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Kolumnist: Hans-Jürgen Haack

Skepsis, Gefahren, Probleme und Warnungen




26.06.19 11:26
Hans-Jürgen Haack

Werter HAACK-WEEKLY-Leser,


nach der Mai-Korrektur lief eine starke Rally bis an die Höchstkurse. Sowohl in der HAACK-DAILY (Hebelprodukte + 15 Risikoeinheiten), im Musterdepot (+ 6,9 %), im PP-HAACK-Fonds (10 % Gewinn von 29. 05 bis 24.06.) wie auch im HAACK-Performance-ETI (legte in 3 Juni-Wochen um 12 % zu) konnten wir von der Rally profitieren, da wir die Mai-Korrektur konsequent zum Kauf nutzten. Das soll hier aber keine Lobhudelei werden, denn wir koinzidieren auch, dass wir von Februar bis Mai unbefriedigend agierten, viel zu vorsichtig waren. Worauf ich hinaus will:


Ende Mai war die Lage markttechnisch einfach ideal! Normale 6 %-Korrektur mit einer deutlichen Stimmungsverschlechterung und unterinvestierte Anleger bei sehr niedrigem Zinsniveau. Besser ging es nicht. Und nun ganz wichtig:


Wie sieht es jetzt aus, so nahe an den Jahreshochs (in den USA sogar an den Allzeithochs)? Ähnlich gut! Denn wenn man nun denkt, die steigenden Kurse hätten zu einer optimistischen Stimmung geführt, sieht man sich getäuscht. In den USA gibt es bei den Privatanleger mehr Bären als Bullen (Quelle www.aaii.com ). Zwar muss man stets mit Korrekturen rechnen, aber der Trend ist intakt. Bedenken Sie: Der Raum für positive Veränderungen ist nun viel größer als der für negative. Gestern sah ich eine Grafik aus den USA, die eine Waage zeigte. Links die positiven Faktoren: Ein einziger , nämlich der nun wohl sinkende Zinszyklus der Fed. Rechts die negativen Faktoren: Rund 20, von der invertieren Zinskurve über schwächere Hausbauten bis hin zu den Chip-Verkäufen von Intel. AMD & Co. Das sieht natürlich auf den ersten Blick sehr ungünstig für den Aktienmarkt aus. Aber: Diese ganzen Faktoren sind bekannt, also eingepreist! Für die Zukunft ist v.a. die (positive oder negative) Veränderung der Faktoren entscheidend. Und in welche Richtung mehr Potential besteht, sollte klar sein: Das sich bereits negative Aspekte noch weiter verschlechtern oder dass sie sich wieder in Richtung Normalität bewegen? Darum geht aus auch in der dieswöchigen HAACK-INVEST, aus der ich Ihnen unten einen großen Abschnitt als Auszug zur Verfügung stelle.


 


Auszug HJAACK-INVEST 26-19:


 



„Allerorts Skepsis, Gefahren, Probleme und Warnungen - aber die Aktienmärkte notieren an Jahreshöchstständen, die US-Indizes sogar an den Allzeithochs! Wie kann das sein? Passt das noch zusammen? Ja, das passt sogar sehr gut zusammen, ist aus markttechnischer Sicht fast ideal. Denn man kann davon ausgehen, dass aufgrund der Unsicherheitsfaktoren und der gemessenen Skepsis der Marktteilnehmer nur wenige Anleger die Reise in Richtung Norden ausreichend investiert mitgemacht haben. Viele stehen weiterhin staunend am Rand, lassen sich von negativen Nachrichten aus Positionen drängen.


Beachten Sie stets: In den Medien lassen sich aufgebauschte Schreckensmeldungen und Horror- Szenarien viel besser verkaufen, erreichen online höhere Klickzahlen (was für die Werbeeinnahmen essentiell ist). Unterschwellig setzt sich dann ein Bild im Gehirn fest, welches negativer als die Realität ist. Beispiel: Die jüngsten Sanktionen der USA gegen den Iran, die der Führungselite den Zugang zu Finanzressourcen verwehren sollen. Dies wird zunächst als negative Meldung verkauft. Sicherlich: Eine wirklich gute Nachricht war dies nicht. Aber was vergessen wird: Mit solch einer Aktion wahrt Trump sein Gesicht, kann Stärke demonstrieren, und sie ist eine viel bessere Alternative als ein Militärschlag, der so vielleicht vermieden werden kann. Also doch eine positive Meldung? Zudem sollte man sich fragen: Würde eine kriegerische Auseinandersetzung im Iran die Gewinne der Unternehmen tatsächlich nachhaltig verändern? Wohl nur dann, wenn der Ölpreis extrem steigen würde.


Anstatt sich aber auf Unsicherheiten und Szenarien, die vielleicht gar nicht eintreten, zu fokussieren, sollte man sich auf den realen Zustand und wirtschaftliche Frühindikatoren (von deren der Aktienmarkt ein wichtiger ist – und der deutet aktuell eher auf Verbesserungen als auf Verschlechterungen hin!) konzentrieren.


Wir registrieren, dass sich das fundamentale Umfeld im Jahr 2019 robuster zeigt, als es von vielen Analysten gesehen wird. Die Schlagzeilen werden bestimmt von schwachen Zahlen im Industriesektor. Unter den Tisch fällt indes oftmals der stabil expandierende Dienstleistungsbereich. Es ist einfach die Folge des weltweiten Wandels hin zu Dienstleistungsgesellschaften. So trägt die Industrie nur noch ¼ zum BIP in der Eurozone bei (in Deutschland rd. 31 %). Man muss also umdenken! Auch der invertierten US-Zinsstrukturkurve wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sie ist ein Warnsignal, mehr aber auch nicht, denn eine Inversion bedeutet nicht zwingend eine folgende Baisse. In dieser Kerbe schlägt: Die bisher für Juni ausgewiesenen Einkaufsmanagerindizes New York Empire State-Index und Philadelphia Fed-Index liegen um oder leicht unter null. Dies trat ebenfalls in den Jahren 2011/12 und 2015/16 auf, ohne dass es zu einer Rezession in den USA kam.


Im Chart oben erkennen Sie den US Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe mit seiner Abwärtstendenz („Anmerkung: Hier in HAACK-WEEKLY nicht abgebildet“). Aber man sieht auch, wie aggressiv und nachhaltig die Fed gewöhnlich über Zinssenkungen reagiert, falls dies notwendig wird. Hier ist also noch viel Abwärtspotential beim Kurzfrist-Zins, was dann auch die Zinsstrukturkurve wieder normalisieren würde. Die Fed hat nun klar kommuniziert, dass sie gewillt ist, schnell gegenzusteuern.


Wie oben schon angeführt, sollte man sich von negativen Analysen nicht von der Linie abbringen lassen. Denn hier gilt fast schon das alte Sprichwort: Gefahr erkannt = Gefahr gebannt. Diese ständig angesprochenen Themen bergen kaum noch negatives Überraschungspotential. Gefahr für die Märkte kommt aber meist nur durch überraschende Verschlechterungen. Auf die bekannten Dinge konnte man sich lange genug einstellen, sich wappnen. Mit den Problemen und Unsicherheiten im Rücken hat sich indes eine sog. „Mauer der Angst“ entwickelt. An einer solchen steigen die Aktienmärkte gerne langsam und nachhaltig nach oben, immer wieder mal unterbrochen von scharfen Korrekturen unter neuen negativen Meldungen, wie wir das im Mai erlebten.


 


Exemplarisch: Laut AAI-Umfrage vom 20. Juni sind 29,51 % der Privatanleger bullisch und 32,13 % bearish. Mehr Bären als Bullen! Und das am Allzeit-Hoch. Ähnliche Situationen kamen bisher selten vor. Die Grafik unten zeigt die wenigen Fälle. Es folgten stets Anstiege mit nur normalen Korrektur-Phasen. Jedoch ist die Stichprobe zu klein, als dass man dem eine zu hohe Relevanz beimessen kann.


 



 


Zuletzt sollten Sie noch bedenken: Im schwierigen Umfeld von Problemen und Unsicherheiten ist das Potential einer Lage-Verbesserung oft deutlich höher als das einer –Verschlechterung. Und darauf reagieren Börsen bzw. nehmen es vorweg: Auf Veränderungen! Der Ist-Zustand ist in den Kursen enthalten. Wir betonen allerdings, dass selbst diese u.E. positive Ausgangslage keine zwischenzeitlichen Korrekturen verhindert. Im Herbst wäre ein gesunder Rückgang von ca. 6 bis 12 % ganz normal – indes könnte er von einem viel höheren Niveau aus starten. Denn bei neuen Höchstkursen dürften unterinvestierte Marktteilnehmer die Kurse weiter treiben. Das wäre dann eine Sommer-Rally, die wir nicht ausrufen, wohl aber einkalkulieren.


Fazit: Es ist noch weiteres Potential vorhanden, eine Sommer-Rally erscheint möglich, aber man muss auch Korrekturen einkalkulieren. Und dass die übergeordnete Hausse noch intakt ist, belegen die Charts. Nach den letzten Anstiegen kommen Käufe aber nur noch dort in Frage, wo über Gebühr gedrückte Kurse hohe Potentiale ergeben.“


 


Herzlichst Ihr


Hans-Jürgen Haack


 


Hinweis auf bestehende Interessenkonflikte nach § 34b Abs. 1 Nr. 2 WpHG: Wir weisen Sie darauf hin, dass die PP-Asset Management GmbH oder ein verbundenes Unternehmen aktuell oder in den letzten zwölf Monaten eine entgeltliche Werbungskooperation zur Deutschen Bank AG, Unicredit, Morgan Stanley, Société Générale und der Bank Vontobel Europe AG eingegangen ist.


 


 



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