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Schwellenländer werden gegenüber Industrieländern derzeit zu erheblichem Abschlag gehandelt




20.02.19 12:10
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aktien aus Schwellenländern erwischten einen starken Jahresauftakt 2019 und erholten sich vom Abschwung des Jahres 2018. Manraj Sekhon, CIO von Franklin Templeton Emerging Markets Equity, und Chetan Sehgal, Director of Portfolio Management, erläutern die treibenden Faktoren hinter den im Januar verzeichneten Marktbewegungen und erklären, warum sie und das Team davon ausgehen, dass sich das Vertrauen in die Schwellenländer weiter verbessern könnte.

Wie allgemein erwartet, habe die US-Notenbank (FED) ihren Leitzinssatz bei ihrer Januar-Sitzung unverändert gelassen. Die FED habe eine andere Tonart angeschlagen als bei ihrer Dezember-Sitzung. Sie habe sich geduldig gezeigt und eine wahrscheinliche Pause signalisiert, wenn nicht sogar einen Stopp bei den Zinsanhebungen. Darüber hinaus sei eine gewisse Flexibilität im Hinblick auf das Programm zur Normalisierung ihrer Bilanz angedeutet worden. Die Marktteilnehmer würden nun weithin 2019 lediglich eine Zinserhöhung statt der zwei Erhöhungen erwarten, von denen noch im Vormonat ausgegangen worden sei. Dies dürfte die Marktstimmung gegenüber Aktien und Währungen der Schwellenländer (EM) weiter verbessern.

Auch die von einem erneuten Optimismus in der Anlageklasse beflügelten Portfoliozuflüsse in die Schwellenländer hätten sich in den letzten Monaten positiv entwickelt. Die Schwellenländer würden insgesamt weiterhin ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial aufweisen und sich durch freie Wechselkurse, Leistungsbilanzüberschüsse und verglichen mit ihren Peers unter den Industrieländern durch ein günstigeres Verschuldungsniveau auszeichnen.

Fortschritte bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China, ein stärkerer chinesischer Renminbi, die Umsetzung einer förderlichen Geld- und Finanzpolitik sowie Konjunkturmaßnahmen zur Ankurbelung von Konsum und Tourismus hätten im Januar für eine gute Stimmung bei chinesischen Aktien gesorgt. Wenngleich sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in China in jüngster Zeit abgeschwächt habe, würden die Experten keine harte Landung erwarten, solange die Regierung über ausreichende Liquidität verfüge und die Kapitalbilanz engmaschig kontrolliere.

Die Wirtschaft habe weiterhin ein robustes Wachstum von über 6% verzeichnet, was das Land zu einer der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt mache. Derweil könnte eine Verlagerung hin zu primären Wachstumstreibern wie Innovation, Technologie und Konsum die langfristige Nachhaltigkeit stützen. In der Zwischenzeit seien die Experten jedoch vorsichtig, da ein längerer Handelsstreit zwischen den USA und China zu erheblichen Schwankungen führen könnte. Sie würden die Situation auch weiterhin genau im Auge behalten und nach attraktiven Anlagechancen in Sektoren Ausschau halten, die mit dem Gesundheitswesen, dem Konsum und der Aufrüstung von Fertigungsanlagen zusammenhängen würden, da diese Bereiche langfristig weniger stark von Änderungen an Zollregelungen betroffen seien.

Der Markt habe positiv auf Indiens Staatshaushalt reagiert, der am 1. Februar 2019 vorgestellt worden sei. Zwar habe der Haushalt eine Pause bei der Haushaltskonsolidierung signalisiert, doch das Fehlen einer umfangreicheren Lockerung (mit akzeptablen fiskalpolitischen "Ausrutschern") und die Ankurbelung des Konsums seien vom Markt relativ gut aufgenommen worden. Die Modi-Regierung habe sich um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Notwendigkeit, die Angehörigen niedrigerer Einkommensklassen und die ländliche Bevölkerung im Vorfeld der nationalen Wahlen im zweiten Quartal zu beschwichtigen, und den wirtschaftlichen Prioritäten bemüht.

Angesichts der bevorstehenden nationalen Wahlen werde erwartet, dass die indischen Märkte volatil bleiben würden, was sich durch die globalen makroökonomischen Unsicherheiten noch verstärke. Langfristig lägen jedoch nach wie vor gute Gründe für eine Anlage in Indien vor, da die Fundamentaldaten weiterhin intakt seien. Außerdem dürften sich indische Aktien aufgrund der geringeren Exportabhängigkeit, der recht robusten makroökonomischen Situation und der zunehmenden inländischen Liquidität als widerstandsfähig gegenüber den Befürchtungen rund um den globalen Handel erweisen.

Ausblick

Die Anlegerstimmung in den Schwellenländern habe sich im Januar weiterhin erholt, gestützt durch eine moderate US-Notenbank und die Hoffnung auf eine Handelseinigung zwischen China und den USA, bevor im März höhere US-Zölle auf chinesische Waren greifen sollten.

Nach Auffassung der Experten könnte das Vertrauen in Schwellenländer aufgrund mehrerer Faktoren weiter zulegen: Die Wachstumsunterschiede zwischen den Schwellenländern und den Industrieländern würden sich zugunsten der Schwellenländer ausweiten, die Währungen der Schwellenländer würden trotz der Zahlungsbilanzüberschüsse in vielen Ländern unterbewertet erscheinen, man sei Zeuge anhaltender Reformen, der Gewinnausblick sei in den Schwellenländern robust und die Aktien der Schwellenländer würden zu wenig anspruchsvollen Bewertungen gehandelt.

Die Schwellenländer würden gegenüber den Industrieländern derzeit zu einem erheblichen Abschlag gehandelt, was langfristig orientierten Anlegern eine attraktive Anlagechance biete. Ende Januar habe das zukunftsgerichtete Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI EM Index bei 11,4 und das Kurs/Buchwert-Verhältnis (KBV) bei 1,6 gelegen. Der MSCI World Index der Industrieländer habe indes ein zukunftsgerichtetes KGV von 14,5 und ein KBV von 2,3 aufgewiesen.

Besonders positiv würden die Experten die Wachstumsaussichten für die Informationstechnologie und die konsumorientierten Sektoren sehen. Die zunehmende Verbreitung von Technologie und das Wachstum digitaler Plattformen hätten dazu beigetragen, neue Waren und Dienstleistungen für Verbraucher in den Schwellenländern zu schaffen, und gleichzeitig Wachstumschancen für viele der dort agierenden Unternehmen und Anleger eröffnet. Da die meisten jungen Menschen (unter 30 Jahren) auf der Welt in den Schwellenländern leben würden, würden die Experten außerdem glauben, dass enorme Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen bestünden, die diesen Zielmarkt effektiv erschließen und bedienen könnten.

Wichtigste Trends und Entwicklungen in den Schwellenländern

Die Zuversicht um die Handelsgespräche zwischen den USA und China und die Hoffnung auf eine längere Pause bei der Anhebung der US-Zinssätze hätten die weltweiten Aktienmärkte beflügelt, die stark in das Jahr 2019 gestartet seien. Die Schwellenländeraktien hätten von der Stärke der heimischen Währung und den robusten Portfoliozuflüssen profitiert, sodass sie Ende Januar ihre Pendants in den Industrieländern übertroffen hätten. Der MSCI Emerging Markets-Index habe im Monatsverlauf einen Anstieg um 8,8% gegenüber einer Rendite von 7,8% des MSCI World Index verzeichnet, jeweils in US-Dollar.

Die wichtigsten Bewegungen in den Schwellenmärkten in diesem Monat

Asiatische Aktien hätten sich erholt, was unter anderem den starken Renditen in Pakistan, China und Südkorea zu verdanken gewesen sei. Der chinesische Aktienmarkt, der von den Anzeichen für Fortschritte bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China und neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Abschwächung des Wirtschaftswachstums profitiert habe, habe stark zugelegt. Der südkoreanische Benchmark-Index sei nach oben geklettert, als die Technologie-Schwergewichte aufgrund der verbesserten Stimmung der Anleger in die Höhe geschnellt seien. Die Aktien in Indien hätten hingegen Verluste hinnehmen müssen. Die Aussichten auf steigende Staatsausgaben im Vorfeld der diesjährigen Parlamentswahlen hätten Bedenken hinsichtlich des Haushaltsdefizits des Landes geweckt.

In Lateinamerika hätten Brasilien, Kolumbien und Chile zu den größten Gewinnern gehört. Sie hätten aufgrund der höheren Rohstoffpreise und stärkeren Inlandswährungen im Januar zweistellige Zuwächse erzielt. Die Renditen in Brasilien seien durch die Hoffnungen auf positive Maßnahmen der neuen Regierung zusätzlich begünstigt worden. Peru und Mexiko hätten zwar positive Renditen erzielt, hätten jedoch mit den übrigen Ländern der Region nicht mithalten können. Die Befürchtungen, dass ein ernsthafter Kraftstoffmangel aufgrund der Regierungsmaßnahmen zur Bekämpfung von Kraftstoff- und Benzindiebstahl den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen könnte, habe die Stimmung gegenüber mexikanischen Aktien belastet.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer Europas hätten ebenfalls an Boden gewonnen, wobei die Türkei und Russland das Feld angeführt hätten. Höhere Ölpreise und eine Aufwertung des Russischen Rubels hätten die Renditen auf diesem Markt in die Höhe getrieben. Die Tschechische Republik, Ungarn und Polen hätten ebenfalls solide Gewinne verbucht, hätten aber dennoch schlechter abgeschnitten als die anderen Länder in der Region.

Der Südafrikanische Rand habe im Januar zu den leistungsstärksten Währungen der Schwellenländer gehört und für Aktiengewinne in US-Dollar gesorgt. Höhere Metallpreise hätten zu besseren Renditen bei Stahl- und Platinunternehmen geführt, während ein schwächer als erwartet ausgefallener Weihnachtsumsatz und Gewinnwarnungen einer Reihe von Unternehmen die Einzelhändler in Südafrika belastet hätten.

Die Grenzmärkte hätten den Monat mit positiven Renditen abgeschlossen, hätten sich aber schlechter als ihre globalen Pendants entwickelt. Argentinien und Kenia hätten die stärksten Renditen verbucht, aber auch Vietnam und Kuwait hätten Gewinne verzeichnet. Rumänien und Nigeria hätten dagegen Verluste hinnehmen müssen. Die Wertsteigerung des Argentinischen Peso und eine abklingende Inflation hätten die Stimmung am Aktienmarkt des Landes gehoben. Die Sorgen um die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Nigeria hätten das Vertrauen der Anleger beeinträchtigt, und die Entscheidung der Regierung, eine Abgabe auf den Finanzsektor in Rumänien einzuführen, habe die Anleger ebenfalls beunruhigt. (20.02.2019/ac/a/m)






 
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