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Kolumnist: Finanztrends.info

Tapering-Diskussion bei der Fed: Droht bald eine Wutanfall der Anleger?




22.01.21 15:03
Finanztrends.info

Bekommt ein kleines Kind nicht seinen Willen, kann das für Menschen im Umkreis eine nervtötende Tortur werden. Sie schreien, weinen, werfen sich zu Boden, treten und schlagen manchmal auch um sich. Es dauert mehrere Minuten, oft länger, bis der kleine Quälgeist sein Temperament wieder gezügelt hat. Das Phänomen heißt im Englischen Temper Tantrum.


Seit einigen Wochen diskutiert man in den USA, ob es in diesem Jahr auch an den Finanzmärkten zu folgenreichen Gefühlsausbrüchen kommen könnte. Um das zu verstehen, muss man ins Jahr 2013 zurückgehen.


Einige Jahre nach der großen Finanzkrise lief gerade das dritte Anleihekaufprogramm der US-Notenbank Federal Reserve und die Wirtschaft nahm endlich wieder Fahrt auf. In diesem Umfeld ließ der damalige Fed-Chef Ben Bernanke einen folgenschweren Satz fallen. Er stellte bei einer Kongress-Anhörung die Möglichkeit in Aussicht, die Käufe von Staatsanleihen bald zu reduzieren – ein Vorgang, den die Angelsachsen Tapering nennen.


Die Botschaft schlug auf den Finanzmärkten wie eine Bombe ein. Innerhalb von wenigen Monaten schossen die Langfristzinsen und der Dollar-Kurs nach oben, der S&P 500 verzeichnete in der Phase drei kurze, aber heftige Rückschläge.


In Anspielung auf die kleinkindliche Raserei nannte die New York Times den Gefühlsausbruch der Anleger ein Taper Tantrum. Das Wortspiel wurde in der Finanzpresse und an den Märkten zum stehenden Begriff.


Steht ein Taper Tantrum wieder bevor?

Fast acht Jahre später befindet sich die US-Notenbank in einer ähnlichen Situation. Der Leitzins klebt an der Nulllinie, weil die Fed genug Liquidität in den Markt pumpt, und die Wirtschaft zeigt erste Erholungszeichen. Zudem ist ein weiteres billionenschweres Konjunkturpaket auf dem Weg und auch das Covid-19-Impfprogramm will der neue Präsident Joe Biden drastisch beschleunigen.


Die Währungshüter müssen daher den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik planen und regionale Fed-Vertreter haben in den letzten Wochen entsprechende Signale an die Öffentlichkeit gesendet. Allein ihre Erwähnung von Tapering und Zinserhöhungen bewirkte bereits eine leichte Reaktion der Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen.


Fed-Chef Jerome Powell war daraufhin gezwungen, die Bondanleger zu beruhigen. Es sei noch zu früh, um über die Drosselung der Anleihekäufe nachzudenken, sagte er während eines öffentlichen Webinars. Nach dem Machtwort des Notenbank-Chefs bewegte sich der Zins der richtungsweisenden Anleihe gleich wieder in die andere Richtung.


Das war zwar noch kein Wutanfall der Investoren, mehr ein Anflug von Motzigkeit; aber die Tapering-Diskussion in den USA war damit eröffnet. Das erste Quartal 2022 gilt unter Fed-Beobachtern derzeit als der wahrscheinlichste Starttermin für die Drosselung der Kaufprogramme.


Es stellen sich somit die Fragen: Steht uns ein ausgewachsenes Tantrum wie 2013 noch bevor? Kann die Fed es überhaupt verhindern, wenn die Märkte stets so sensibel reagieren? Und steckt die EZB im gleichen Dilemma?


Die Fed hat sich seit 2013 strategisch weiterentwickelt

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es möglich ist, ein Taper-Tantrum zu verhindern. Seit Bernankes Kommunikations-Fauxpas 2013 äußert sich die Fed nur sehr vorsichtig und kommuniziert ihre Absichten früh genug. Drosselungen der Anleihekäufe erfolgen langsam und gleichmäßig, damit die Realzinsen nicht zu schnell steigen. Mit diesem behutsamen Vorgehen gelang unter Ex-Fed-Chefin Janet Yellen Mitte der 2010er Jahre ein sukzessiver Ausstieg – ohne heftige Reaktionen der Märkte.


Hinzu kommt: Um eine Leitzinserhöhung müssen sich Investoren ohnehin noch nicht sorgen, da diese in der Regel erst 6 bis 12 Monate auf die Anleihekauf-Reduktion folgen. Das früheste Szenario wäre demnach die zweite Hälfte 2022, manche Banken schieben es sogar ins Jahr 2024.


Wer jetzt von Tapering-Ängsten spricht, verkennt zudem, dass sich seit 2013 eine Menge verändert hat – auch bei den Prioritäten der Fed. Immer mehr hat die US-Notenbank die Inflation als Hauptaugenmerk verloren und den Arbeitsmarkt in den Fokus genommen. Der Wechsel auf ein Durchschnittsziel für die Teuerungsrate war nur der jüngste Schritt in diesem Entwicklungsprozess.


Und auf dem Arbeitsmarkt ist die Lage in den USA weiterhin sehr angespannt. Im Dezember wurden sogar wieder Stellen gestrichen. Auch aus diesem Grund ist es derzeit nicht denkbar, dass die Fed die Anleihekäufe frühzeitig reduziert und so einen Markt-Aufschrei riskiert.


Für die EZB ist Tapering noch lange kein Thema

In Europa wäre die Tapering-Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt noch weniger gerechtfertigt als in den Vereinigten Staaten. Denn für die EZB ist die Drosselung des Quantitative Easing derzeit überhaupt kein Thema. Erst im Dezember hat die Notenbank ihr Notkaufprogramm für Staatsanleihen PEPP erweitert und verlängert.


Diese Haltung hat sich auch bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag nicht geändert – im Gegenteil: Die neuerlichen Pandemie-Beschränkungen deuten eher wieder auf einen Rückgang des BIP. Die EZB sieht sich entsprechend in seiner Risikoeinschätzung bestätigt und hält ihren geldpolitischen Kurs auf ganzer Linie.


Dabei vermitteln die Euro-Hüter bei jeder Gelegenheit, im Notfall immer nachlegen zu können und vermeiden Formulierungen, die als restriktiv interpretiert werden könnten. Die durchschnittlichen monatlichen Ankäufe der letzten Monate zeigen jedoch, dass das derzeitige PEPP-Volumen ausreichend bemessen ist. Es enthält sogar eine Art „Sicherheitsmarge“ für den Fall, dass bei möglichen Marktverwerfungen ein höheres Ankaufvolumen notwendig sein könnte.


Eine Planänderung dürften die Währungshüter spätestens im zweiten Halbjahr ankündigen, wenn auch die Strategieüberprüfung der Europäischen Zentralbank abgeschlossen ist. Eines ist dabei jedoch jetzt schon sicher: die Geldpolitik wird grundsätzlich expansiv bleiben.


Fraglich ist hingegen, wie die Notenbanken überhaupt wieder aus der Retterrolle rauskommen. Aber darum müssen sich wohl andere kümmern. Hauptsache, den Währungshütern bleibt das kindische Gekreische der Anleger erst einmal erspart.





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