Erweiterte Funktionen


Kolumnist: Stefan Hofmann

Tipps und Infos rund um die Schildkröten-Strategie!




09.08.18 11:09
Stefan Hofmann

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

lassen Sie sich vom Namen nicht abschrecken, liebe Leserinnen und Leser. Auch wenn sich diese Strategie ihren aus dem Englischen stammenden Namen bei den Schildkröten (Turtles) ausgeliehen hat, hat die Handelsstrategie insgesamt nur wenig mit den Tieren zu tun. Innerhalb der Community der CFD- und Forex-Händler genießt der Ansatz eine Art Legendenstatus, wenn man es denn derart vollmundig formulieren möchte. Entstanden ist das Konzept in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt, weil sie bei wirklich konsequenter Anwendung zum Teil zu erstaunlichen Ergebnissen, also Renditen führen kann. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die das Turtle Trading eher für ein überholtes Modell halten, das den Anforderungen der digitalen Welt nur bedingt gerecht wird.

Die Missverständnisse innerhalb der „Szene“ basieren in weiten Teilen darauf, dass gerade viele Kritiker kein ausreichendes Hintergrundwissen zur Funktionsweise und den historischen Zusammenhängen der Strategie abrufen können. Die richtige Anwendung kann nach wie vor zu eindrucksvollen Ergebnissen führen und zwar in verschiedensten Märkten.

Strategie feiert 2017 bereits ihr 30. Jubiläum

1987, also vor genau drei Jahrzehnten, brachte das damals brandneue Turtle Trading System seinem „Entwickler“ Richard Dennis an der Wall Street enorme Aufmerksamkeit ein. Zusammen mit William Eckhardt machte der Börsenhändler Dennis ein Vermögen von sage und schreibe 80 Millionen US-Dollar. Hintergrund war eine Debatte, ob der Erfolg eines Traders nun sozusagen eine veranlagte Begabung oder das Ergebnis der individuellen Sozialisierung sei. Die Antwort suchten die beiden in einer Wette bzw. einem Experiment – dem Turtle-Experiment aus dem Jahr 1983. Über Inserate in verschiedenen wichtigen Branchenmedien stellte Dennis' Team eine Bewerbergruppe zusammen, deren beste Mitglieder Futures im Auftrag handeln sollten. An etwaigen Gewinnen mit dem bereitgestellten Kapital wurden die Händler beteiligt. Die Teilnehmer – auch als „Turtles“ bezeichnet – verfügten nur teilweise über Vorkenntnisse.

Lange Zeit war nicht ganz klar, welches Geheimnis hinter dem Turtle Trading steckte, bis vor einigen Jahren ein Teilnehmer in einem Buch genauer über die strategische Ausrichtung berichtete. Vorrangig ging es um die Frage, wie zugleich steigenden und fallenden Märkten gleichermaßen dauerhaft Gewinne realisiert werden können.

Short- und Long-Positionen mit Turtle Trading möglich

Wie die meisten Strategien arbeitet auch das Turtle-Modell mit relevanten Handelssignalen. Im Falle eines Long-Trades wird wie beim Short-Trademit zwei verschiedenen Strategien gearbeitet. Der Ansatz „Turtle Long 20“ beinhaltet einen Kauf zu einem neuen 20-Tage-Hoch einerseits und andererseits den Verkauf bei einem 10-Tage-Tief. Die Strategie „Turtle Long 55“ arbeitet mit einem Kauf zum neuen 55-Tage-Hoch und Verkauf bei einem 20-Tage-Tief. Die Short-Strategien sind entsprechend der Gegenpol. Anwender des Modells „Turtle Short 20“ kaufen bei einem neuen 20 Tage-Tief und verkaufen beim neuen 10-Tage-Hoch. „Turtle Short 55“ sieht der Logik folgend den Kauf beim neuen 55-Tage-Hoch sowie den Verkauf beim 20-Tage-Hoch vor. Gerade die zuletzt genannten Zeitfenster sind beliebte Fallbeispiele, die in vielen Ratgebern angesprochen werden.

Wichtige Bestandteile sind weiterhin ein Stopp-Kurs sowie ein Exit-Kurs. Wird der Exit-Kurs erreicht, wird die Position wieder verkauft.

Die positiven Eigenschaften des Turtle Trading

Für die Strategie spricht aus professioneller Sicht, dass die Strategie keine Abhängigkeit von den Veränderungen des Gesamtmarktes aufweist. Steigende und sinkende Kurse sind kein zentrales Thema für „Turtles“. Jeder Trend ist geeignet für die Anwendung dieser speziellen Trendfolgestrategie. Empfohlen wird Nutzern ein Depotbestand von mindestens fünf und maximal acht bis zehn Positionen. Short- und Long-Positionen gehören parallel in ein gut aufgestelltes Depot. Die Erfolgsaussichten der Positionen entscheiden, ob Ihr Depot mehr Short- oder mehr Long-Orders enthält. Wichtige Kriterien für die Auswahl des Bestands sind Trends einzelner Branchen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie erfolgreiche Positionen (ab einem Zuwachs von zehn Prozent und mehr) möglicherweise ausweiten, um mittels Turtle Trading-Strategie noch stärker am Trend zu partizipieren. Umfangreiche Trends wollen nun einmal genutzt werden.

Je deutlicher der Trend, desto größter die Chancen für „Turtles“

Fragt man Analysten, welche Gründe für die Turtle Strategie spricht, erhalten Sie vielfach vor allem eine Antwort: Die Strategie zeichnet sich durch einfach strukturierte Handelsindikatoren aus, die selbst für Anfänger mit etwas Erfahrung nachvollziehbar sind. Turtle Trading gehört ganz eindeutig in den Bereich der eher einfachen Trendfolgestrategien, die bestens für Phasen starker Trends interessant und sehr rentabel sein kann. In Seitwärtsmärkten hingegen zeigt sich bei der Anwendung oftmals eine große Menge falscher Signale, die Verluste bedeuten können. Alles in allem ist die Strategie des Wall-Street-Händlers Richard Dennis bis heute spannend. Was Sie dafür benötigen, sind allerdings Konsequenz und ein gewisses Maß Aggressivität, um die Strategie mit der nötigen Ausdauer zu verfolgen.

Einsätze pro Order werden bei positiven Entwicklungen angehoben

Dies liegt wiederum daran, dass die sogenannte „Pyramidisierung“ Teil der Strategie ist. Gemeint ist hier die schon erwähnte Positions-Erweiterung bei passender Gelegenheit. Unerfahrene Händler laufen im Ernstfall Gefahr den Überblick über ihr Positionsmanagement zu verlieren, dies betrifft ebenfalls das Setzen angemessener Stop-Kurse, auf die Sie niemals verzichten dürfen. Ein Wert in Höhe von 2 % des verfügbaren Handelskapitals wird vielfach im Zusammenhang mit dem Stop empfohlen. Gewinne sollten Sie mit Trailing-Stops absichern, um so schon erreichte Profite zu schützen und Verluste bei gegenteiliger Kursentwicklung zu minimieren.

Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.

Quelle: www.qtrade.de

powered by stock-world.de




 

 

Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...