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Kolumnist: Cornelia Frey

Trotz Daimler und Continental: DAX erstaunlich robust




26.04.19 14:16
Cornelia Frey

Euwax

Daimler: Jahresausblick kann bestätigt werden
 
Die Oster-Rally der vergangenen Tage ist seit gestern beendet. Nach neun Gewinntagen in Folge, schloss der deutsche Leitindex gestern erstmals wieder etwas tiefer. Das Minus ist zwar moderat und mehr als verkraftbar, doch kurzfristig spricht eher wenig für weiter steigende Notierungen. Trotzdem präsentiert sich der deutsche Leitindex bisher vergleichsweise robust – und das trotz eher durchwachsener Quartalszahlen aus dem Automobilsektor.

Die Erwartungen an Daimler waren nicht besonders hoch. Analysten und Marktteilnehmer rechneten bereits damit, dass der Jahresauftakt für den Stuttgarter Autobauer nicht besonders erfreulich verlaufen ist. Bei Daimler selbst gab man sich ebenfalls eher nüchtern und Dieter Zetsche spricht in der heutigen Pressemitteilung ebenfalls von einem „erwartet verhaltenen Jahresstart“. Finanzvorstand Bodo Uebber wird sogar noch deutlicher: „Wir sind vergleichsweise schwach ins Jahr gestartet und haben in allen automobilen Geschäftsfeldern mit zahlreichen Herausforderungen über die gesamte Wertschöpfungskette zu kämpfen. Dies hat sich negativ auf Absatz und Ertrag ausgewirkt.“ Nüchtern betrachtet ist der Rückgang nicht erfreulich, aber vielleicht nicht ganz so dramatisch wie man meinen könnte. Zu den Fakten: Der Konzernabsatz verringerte sich um vier Prozent auf nun 773.800 PKW und Nutzfahrzeuge. Der Umsatz blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil bei 39,7 Milliarden Euro. Dramatisch wird es allerdings beim EBIT. Mit rund 2,8 Milliarden Euro lag dieses fast eine halbe Milliarde unter dem Vorjahresvergleichszeitraum. Entsprechend verringerte sich auch das Konzernergebnis, welches im ersten Quartal bei knapp 2,1 Milliarden Euro lag (im Vorjahr rund 2,3 Milliarden). Trotz der Rückgänge lagen die heute vorgelegten Zahlen sogar noch leicht über den Erwartungen von Analysten. Zudem bestätigte Daimler heute seine Jahresprognose. Beobachter waren sich im Vorfeld nicht ganz sicher, ob Daimler wirklich an den Jahreszielen festhalten würde.
 
Gewinnrückgang: Continental dennoch zufrieden
Wenn die Autobauer husten, dann bekommt man als Zulieferer schon einmal eine schwere Erkältung. Das bekommt nun auch Continental zu spüren – wenngleich man von einer Grippe noch weit entfernt ist. Wie der DAX-Konzern heute im Vorfeld der anstehenden Hauptversammlung mitteilte, sank das operative Ergebnis im ersten Quartal um 17 Prozent auf nun rund 884 Millionen Euro. Der Umsatz konnte zwar moderat gesteigert werden, doch die operative Marge verringerte sich merklich um 1,6, auf nun 8,1 Prozent. Trotz des Rückgangs gibt man sich bei Continental noch halbwegs zufrieden. CEO Elmar Degenhart: „Die weltweite Autoproduktion ist zu Beginn des Jahres wie erwartet stark zurückgegangen. Umso erfreulicher ist unser solides Ergebnis.“ Nach eigener Aussage, habe man im ersten Quartal besser abgeschnitten, als die Gesamtbranche. Das Jahresziel wurde auch von Continental bestätigt.
 
Deutsche Bank: Nicht Fisch, nicht Fleisch
Einen Tag nachdem die Deutsche Bank das Ende der Fusionsgespräche mit der Commerzbank verkündete, gab es heute auch noch einen Quartalsbericht zu verdauen. Das Positive vorweg: Deutschlands größtes Finanzinstitut konnte den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um ganze 67 Prozent steigern. Das Problem: Der Gewinn liegt bei gerade einmal 201 Millionen Euro. Im internationalen Vergleich ist das eine geradezu lächerliches Ergebnis. JP Morgan beispielsweise verdiente im ersten Quartal 2019 knapp neun Milliarden US-Dollar. Wer zumindest auf einen kleinen Lichtblick hoffte, wurde heute bitter enttäuscht. In nahezu allen wichtigen Kernfeldern musste die Deutsche Bank weitere Federn lassen. So gaben die Erträge aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft um weitere fünf Prozent nach. In der Vermögensverwaltung, weitestgehend durch die Fondstochter DWS gesteuert, sanken die Einnahmen um fünf Prozent. Die Einnahmen sanken sogar um neun Prozent und lagen zuletzt nur mehr bei rund 6,4 Milliarden Euro. Was den Ausblick angeht, zeigt man sich ebenfalls eher nüchtern. CEO Christian Sewing: "Wir erwarten, dass unsere Erträge im Jahr 2019 im Wesentlichen unverändert zum Vorjahr bleiben werden". Im Fall von JP Morgan dürfte man sich über derartige Aussagen freuen. Im Fall der Deustchen Bank sind das nicht unbedingt rosige Aussichten.
 
Amazon: Die Rekordjagd geht weiter
Amazon hingegen bleibt weiter auf Rekordjagd. Wie das Unternehmen gestern mitteilte erzielte man im abgelaufenen Quartal den bereits vierten Rekordgewinn in Folge. Insgesamt verbuchte der Onlinehändler einen Nettogewinn von 3,6 Milliarden US-Dollar. Das ist gut doppelt so viel, wie im Vorjahresvergleichszeitraum. Das Ergebnis je Aktie lag bei 7,09 US-Dollar und somit doch sehr deutlich über den Erwartungen von Analysten (4,72 US-Dollar). Der wesentliche Gewinntreiber ist, wie erwartet, das Cloud-Geschäft. Mit rund 2,2 Milliarden US-Dollar steuerte das Geschäft mit der Cloud fast die Hälfte zum Konzernergebnis bei. Nachdem in dieser Woche bereits SAP und Microsoft Zahlen präsentierten und auch hier der Stellenwert des „Cloud Business“ im Vordergrund stand, hat sich bereits abgezeichnet, dass auch Amazon nachziehen würde. Ohnehin entwickelte sich Amazon bereits in den vergangenen Jahren zu einem echten Konkurrenten für Microsoft und SAP, da „Amazon Web Services“ (AWS) einen halbwegs identischen Kundenkreis auf Unternehmensseite anspricht. Amazon ist mittlerweile weit mehr als eine reine Onlinevertriebsplattform. Doch das „traditionelle“ Geschäft will man weiter ausbauen, was zu Lasten der kommenden Quartalsbilanz gehen dürfte, wie Finanzvorstand Brian Olsavsky durchblicken ließ. So plant Amazon im laufenden Jahr schon wieder Investitionen von rund 800 Millionen US-Dollar. Vor allem die Logistik soll ausgebaut werden, um „Prime-Kunden“ noch schneller ihre bestellten Waren auszuliefern. Im Gegensatz zu früheren Jahren, kann man sich derartige Investitionen durchaus leisten.

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