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Schweden: Auf eigenen Wegen durch die Krise




08.06.21 10:55
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Im ersten Quartal konnte das schwedische Bruttoinlandsprodukt seinen Vorkrisenwert noch nicht ganz erreichen, so die Analysten der Helaba.

Allerdings habe das Jahr schwungvoller begonnen als vielfach erwartet. Gegenüber dem Vorquartal sei die Wirtschaft um 0,8% gewachsen und habe damit schon beinahe wieder das Niveau des Vorjahresquartals erreicht. Für 2021 sei mit einem Wachstum von 3,6% zu rechnen. Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung hätten ihre langjährigen Durchschnittswerte überschritten und würden in Verbindung mit günstigen Zinsen gute Rahmenbedingungen für Investitionen liefern. Die Stimmung der Konsumenten habe sich ebenfalls aufgehellt.

Allerdings sei die Arbeitslosenquote weiterhin hoch, wenngleich sie inzwischen mit 9,1% unter dem Höchststand vom März 2021 mit 9,5% liege. Auch die Außenwirtschaft werde zum Wachstum beitragen. Schwedens BIP entwickle sich in Zeiten von Corona bislang günstiger als der Durchschnitt der Eurozone. Jedoch habe das Land im internationalen Vergleich eine relativ hohe Anzahl an Todesfällen zu verzeichnen. Für den Sonderweg in der Pandemie mit verhältnismäßig geringen Einschränkungen für die Bevölkerung seien die Regierung und die Gesundheitsbehörde im In- und Ausland daher heftig kritisiert worden.

Die Inflation werde im Jahresdurchschnitt 2021 deutlich über dem Wert von 2020 liegen. Sie werde jedoch aller Voraussicht nach unter dem Inflationsziel von 2% bleiben, auch wenn der für die Geldpolitik relevante steuerbereinigte Index CPIF diese Marke im April mit 2,5% deutlich gerissen habe. Ursache für den Anstieg sei v.a. die niedrige Ausgangsbasis im Pandemie-Jahr, aber auch höhere Preise für Energie und im Gastgewerbe würden eine Rolle spielen.

Die Zentralbank habe den Leitzins in ihrer April-Sitzung bei 0% belassen, das Anleihekaufprogramm sei Ende 2020 erneut aufgestockt worden und belaufe sich nun auf insgesamt rund 70 Mrd. Euro bis Ende 2021. Die Riksbank werde mit einer Zinswende warten, bis sich die konjunkturelle Erholung als stabil erweise. Für die nächsten zwölf Monate sei nicht von einer Zinserhöhung auszugehen. Die schwedische Währung dürfte sich insgesamt leicht festigen, der Euro-Krone-Kurs auf Jahressicht unter die 10-Kronen-Marke rutschen.

Umfangreiche staatliche Hilfen und Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung hätten den Saldo der öffentlichen Haushalte von einem leichten Plus in die roten Zahlen befördert. Das Defizit 2020 von 3,1% des BIP sei im EU-Vergleich allerdings moderat, ebenso wie der Anstieg der Verschuldung auf rund 40%. Die Fiskalpolitik bleibe 2021 expansiv, dennoch würden beide Werte dank des dynamischeren Wirtschaftswachstums wieder sinken. Für Steuererleichterungen, Investitionshilfen etc. seien über 200 Mrd. Kronen bzw. gut 4% des Vorkrisen-BIP vorgesehen. Bis 2023 seien außerdem Zuschüsse aus dem EU Recovery Fund von 3,3 Mrd. Euro (0,7% des BIP von 2019) veranschlagt, von denen der größte Teil 2021 und 2022 ausgezahlt werden solle.

Die aktuellen politischen Entscheidungen, allen voran die Pandemiebekämpfung und die Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen, hätten auch deshalb eine besondere Tragweite, weil sie den Wahlkampf für die 2022 anstehenden Parlamentswahlen prägen würden. Welche Aspekte dann letztlich für die Wähler im Vordergrund stehen würden, bleibe abzuwarten. (Ausgabe vom 07.06.2021) (08.06.2021/ac/a/m)






 
 
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