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So meistern Investoren die Unwägbarkeiten des Jahres 2022




11.10.21 11:12
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.aktiencheck.de) - Wo legt man sein Geld an? Für welche Anlagestrategie sollte man sich entscheiden? Ist dies der richtige Zeitpunkt, um in Aktien zu investieren? Anleger, die ihr Erspartes vermehren wollen, stellen sich all diese Fragen regelmäßig. Sie sind in einem Umfeld, das aktuell von Gegensätzen und Ungewissheiten geprägt ist, wichtiger denn je, so die Experten von Carmignac Gestion.

2021 sei das Jahr der Wiedereröffnung der Wirtschaft gewesen, in erster Linie getragen von groß angelegten Impfkampagnen, Hilfspaketen von Regierungen sowie geldpolitischer Unterstützung durch Währungshüter. Im kommenden Jahr könnte das Wachstumstempo allerdings abnehmen und bleibe möglicherweise hinter den derzeitigen Prognosen zurück. Die Wirtschaftsentwicklung der Regionen dürfte auch künftig voneinander abweichen. Das sei hauptsächlich auf die Verschiedenartigkeit der Wirtschaftspolitik weltweit zurückzuführen.

Die Politik der USA und die Chinas seien diametral entgegengesetzt und ein perfektes Beispiel für diese Entkopplung der Weltwirtschaft. Um die Auswirkungen der Krise abzumildern, habe Washington groß angelegte Unterstützungspläne mit dem Schwerpunkt auf Sozialtransfers auf den Weg gebracht. Peking habe dagegen beschlossen, sich auf den Schuldenabbau und die Dekarbonisierung der chinesischen Wirtschaft zu konzentrieren und die Regulierungen für Großkonzerne zu verschärfen.

Der Euroraum dürfte wiederum einen anderen Kurs einschlagen. Die Konjunkturerholung sei bisher im Vergleich zu den USA bescheiden ausgefallen. Das Wachstumsprofil der Region könnte sich dennoch als widerstandsfähiger erweisen. Grund dafür sei das Konjunkturpaket NextGenerationEU: Dessen Ziel sei es, den Aufschwung dauerhaft zu sichern und die Mitgliedstaaten bei der Energiewende und beim digitalen Wandel zu unterstützen.

Zu diesen Unterschieden komme hinzu, dass die Inflation länger als erwartet anhalten könnte. Der weltweite Preisanstieg lasse sich durch mehrere Faktoren erklären. Der Mangel an Halbleitern, die hohe Auslastung der Transportkapazitäten im See- und Straßenverkehr sowie die fehlenden Arbeitskräfte im Baugewerbe und im Dienstleistungsbereich würden die Produktion der Unternehmen beeinträchtigen. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise, die auf eine besonders starke Nachfrage zurückzuführen seien, sowie geopolitische Spannungen und klimatische Faktoren, wie beispielsweise Dürren oder Wirbelstürme, würden die Inflation ebenfalls anheizen.

Was die Investitionsentscheidungen betreffe, erfordere ein solches Umfeld Besonnenheit. Nach einer Periode, in der die Finanzmärkte nur eine Richtung gekannt hätten, könnte das Stockpicking wieder der beste Weg sein, um Performance zu erzielen. Diese Strategie zahle sich vor allem dann aus, wenn eine Wende beim Wirtschaftszyklus einsetze. Um angesichts der immer noch sehr niedrigen Zinssätze und eines Inflationsanstiegs höhere Renditen zu erzielen, sollten sich die Anleger daher vor allem Aktien zuwenden.

Das Nachlassen des globalen Aufschwungs könnte Aktien mit sichtbarem Wachstum, also Growth-Aktien, begünstigen - Unternehmen, von denen man ein starkes Geschäftswachstum erwarte bzw. die eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit aufweisen. In einem inflationären Umfeld dürften zudem jene Firmen gefragt sein, die ihre Gewinnspannen selbst dann aufrechterhalten könnten, wenn sie die Verkaufspreise wegen steigender Kosten (von etwa Rohstoffen, Löhnen, Mieten oder Transport) erhöhen müssten. Darüber hinaus hätten sich aufgrund der Pandemie bestimmte Trends verstärkt und neue Marktführer geschaffen: Online-Einkauf und -Zahlungen, Lebensmittellieferungen, Arbeiten im Homeoffice. All diese Dinge habe es schon vorher gegeben, aber die Pandemie habe ihre Einführung beschleunigt, und zwar nachhaltig.

Neben Aktien könnte sich ein selektiverer Ansatz auch in jenen Segmenten der Anleihemärkte auszahlen, die noch Renditen bieten würden - die Märkte, an denen Unternehmens- und Staatsanleihen gehandelt würden, um sich gegen Zinszahlungen zu finanzieren. Dies könnte bei Unternehmensanleihen der Fall sein, die weiterhin von der Wiedereröffnung der Weltwirtschaft profitieren dürften. Gleiches treffe auch auf Anleihen von Unternehmen zu, die mit dem Energiesektor verbunden seien.

Wie sehe es in China aus? Die Verschärfung der Vorschriften, mit denen zahlreiche Exzesse (marktbeherrschende Stellungen, Ungleichheiten, Verschuldung) in bestimmten Segmenten der chinesischen Wirtschaft korrigiert werden sollten, habe die Ängste ausländischer Investoren geschürt. China bleibe zwar eine wichtige Wachstumsquelle für die kommenden Jahrzehnte, doch seien Investments in diesem Land nach wie vor komplizierter als anderswo. Man könne nicht blindlings investieren, denn es gebe viele Stolperfallen, die es zu vermeiden gelte. Aus diesem Grund müsse man bei der Auswahl der Anlagen äußerst selektiv vorgehen und einen aktiven Managementansatz nutzen, um nicht vom Auf und Ab der Börsenindices abhängig zu sein.

Wir befänden uns immer noch an einem Wendepunkt. Und in einem derart komplexen und heterogenen Umfeld erscheine eine diversifizierte Vermögensverwaltung eine besonders geeignete Lösung zu sein, denn sie ermögliche es, die Anlagen eines Fonds je nach Risiko und erwarteter Rendite auf mehrere Anlageklassen zu verteilen. Eine Voraussetzung sei allerdings, dass Flexibilität und Selektivität miteinander verbunden würden. (11.10.2021/ac/a/m)






 
 
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