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Sieben Strategien für den Spätzyklus




11.10.18 14:40
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - So wie ein außergewöhnlich langer Sommer irgendwann in den Herbst übergeht, finden auch wirtschaftliche Wachstumsphasen eines Tages ein Ende, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management.

Die USA würden ihre zweitlängste wirtschaftliche Expansion erleben, die bereits zehn Jahre andauere. Und auch wenn derzeit kein Ende in Sicht sei, stelle sich die Frage, wie lange dieser noch anhalten werde. Laut Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, spreche vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur im Spätzyklus befinde.

"Für Anleger wird die Frage, was zu tun ist wenn der US-Aufschwung endet, mit fortschreitender Dauer der Expansion immer dringlicher. Sie stehen vor dem Dilemma, dass Aktienmärkte in Spätzyklen einerseits durchaus attraktive Renditen zu bieten haben. Andererseits gibt es, sobald der Aufschwung in den USA endet, meist negative und globale Auswirkungen auf die Kapitalmärkte", führe Galler aus. Wer sein Portfolio bereits jetzt defensiver ausrichten wolle, sollte laut dem Experten dabei einige Aspekte beachten.

So sei der Punkt, an dem sich der Spätzyklus in den USA aktuell befinde, nicht exakt zu bestimmen. "Die US-Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit fast fünfzig Jahren. Das legt nahe, dass sich der Aufschwung seinem Ende nähert. Dank gestiegener Produktivität und gedämpftem Lohnwachstum sind die Unternehmensgewinne aber noch nicht unter Druck geraten", erläutere Galler.

Selbst wenn man die Auswirkungen der gesunkenen Körperschaftssteuer nicht berücksichtige, hätten die Gewinne der S&P 500-Unternehmen im zweiten Quartal solide zweistellige Zugewinne verzeichnet. Doch da die US-Notenbank (FED) die Zinsen allmählich anhebe, würden insbesondere Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren verstärkt verschuldet hätten, zunehmend belastet. Und die höheren Zinsen könnten sich durchaus gerade dann bemerkbar machen, wenn die fiskalpolitischen Anreize allmählich auslaufen würden.

Auch wenn der Beginn der nächsten Rezession nicht auf ein exaktes Datum festzulegen sei, spreche einiges dafür, dass der nächste Rückgang der Wirtschaftsleistung moderater ausfallen werde als in der Finanzkrise, sei Galler überzeugt. "Die Stabilisierung des Bankensystems und die aktuelle Abwesenheit von extremen Bewertungsblasen lassen eine 'traditionelle' Rezession wie in den 80er und 90er Jahren erwarten, bei der die Unternehmensgewinne letztendlich durch steigende Zins- und Lohnstückkosten unter Druck geraten", so der Experte.

Die Erwartungen der Aktienmärkte in Bezug auf zukünftiges Wachstum seien heute deutlich bescheidener als sie es vor der Dotcom-Blase gewesen seien. Im März 2000 habe der S&P 500-Technologiesektor seinen Höchststand mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des 55-fachen erreicht, während der Aktienmarkt insgesamt ein KGV von 25 aufgewiesen habe. Während einige Technologieunternehmen heute sehr hohe Bewertungen hätten, weise der Technologiesektor insgesamt ein KGV von 19 auf, und das S&P 500-KGV entspreche weitgehend dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre.

In der Vergangenheit hätten sich Anleger, die die Stabilität ihres Portfolios hätten erhöhen wollen, oft für eine stärkere Gewichtung in Staatsanleihen entschieden. Dadurch hätten Verluste des Gesamtportfolios bei Aktienmarktrückgängen abgefedert werden können. Heutzutage seien die Zinsen in den meisten Industrieländern jedoch immer noch rekordverdächtig niedrig - die durchschnittlichen Leitzinssätze in den USA, der Eurozone und Großbritannien seien etwa von rund 5,5 Prozent im Jahr 2000 auf weniger als 2 Prozent im Jahr 2003 und anschließend von 4,7 Prozent im Jahr 2007 auf weniger als 0,5 Prozent im Jahr 2009 gefallen. "Da die derzeitigen Leitzinsen durchschnittlich nur bei 0,8 Prozent liegen, gibt es ganz offensichtlich keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen dieser Größenordnung", sage Tilmann Galler.

Allein der US-Markt für Staatsanleihen biete einen gewissen Puffer, da die Zinsen bereits einige Schritte erhöht worden seien. "Fällt die Rendite einer US-amerikanischen 10-jährigen Staatsanleihe von 2,9 Prozent auf 1,5 Prozent, dann ergäbe sich daraus ein Ertrag von rund 15 Prozent. Weniger offensichtlich ist, wo Anleger auf den europäischen Staatsanleihenmärkten sichere Häfen finden könnten. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe liegt gerade einmal bei 0,5 Prozent", so Galler.

Angesichts dieser Ausgangslage und unter Berücksichtigung der Entwicklung verschiedener Anlageklassen und Sektoren in der Vergangenheit, sehe Galler sieben Strategien als geeignet an, wenn Anleger ihre Portfolios defensiver Ausrichten wollten:

1. Nahezu neutrale Aktienpositionen, jedoch Untergewichtungen vermeiden, da Aktienmärkte am Ende des Zyklus tendenziell gut abschneiden würden.

2. Bei Aktien regional und damit gestreut investieren. Eine Verschiebung bei der regionalen Allokation könne die Wertentwicklung im Falle einer Marktkorrektur nur selten abfedern.

3. Gewichtungen in Aktien mittlerer und kleinerer Marktkapitalisierung abbauen, denn Large Caps würden bei einem Abschwung tendenziell besser abschneiden.

4. Wachstumstitel reduzieren, erstklassige Aktien und Substanzwerte (Value) aufstocken. Qualitätsaktien seien der einzige Anlagestil, der bei jedem Abschwung der vergangenen Jahre besser als der Index abgeschnitten habe. Substanzwerte würden den Index üblicherweise bei fallenden Märkten schlagen. Eine Ausnahme habe die weltweite Finanzkrise dargestellt, dies sei jedoch auf die hohe Gewichtung von Finanzwerten im Substanzwertindex während einer Krise des Finanzsystems zurückzuführen gewesen. Value-Aktien hätten sich normalerweise besser als Wachstumstitel (Growth) entwickelt, wenn es während des Zeitraums unmittelbar vor einem Abschwung einen deutlichen Anstieg der relativen Bewertung von Wachstumstiteln gegeben habe.

5. Anleihenstrategien wählen, die flexibel über Regionen, Laufzeiten und Risiken investieren könnten. Die Fähigkeit, Verschiebungen zwischen Segmenten vorzunehmen sei entscheidend, um von Märkten profitieren zu können, die Spielraum für Zinssenkungen durch Zentralbanken bieten würden.

6. Barmittel und kurzfristige Liquiditätsinstrumente könnten Stabilität bieten.

7. Strategien mit niedriger Korrelation zu Risikoanlagen, wie etwa Makro-Strategien und Long-/Short-Aktienlösungen insbesondere mit der Möglichkeit, ihr Netto-Aktienengagement auf null zu reduzieren, in Betracht ziehen. (11.10.2018/ac/a/m)






 
 
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