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Trump, Twitter, Trade: Weshalb am Ende doch wieder die Fundamentaldaten die Oberhand behalten werden




10.08.18 17:06
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - 2018 lösten die Tweets von US-Präsident Trump zum internationalen Handel am Markt Volatilitätsschübe und Sorgen um eine globale Konjunkturverlangsamung aus, so die Experten von Franklin Templeton.

Vor diesem Hintergrund erläutere Matthias Hoppe von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions, warum nach seiner Auffassung eher die wirtschaftlichen Fundamentaldaten das Schicksal der Weltwirtschaft bestimmen würden als die Worte Trumps.

In den vergangenen Monaten habe US-Präsident Donald Trump Importzölle gegen langjährige Verbündete der USA, darunter Kanada, Mexiko und die Europäische Union (EU) verhängt. Ferner habe er Zölle auf immer mehr Produkte aus China eingeführt.

Der Kommunikationskanal für Trumps Gedanken in Handelsfragen scheine immer derselbe zu sein: Twitter. Die Folgen seiner wiederholten Drohungen, noch mehr Zölle auf noch mehr ausländische Güter zu verhängen, seien nicht nur an den Aktienmärkten, sondern an allen Finanzmärkten zu spüren.

Sobald Trump über Strafzölle twittere, würden häufig die US-Aktienindices fallen oder steigen, würden sich in der Regel die Anleiherenditen bewegen und gewinne oder verliere der US-Dollar bisweilen an einem Tag an Wert. Kein Wunder, dass die Anleger orientierungslos erscheinen, so die Experten von Franklin Templeton.

Trotz der fetten Schlagzeilen hätten Trumps Ankündigungen auf Twitter in diesem Jahr bisher insgesamt keinen großen Schaden angerichtet - zumindest noch nicht. Andererseits würden sich einige Anlageklassen der Schwellenländer, insbesondere Währungen, volatil verhalten, da China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit Vergeltungszöllen geantwortet habe.

Nach unserer Einschätzung wird uns das politische Getöse um Handel und Zölle noch auf absehbare Zeit begleiten, so die Experten von Franklin Templeton.

In den USA würden im November die Halbzeitwahlen stattfinden. Ein Drittel der US-Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus würden neu gewählt.

Derzeit hätten die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit inne. Doch den jüngsten Umfragen zufolge sei den Republikanern eine neuerliche Mehrheit im November nicht zwangsläufig sicher.

Daher würden die Experten erwarten, dass Trumps Motivation, seine Wählerbasis zu mobilisieren, nicht nachlassen werde. Erfahrungsgemäß denke er, dies am besten durch Kampagnen gegen ausländische Mächte erreichen zu können.

Darüber hinaus seien in diesem Jahr auf breiter Basis seine Zustimmungswerte gestiegen - wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus.

Aus Sicht der Experten gebe es kaum Belege dafür, dass seine protektionistische Haltung zu den besseren Ergebnissen in den Meinungsumfragen beitrage. Dies dürfte eher auf die gute Wirtschaftslage in den USA zurückzuführen sein. Im zweiten Quartal 2018 sei das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer jährlichen Rate von 4,1% gegenüber 2,2 % im vorherigen Quartal gewachsen.

Die Experten würden jedoch mit weiteren Twitter-Tiraden zu Strafzöllen und Sicherheitspolitik rechnen.

Könnten Trumps Äußerungen die weltweiten Aktienmärkte langfristig beeinflussen? Derzeit würden die Frühindikatoren besonders in den USA weiter auf ein robustes Wachstum hindeuten.

Letztlich würden die wirtschaftlichen Fundamentaldaten entscheidend sein, und nicht Äußerungen über Twitter.

Falls die Wirtschaft weiter wachse, dürfte dies nach Auffassung der Experten für riskante Anlageklassen wie Aktien positiv sein. Es stelle sich die Frage, wie lange die Rally auf dem bereits länger andauernden Bullenmarkt bei Aktien noch weitergehen könne.

Es seien bereits erste Anzeichen und Pläne für verringerte Investitionsausgaben (CapEx) zu erkennen. Dies sei ein deutlicher Unterschied zum Jahresanfang, als die Indikatoren eine optimistischere Haltung der Unternehmen gezeigt hätten.

Das Verbrauchervertrauen sei ein weiterer wichtiger Wert, der trotz des jüngsten Ausrutschers, weiterhin hoch sei. Der US-Arbeitsmarkt brumme nach wie vor, und die allgemeine Stimmung der Verbraucher scheine entsprechend positiv zu sein.

Aber wie könne ein starker US-Arbeitsmarkt das aufkommende Problem der Verlangsamung des Welthandels wegstecken? Die Stimmung könne sich schnell drehen, und dies könnte im Laufe der Zeit auch die Fundamentaldaten beeinflussen.

Die Aktienmärkte, die die Experten für den Frühindikator par excellence halten würden, könnten das relativ schwächere Wachstum relativ schnell einpreisen, vor allem, wenn sich die Daten im Welthandel verschlechtern würden. Erste Berichte würden bei Ein- und Ausfuhren bereits eine Verlangsamung zeigen. Der internationale Handel sei für Europa und die Schwellenländer besonders wichtig, nicht nur für das allgemeine Wirtschaftswachstum, sondern auch für die Unternehmensgewinne.

Nach Auffassung der Experten dürfte Trump politische Vorteile gegen die wirtschaftlichen Nachteile abwägen. Auf den ersten Blick seien die möglichen Kosten eines Handelskrieges mit China deutlich höher als mit Europa, da die Integration der Lieferketten zwischen den USA und China sehr weit reiche.

Beim Handel mit Europa gehe es in höherem Maße um Endprodukte, und insbesondere um Automobile. Die Leistungsbilanz zwischen den USA und der EU sei jedoch ausgeglichen. Während die Handelsbilanz bei Waren negativ sei, da die EU einen Überschuss von 153 Milliarden US-Dollar gegenüber den USA erzielt habe, hätten die USA bei den Dienstleistungen einen Überschuss von 51 Milliarden US-Dollar gehabt.

Überdies hätten die USA beim sog. Primäreinkommen, das hauptsächlich aus den Unternehmensgewinnen der Tochtergesellschaften von US-Unternehmen in der EU bestehe, einen Überschuss von 106 Milliarden US-Dollar erzielt. Dies könnte den vergleichsweise versöhnlichen Ton erklären, den Trump nach dem Treffen mit Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, am 25. Juli angeschlagen habe.

Dagegen sei das US-Leistungsbilanzdefizit gegenüber China mit einem Gesamtbetrag von 358 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 in der Tat unausgewogen. Bedingt sei dies dadurch, dass China Investitionen durch ausländische Unternehmen schon vor langem beschränkt habe. Nach Erwartung der Experten werde sich die Rhetorik gegenüber China nach den US-Wahlen im November daher etwas abschwächen - insbesondere, wenn die Republikaner gut abschneiden würden.

Der Druck auf die europäischen Verbündeten sei nach dem Treffen von Trump und Juncker scheinbar bereits schwächer geworden. Es könnte zu Verhandlungen mit der EU über niedrigere Zölle kommen. Auf diese Weise könnte Trump seiner Wählerschaft zeigen, dass er etwas erreiche.

Dies alles sei jedoch Spekulation. Daher sollten sich die Anleger nicht zu sehr von dem politischen Getöse beeindrucken lassen. Viel wichtiger seien nach Dafürhalten der Experten Signale, die in der Wirtschaft für Unsicherheit sorgen könnten.

Derzeit würden die Stimmungsindikatoren aus den USA und Europa scheinbar keine düsteren Warnsignale aussenden. Die Experten würden für den Rest dieses und den Beginn des nächsten Jahres mit einem soliden Wachstum rechnen. Aber es erscheint uns heute mehr denn je seit dem Ende der Finanzkrise 2007/2008 geboten, etwas vorsichtiger zu sein und keine übermäßigen Portfoliorisiken einzugehen, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe vom 08.08.2018) (10.08.2018/ac/a/m)






 
 
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