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Kolumnist: Klaus Singer

Technische Lage im S&P 500




19.03.18 07:22
Klaus Singer

Wie sieht die technische Lage beim S&P 500 aus? In der weit
fortgeschrittenen Phase dieses am 9. März vor zehn Jahren gestarteten
Bull-Run, noch dazu in der aktuellen kritischen Phase sollte man
diesbezüglich öfter hinsehen.
Im S&P 500 lassen sich vier Aufwärtskanäle unterscheiden. Die beiden
braun und violett markierten gehen bis auf die Anfänge des aktuellen
Bull-Runs zurück. Der hellgrün angezeigte Kanal stammt aus der ersten
Hälfte des Jahres 2016. Der dunkelgrün markierte Kanal geht auf den
Zeitpunkt der Wahl von Trump im November 2016 zurück, er wurde im März
2017 bestätigt (siehe Chart!).


Wichtig sind im gezeigten Chart außerdem noch die Fibonacci-Retracements
des Aufwärtsimpulses seit der Trump-Wahl. Die Ende Januar eingeleitete
Korrektur führte im Tief per 9. Februar intraday unter das 38er
Retracement bis zur Untergrenze des hellgrünen Aufwärtskanals.


Aktuell läuft das Kursgeschehen in einem Bärkeil oder, wenn man die
starke intraday-Bewegung am 9. Februar außer Betracht lässt, auch in der
Mitte einer Bärflaggen-Formation (graue Markierung). Die Obergrenze des
hellgrünen Aufwärtskanals wurde zuletzt mit geringer Dynamik angelaufen
und respektiert. Die EMA50 liegt 25 Punkte unter dem Schlusskurs vom
Freitag der zurückliegenden Woche, was bullisch zu werten ist.


Der VIX hat in der zurückliegenden Woche seine EMA50 getestet, per
Freitag wurde sie unterboten. Vermutlich setzt sich die nach unten
gerichtete Bewegung in den nächsten Tagen fort. Das wurde kurzfristig
bullische Aussichten für den S&P 500 unterstützen.


Von der chartechnischen Gesamtkonstellation her spricht einiges für
steigende Kurse im S&P 500. Auch die fraktalen Oszillatoren der
TimePatternAnalysis sprechen für eine moderat expansive Bewegung der
Finanzmärkte. Ungetrübt bullisch ist das Bild dennoch nicht.


Am Mittwoch der kommenden Woche findet das nächste FOMC-Treffen der Fed
statt. Ein Zinsschritt um weitere 0,25% gilt als sicher. Umso wichtiger
ist das verbale „Beiwerk“ – und das umso mehr, als Powell erst seit
kurzem im Chefsessel der Fed sitzt. Da werden die Worte noch mehr auf
die Goldwaage gelegt als zu normalen Zeiten und der kleinste Hinweis auf
eine schärfere Gangart bei der Geldpolitik dürfte von den großen
Akteuren umgehend mit einem Abverkauf quittiert werden. Und umgekehrt…


Von der Makroseite gibt es grünes Licht. Der Index der
Industrieproduktion ist im Februar mit 4,6% gegenüber dem Vorjahresmonat
angestiegen und steigt damit so stark wie seit März 2011 nicht. Der
Index entwickelt sich im dritten Monat über seinem mittelfristigen
Trend. Auch andere Indices signalisieren eine solide wirtschaftliche
Entwicklung, das Verbrauchersentiment ist im März (vorläufig) stärker
gestiegen als erwartet und erreicht ein Niveau wie seit Januar 2004
nicht. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung der Löhne und Gehälter verhalten.


Die Geldmenge nach MZM entwickelt sich mit einem jährlichen Zuwachs von
4,1% per Februar seit dem zweiten Quartal 2017 unter ihrem
mittelfristigen Trend, aber über der Entwicklung des BIP. Auch sonst
ergeben sich aus dem monetären Bereich keine Hinweise auf eine
„verdächtige“ monetäre Expansion.


Allerdings liegen die Überschußreserven der Banken bei der Fed mit über
2,1 Bill. Dollar auf einem hohen Niveau. Im September 2014 wurde hier
ein Maximum von fast 2,7 Bill. Dollar registriert, das jüngste Tief lag
per Dezember 2016 bei gut 1,9 Bill. Dollar. Das signalisiert ein
weiterhin hohes Kreditschöpfungspotenzial, eine Art Zeitbombe. Eine
schnelle Kreditausweitung wäre im aktuellen Kontext ein Warn-Hinweis auf
eine wirtschaftliche Überhitzung.


In der vergangenen Woche kam ein weiteres Trumpsches Vorhaben auf die
Agenda. Die Steuerreform ist abgehakt, jetzt geht es um die erneute
Deregulierung des Banken-Systems. Mit dem Dodd-Franck-Act hatte die
Obama-Administration unter tatkräftiger Mithilfe der Finanzindustrie ein
unglaublich kompliziertes Regelwerk verabschiedet. Trump will zurück zu
den Verhältnissen vor der Finanzkrise 2008 – ökonomisch höchst brisant
und gefährlich, wie die Geschichte gezeigt hat.


Die kurzfristigen Aussichten für die Entwicklung des S&P 500 dürften
aufwärts ausgerichtet sein – zumindest bis etwa zum Monatsende. Gut
möglich, dass dann erneut das Ende Januar markierte ATH erreicht wird.
Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario würde ich aktuell bei
rund 60% sehen. Mit Beginn des April richtet sich das Augenmerk auf die
Saison der Geschäftsberichte zum ersten Quartal. Ob die
Gewinnentwicklung dann die erforderliche „Phantasie“ bringt, um zu neuen
Höhen auszubrechen?


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2018/03/18/technische-lage-im-sp-500/





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