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Kolumnist: Michael Beck, Leiter Portfolio Management

Sturmflut in Großbritannien




16.01.19 16:32
Michael Beck, Leiter Portfolio Management

Nicht nur die Nordsee ist zurzeit relativ stürmisch, auch im altehrwürdigen Parlament in Großbritannien schlagen die Wogen hoch und man verfolgt mit Erstaunen, welche Schwierigkeiten es hat, in diesen Tagen seine Würde zu bewahren. Nun ist die britische Premierministerin krachend mit ihrem EU-Deal gescheitert. Obwohl die Niederlage deutlicher ausfiel als erwartet, tritt sie nicht zurück und stellt sich nun einem Misstrauensvotum der Opposition. Wahrscheinlich übersteht sie dies und dann ist das Chaos leider weiter perfekt. Denn der Plan B, den das Parlament bis Montag von May erwartet, dürfte noch nicht existieren. Das Land ist tief gespalten – während sich die einen auf die „Freiheit“ freuen, haben die anderen mehr und mehr das Gefühl, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steigt. Unternehmen, Wissenschaft und Forschung sehen düsteren Zeiten entgegen und erwarten Ungemach. Dies schlägt sich in der Stimmung und auch in der bereits sinkenden Wirtschaftsleistung nieder. Die junge Generation, also die Zukunft des Landes, ist besonders frustriert, denn 75 Prozent der jungen Wähler haben gegen den Brexit gestimmt. Leider ist ein Großteil dieser jungen Generation seiner demokratischen Verpflichtung nicht nachgekommen und blieb den Wahlurnen fern. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und die Kosten dafür wird auch vor allem diese junge Generation tragen müssen. Hoffentlich stellt dies ein warnendes Beispiel für die kommende Europawahl dar, bei der darüber entschieden werden wird, wie hoch der Einfluss der populistischen Bewegung in Europa zukünftig sein wird.


Die Reaktion der Finanzmärkte ist vor diesem diffusen Hintergrund schon sehr erstaunlich. Sie behandeln diese historische Niederlage einer britischen Premierministerin mit angeschlossener Chaos-Situation quasi als Non-Event. Die Aktienmärkte setzen ihre leichte Erholungstendenz, die sie seit Jahresbeginn gestartet haben, fort und selbst der Krisenherd des letzten Quartals, das hochverschuldete Italien, kann sich nach dem erzielten Haushaltskompromiss mit der EU wieder überraschend leicht an den Finanzmärkten refinanzieren. Der Euro ließ ein paar Federn, aber letztendlich wird Europa weniger unter einem harten Brexit leiden als die Insel. Die Unsicherheit über die verfahrene Brexit-Situation wird die nächsten Wochen und Monate bestimmen. Die Gespräche zur Eindämmung des Handelsstreites der USA mit China werden Ende Januar mit Sicherheit mehr Einfluss auf die Marktentwicklungen nehmen, da die Auswirkungen nicht nur auf ein oder wenige Länder beschränkt sein werden, sondern weil die Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft davon betroffen sein wird. Noch lebt die Hoffnung auf sinnvolle Kompromisslösungen sowohl beim Brexit- als auch beim Handelszoll-Thema. Und solange diese Hoffnung lebt, dürfte es an den Finanzmärkten noch relativ ruhig bleiben. Die Sturmwolken bleiben jedoch bis auf Weiteres am Horizont sichtbar.    


 


Die aktuelle Marktmeinung mit weitergehenden Informationen und Zusatzmaterial ist unter http://www.privatbank.de/marktmeinung frei abrufbar.




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Hinweise:


Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.


 





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