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Schwellenländer: Nicht alle über einen Kamm scheren




07.09.18 13:25
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nachdem die türkische Statistikbehörde am Montag eine Inflation von 17,9% bekannt gab, kündigte die Zentralbank für den 13. September eine geldpolitische Reaktion an, so die Analysten der Helaba.

Eine Änderung der Geldpolitik sei angesichts der hohen Inflation und einer Lira-Abwertung von über 40% seit Jahresanfang längst überfällig. Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten hätten lange Zeit den Eindruck erweckt, dass die Zentralbank unter politischem Druck stehe, die Zinsen niedrig zu halten.

Steigende Zinsen in den USA hätten die Schwellenländer unter Druck gesetzt. Lange hätten sie von den niedrigen Zinsen profitiert und zunehmend Kredite in US-Dollar aufgenommen. Mit den Leitzinserhöhungen der US-Notenbank habe sich das Umfeld grundlegend geändert. Viele Investoren würden von riskanteren Schwellenländeranlagen in sichere US-Dollar-Anlagen umschichten, was massive Abwertungen der Schwellenländer-Währungen nach sich ziehe. Für Unternehmen mit Einnahmen in Lokalwährung werde es immer schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen.

Noch schlimmer als die Türkei habe es Argentinien erwischt: Seit Jahresbeginn habe der Peso um über 50% gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Im Juni sei ein Rettungsprogramm mit dem IWF über 50 Mrd. US-Dollar vereinbart worden. Letzte Woche habe die Zentralbank dann den Leitzins auf spektakuläre 60% angehoben. Gleichzeitig habe Präsident Macri um die vorzeitige Auszahlung einer Kredittranche aus dem IWF-Programm bitten müssen.

Obwohl die Währungen aller Schwellenländer abgewertet hätten, seien einige im aktuellen Umfeld besser gewappnet. Unter den großen Schwellenländern hätten China, Indien, Brasilien und Russland in den letzten Jahren hohe Währungsreserven gebildet und dürften daher in der Lage sein, ihre Währungen im Notfall zu stützen. Die Auslandsverschuldung betrage bei diesen Ländern jeweils weniger als 180% der Devisenreserven, im Falle Chinas sogar nur ca. 50%. Zum Vergleich: Bei der Türkei und Argentinien liege diese Quote bei 420%.

Anfällig seien insbesondere jene Länder, die eine Kombination aus hoher Auslandsverschuldung, geringen Reserven und Leistungsbilanzdefiziten aufweisen würden. Dies treffe in erster Linie auf die Türkei und Argentinien zu, in etwas geringerem Ausmaß auf Südafrika, Indonesien, Mexiko und Ägypten. Ägypten erhalte bereits Hilfen des IWF. Indonesien und Mexiko würden auf die neue Situation mit Zinserhöhungen reagieren. Jetzt seien alle Augen auf die Türkische Zentralbank gerichtet. Die hohen Auslandsschulden vieler Schwellenländer würden aber bei weiter steigenden US-Zinsen die Kapitalmärkte noch länger beschäftigen. (07.09.2018/ac/a/m)







 
 
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