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Südkorea: Ein Land im Wandel




14.02.18 10:40
Comgest

Paris (www.aktiencheck.de) - Emil Wolter, Portfoliomanager Emerging Markets bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, ist der Ansicht, dass sich Anleger anlässlich der Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea nicht nur für die potenziellen Medaillenkandidaten interessieren dürften, sondern auch für die Chancen am koreanischen Kapitalmarkt.

Mit der Eröffnung der XXIII. Olympischen Winterspiele am vergangenen Freitag im südkoreanischen Pyeongchang rücke die koreanische Halbinsel für die nächsten zwei Wochen erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Diesmal jedoch nicht wegen außenpolitischen Differenzen zwischen Nord und Süd, sondern als Schauplatz friedlicher Sportwettkämpfe um die heiß begehrten Medaillen. Doch auch für Anleger, die nach acht Jahren globalen Aufschwungs zunehmend vor der Herausforderung stünden, unterbewertete Titel zu finden, dürfte in Südkorea so mancher Weltklassetitel zu finden sein.

Von allen Ländern des Asien-Pazifik-Raumes sei Südkorea einer der wohl interessantesten Märkte für Investoren. Während die einen das Land noch den Emerging Markets zuordnen würden, sei es für die anderen bereits eine hochentwickelte Industrienation, die vor allem in den Sektoren Technologie und Automobilproduktion glänze. Dies zeige auch die Statistik der Weltbank, die für Südkorea für 2016 eine Pro-Kopf-Wirtschaftsleitung von 25.000 US-Dollar ausweise und nicht weit hinter Spanien liege, das auf 31.000 US-Dollar komme. Damit sei Südkorea die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Der Weg dahin sei jedoch nicht leicht gewesen für das kleine Land, das nach Ende des Bürgerkriegs 1953 vollkommen am Boden gelegen habe. In den 1960er Jahren mit einem Pro-Kopf-BIP von 67 US-Dollar noch eines der ärmsten Länder der Welt, habe sich Südkorea seit Ende der Militärdiktatur im Jahr 1987 dank einer konsequenten Reformpolitik und einer Fokussierung auf eine exportorientierte Industrie, innerhalb von nur 30 Jahren zu einer führenden Wirtschaftsnation von globaler Bedeutung entwickeln können.

Während dieser vergleichsweise sehr kurzen Periode habe die südkoreanische Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht. Doch dabei sei es immer wieder auch zu Krisen und Rückschlägen gekommen, die aber den weiteren Fortschritt letztlich beschleunigt hätten. In der jüngsten Krise des Landes etwa sei im Jahr 2016 die frühere Präsidentin Park Geun-hye verhaftet, angeklagt und schließlich wegen Bestechung, Nötigung zur Vermeidung von Strafverfolgung sowie wegen Unterschlagung verurteilt worden. Zudem seien neben ihr auch andere Minister aus ihrem Kabinett betroffen gewesen.

Demgegenüber habe die Bevölkerung dem neuen Ministerpräsidenten Moon Jae-in ein weitreichendes Mandat für den politischen Wandel verliehen. Er habe seine Amtszeit mit der Verpflichtung begonnen, die Anti-Korruptions-Kampagne fortzusetzen, gefolgt von einer Vielzahl politischer Maßnahmen, die darauf abzielen würden, sein Versprechen einer "sauberen, transparenten und gerechteren Gesellschaft" einzuhalten. Diese Maßnahmen würden aber auch auf die Wirtschaft des Landes abzielen.

Denn prägend für die südkoreanische Wirtschaft seien nach wie vor die so genannten Chaebols; größere Familienunternehmen, die meist aus verschiedenen Sparten bestünden und als Mischkonzerne auch großen Einfluss auf die Politik nähmen. Der teilweise fragwürdige Umgang mit Minderheitsaktionären, Überkreuzbeteiligungen und Aktiengattungen mit Mehrfachwahlrecht sowie die unglückliche Verknüpfung mit der Politik, hätten auf viele ausländische Investoren bisher abschreckend gewirkt. Aber man beobachte zunehmend, dass diese Verflechtungen allmählich aufbrechen würden und das Land auch im Bereich der Corporate Governance bereits spürbare Fortschritte gemacht habe.

Für Investoren könnten die Reformen längerfristig positiv sein, wenn sie die großen Konzerne zu Verbesserungen ihrer Corporate Governance zwingen würden. Positive Signale seien etwa von Südkoreas größtem Unternehmen, Samsung Electronics (ISIN KR7005930003/ WKN 888322), zu vernehmen. So sollten rund zehn Prozent der eigenen Aktien aus dem Verkehr gezogen werden. Darüber hinaus habe sich der Konzern verpflichtet, seine Dividende in den kommenden drei Jahren zu verdoppeln und damit einen Interessensausgleich zwischen der kontrollierenden Lee-Familie und den Minderheitsaktionären herbeizuführen. Wenn die Mitsprachemöglichkeiten der Aktionäre erweitert und Anreize für höhere Investitionen und Dividendenzahlungen geschaffen würden, könnten die Shareholder Returns und damit die Bewertungen im Laufe der Zeit steigen.

Südkorea habe in den vergangen 60 Jahren bemerkenswerte Veränderungen vollzogen und sei dabei seine Standards weiter anzuheben. Dies könne sich kurzfristig unterschiedlich auf die Gesamtleistung einzelner Unternehmen auswirken, sollte aber für die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten des Landes von Vorteil sein. Diese Politik könne letztlich die Basis für einen breiteren Wohlstand schaffen, sowie ein soziales Umfeld, das kreativen Fortschritt unterstütze und fördere. Das wäre dringend notwendig, wenn Korea dem ehrgeizigen Nachbarn China mit Blick auf Effizienz und Innovation weiterhin einen Schritt voraus bleiben wolle.

Wenn die Reformen konsequent vorangetrieben würden, der Innovationsmotor intakt bleibe und die Governance der Unternehmen Fortschritte mache, so seien die Aussichten für gezielte Investments in koreanische Qualitätswachstumsaktien blendend. Für Anleger, die die Reformpolitik der südkoreanischen Wirtschaft und Unternehmen beobachten würden, würden sich somit große Chancen ergeben an einem bisher noch niedrig bewerteten Markt gute Renditen zu erzielen. Comgest gehöre zu diesen Anlegern. (14.02.2018/ac/a/m)







 
 
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