb der Teuerung, doch wagt man nicht einmal einen Zinsschritt um 50 Basispunkte. Zu groß ist die Angst vor einer Rezession durch einen Zusammenbruch der Fehlallokationen und Blasen, die man durch die planwirtschaftlichen Eingriffe in den Markt selbst erzeugt hat.


Mit der Zinswende endet der künstliche Aufschwung im Euroraum und erst mit Markt- und Leitzinsen deutlich oberhalb der Inflationsrate, die alle Fehlallokationen bereinigt haben und folgend dann die Inflationsrate wieder zu sinken beginnt, wird ein nachhaltiger realer Aufschwung wieder möglich sein. Bis dahin muss Europa durch ein tiefes Tal der Rezession in den nächsten Jahren, das man nicht umgehen kann. Einerseits müssen die Fehlallokationen in einer Rezession bereinigt und andererseits die Verschuldung abgebaut werden. Die Rezession kann die EZB nicht verhindern, doch kann sie helfen die Schulden über Inflation, anstatt Deflation, abzubauen.


Da die Ursache der Geldentwertung in der neu geschaffenen Liquidität der QE-Programme (APP & PEPP) liegt, kann nur eine Kontraktion der Geldmenge weiterhin hohe Inflationsraten verhindern, was seitens der EZB nicht gewünscht ist. Die Inflationsraten werden hoch bleiben, womit sich die Finanzielle Repression der Europäer fortsetzen wird. Die Bekundung der EZB, man wolle die Inflation bekämpfen, ist eine unwahre Worthülse, da sie selbst durch das Drucken von Geld aus dem Nichts dafür verantwortlich ist. Damit hat sie auch die Macht durch marktnahe Zinsen im zweistelligen Bereich und einem QT-Programm, dem jederzeit ein Ende zu setzen. Inflation ist immer ein monetäres Phänomen einer bewussten zerstörerischen Politik.


Angesichts der Zurückhaltung der EZB dürfte klar sein, wohin die Reise des Euros geht. Der Abwärtstrend des Euros hatte in der letzten Woche mit der EZB-Sitzung gehalten und seither befindet sich die Gemeinschaftswährung wieder auf Talfahrt. Der Euro dürfte zum US-Dollar in den nächsten Monaten auf die Parität und wahrscheinlich auch darunterfallen. Selbst ein finaler Einbruch des Euros auf 0,90 US-Dollar wäre mittelfristig denkbar. Europa steht aufgrund der destruktiven und wirtschaftsfeindlichen Politik der EZB und Brüssels denkbar schlecht da. Steigen die Zinsen weiter, so wie wir glauben, dann droht der europäischen Wirtschaft der Kollaps mit bisher unbekannt hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen.


Die Kaufkraft des Euros befindet sich im Niedergang und man sollte nicht warten, um sein Vermögen noch in Sicherheit zu bringen, denn die richtige Krise beginnt erst mit steigenden Zinsen und endet mit Zinsen im zweistelligen Bereich oberhalb der Inflationsrate. Der Weg bis dahin wird noch lang und schmerzhaft, wobei all jene die Fiat-Währungen, Schuldpapiere oder Aktien, anstatt Edelmetalle halten, inflationsbereinigt wohl den größten Teil ihrer Vermögen und Ersparnisse verlieren werden. Nutzen sie daher diesen glücklichen Zufall, dass Investoren Gold verkaufen mussten, um Verluste am Aktienmarkt auszugleichen, was Ihnen ermöglicht Gold noch einmal mit einem kleinen Abschlag zu kaufen, bevor sich die Rallye am Goldmarkt fortsetzen wird!



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