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Spanien: Etwas weniger Schwung




06.12.18 08:35
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der hohe spanische Wachstumsvorsprung zur Eurozone in den vergangenen Jahren dürfte sich bis 2020 auf wenige Zehntel zurückbilden, so die Analysten der Helaba.

Um den Aufholprozess bei den Einkommen fortzusetzen, wären Strukturmaßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit angesagt, die allerdings auch 2019 nicht zu erwarten seien. Spanien habe im letzten Jahrzehnt - ähnlich wie andere Länder im Süden Europas - gleich zwei Rezessionen überstehen müssen. Obwohl die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie die europäische Staatsschuldenkrise zu erheblichen Verwerfungen geführt hätten, sei bereits 2017 das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 überschritten worden.

Trotzdem sei das Land im Vergleich zur gesamten Eurozone ärmer geworden. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrage 2018 etwa 77% des Durchschnitts im gemeinsamen Währungsraum, während es 2007 noch gut 84% gewesen seien. Es bleibe also noch eine Lücke, die zunehmend langsamer geschlossen werde. Nach drei Jahren mit Raten von 3% und mehr wachse Spanien 2018 nur noch um 2,5%. 2019 dürften es 2,3% sein.

In diesem Umfeld wolle die spanische Regierung ihre Haushaltspolitik etwas lockern. Trotzdem dürfte 2018 mit einem Budgetdefizit von 2,7% des BIP zum ersten Mal seit zehn Jahren der Maastricht-Grenzwert von 3% unterschritten werden. Ob 2019 die avisierten 1,8% erreicht würden, sei fraglich. Um eine Mehrheit für den Haushalt zu erreichen, habe die sozialistische Minderheitsregierung der linken Podemos entgegenkommen und die Ausgaben in einigen Bereichen erhöhen müssen.

Die spanische Beschäftigung sei zuletzt mit Raten um 2,5% gestiegen. 2019 sei hier nur eine moderate Abschwächung zu erwarten. Die Lohnerhöhungen dürften mit rund 2% etwas stärker ausfallen als die Inflationsrate. Positiv für die Haushaltseinkommen sei, dass die Altersbezüge an den Preisindex gekoppelt und niedrige Renten erhöht werden sollten. Die Sparquote dürfte sich nach dem jüngsten Rückgang stabilisieren. Damit werde der Konsum 2019 in etwa so stark zulegen wie das Bruttoinlandsprodukt.

Weiter dynamisch expandieren sollten die Ausrüstungen und die Bautätigkeit. Positiv wirke sich die zusätzliche Förderung des sozialen Wohnungsbaus aus. 2018 seien die Exportzuwächse zurückgegangen, während die Einfuhren aufgrund der starken Binnennachfrage deutlich stärker gestiegen seien. Damit sei der Wachstumsbeitrag des Außenhandels negativ gewesen. Da sich die europäische Konjunktur erst im Verlauf von 2019 bessern dürfte, sei im Gesamtjahr mit keinem positiven Wachstumsbeitrag des Außenhandels zu rechnen. Auch der Boom im für Spanien wichtigen Tourismus sei fürs Erste vorbei. Mittlerweile seien konkurrierende Ziele wie die Türkei oder Ägypten verhältnismäßig günstiger geworden. 2018 dürfte die Zahl der nach Spanien reisenden Ausländer auf knapp 82 Mio. leicht gesunken sein.

Um weiterhin überdurchschnittlich zu expandieren und damit mittelfristig das Einkommensniveau der Eurozone zu erreichen, müsste Spanien seine strukturellen Schwächen konsequenter bekämpfen. Neben Reformen am Arbeitsmarkt seien Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Verbesserung des Bildungswesens vordringlich. Trotz des hohen Wirtschaftswachstums sinke die öffentliche Verschuldung von aktuell immer noch 98% des BIP kaum. (Ausgabe vom 03.12.2018) (06.12.2018/ac/a/m)






 
 
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