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Tesla und der S&P 500: Warum hat es so lange gedauert?




20.11.20 11:45
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Anbei ein aktueller Marktkommentar vom Online-Broker LYNX:

"Es ist schwer zu sagen, wie Tesla (ISIN: US88160R1014, WKN: A1CX3T, Ticker-Symbol: TL0, Nasdaq-Symbol: TSLA) die aktuellen Bewertungen in Zukunft rechtfertigen will. Sogar wenn man von den positivsten Prognosen ausgeht und annimmt, dass die Nettoeinnahmen in den nächsten zwei Jahren von 556 Millionen US-Dollar auf 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen werden, käme man nur auf etwa die Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung von 387 Milliarden US-Dollar. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Aufnahme in den S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) einige Zeit gedauert hat, schließlich will man ein zweites Yahoo vermeiden."

Nun ist es also soweit: Am 21. Dezember 2020 werde Tesla in den S&P 500 aufgenommen und damit Teil eines der weltweit wichtigsten Aktienindices. Für den Elektroauto-Pionier bedeute das nicht nur, dass es damit in die Ränge der 500 wichtigsten und größten amerikanischen Unternehmen aufsteige, sondern auch, dass er viele neue, wenn auch zum Teil indirekte, Aktionäre bekommen werde, denn sämtliche Indexfonds und ETFs, die den S&P 500 abbilden würden, würden nun Aktien von Tesla halten müssen. Bereits seit Juli erfülle das Unternehmen die strengen Kriterien des S&P 500, doch die Entscheidung zur Aufnahme habe bis jetzt auf sich warten lassen. Über das Warum lasse sich freilich nur spekulieren, da das Komitee sich hierzu ausschweige, doch für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX, gebe es dafür gute Gründe.

"Der S&P 500 hat den Anspruch und die Aufgabe als Index den Markt so genau abzubilden wie möglich. Das bedeutet auch, dass die enthaltenen Unternehmen strenge Aufnahmekriterien erfüllen müssen, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Es gibt viele Beispiele aus der Vergangenheit, in denen Unternehmen einige Zeit darauf warten mussten, bis sie tatsächlich in den S&P 500 aufgestiegen sind. Das ist auch durchaus sinnvoll, denn der altehrwürdige Index soll nicht durch Shooting Stars verfälscht werden, deren Feuer am Ende genauso schnell ausbrennt wie es entzündet wurde", erkläre der Experte.

Für Tesla habe es lange so ausgesehen, als wäre diese Gefahr durchaus gegeben. Vor nur zwei Jahren habe das Unternehmen nach Aussage von Gründer Elon Musk nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt, doch mittlerweile scheine der Autobauer auf deutlich stabileren Füßen zu stehen. "Tesla ist aktuell in etwa so viel wert, wie die drei größten Autohersteller Toyota, Volkswagen und General Motors zusammen und konnte seine finanzielle Situation deutlich verbessern. Der operative Cash Flow allein im dritten Quartal 2020 überstieg mit 2,4 Milliarden US-Dollar den gesamten operativen Cash Flow der zehn Jahre vor September 2019. Die kritische Phase scheint also überwunden zu sein, trotzdem stellt sich die Frage, ob die Zahlen und die Zukunftsaussichten die derzeitige Bewertung von Tesla rechtfertigen."

Tatsächlich ziehe die Eigenkapitalrendite von Tesla gerade erst mit der anderer Autohersteller im Subindex-Bereich gleich und selbst wenn sie in den nächsten Jahren um die von Analysten geschätzten 20 Prozent steige, liege sie immer noch lediglich auf einem Niveau, das bis vor kurzem in der Automobilbranche als normal gegolten habe. "Es ist schwer zu sagen, wie Tesla die aktuellen Bewertungen in Zukunft rechtfertigen will. Sogar wenn man von den positivsten Prognosen ausgeht und annimmt, dass die Nettoeinnahmen in den nächsten zwei Jahren von 556 Millionen US-Dollar auf 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen werden, käme man nur auf etwa die Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung von 387 Milliarden US-Dollar. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Aufnahme in den S&P 500 einige Zeit gedauert hat, schließlich will man ein zweites Yahoo vermeiden", so der Experte.

Damit meine Sadowski die Aufnahme der Yahoo-Aktie in den S&P 500 im Dezember 1999. "Yahoo galt damals als Vorzeigeobjekt der neuen Dotcom-Unternehmen, doch nur vier Monate später platzte die Blase und beendete dieses Kapitel mit den bekannten dramatischen Auswirkungen. Neben den aus heutiger Sicht utopisch anmutenden Bewertungen zu dieser Zeit gibt es außerdem noch eine andere Parallele zu damals. Der Markt der Internetsuchmaschinen war und ist hart umkämpft. Yahoo galt als Platzhirsch, von Google hatten die wenigsten etwas gehört. Doch letztendlich setzte sich die bessere Technologie durch. Heute gilt Tesla als dominierendes Unternehmen für Elektroautos. Doch auch dieser Markt wird in den nächsten zehn Jahren immer weiter wachsen und die Konkurrenz zunehmen. Wer hier am Schluss die beste Technologie und damit die Nase vorn haben wird, lässt sich aus heutiger Sicht kaum prognostizieren." (20.11.2020/ac/a/m)






 
 
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