Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

"Schnell mal Gold kaufen"




24.06.20 16:18
Redaktion boerse-frankfurt.de

Gold ist auf dem Weg zum Allzeithoch. Gold-ETCs sind eine smarte Alternative zu Barren und Futures. Ein Überblick.



23. Juni 2020. MÜNCHEN (ETF Magazin). ESG-Strategien machen vor nichts halt – auch nicht vor Gold. Bislang wurden nachhaltige Anlagelösungen, die Umweltaspekte (Environment), soziale Fragen (Social) und Kriterien der Unternehmensführung (Governance) berücksichtigen, vor allem im Aktienbereich angeboten. Jetzt nehmen die ersten Fondsgesellschaften Gold ins Visier. Auch das gelbe Edelmetall soll grün werden. Warum auch nicht, schließlich steuert der Goldpreis gerade auf ein neues Hoch zu und ohnehin ist Gold fester Bestandteil vieler Portfolios, beliebt als Diversifizierung zu Aktien und Anleihen, als Absicherung gegen Inflation und den drohenden Wertverfall des Papiergelds.


Auch vielen Goldanlegern könnte daran gelegen sein, dass das glänzende Metall in ihrem Portfolio keine belastete Vergangenheit hat: Unter welchen Bedingungen wurde das Gold geschürft? Wer profitierte davon? Wie wurden die Minenarbeiter entlohnt, wie die Zulieferer behandelt? Investoren wollen zudem das Risiko ausschließen, dass das Gold für Geldwäsche, für die Unterstützung von Terrorismus oder die Finanzierung von Kriegen verwendet wurde. Das ist vor allem deshalb schwierig, weil Gold eine unbegrenzte Lebensdauer hat. Einmal produziert, bleibt es für immer – ob in Form von Barren, Münzen oder Schmuck.


Aus diesem Grund haben der World Gold Council (WGC) und die London Bullion Market Association (LBMA) Richtlinien für das verantwortliche Schürfen und Weiterverarbeiten von Gold geschaffen, mit denen sie ESG-taugliche Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards setzen und Missbrauch vorbeugen wollen. Die „London Good Delivery“-Barren, die seit 2012 auf der Grundlage des sogenannten LBMA Responsible Sourcing Programme produziert wurden, erfüllen diese Anforderungen.


Gold und Armee


Auch ein neuer Gold-ETC macht diese Richtlinien zum Maßstab seines Handelns. Der Royal-Mint-Physical-Gold-ETC des Londoner ETF-Spezialisten HANetf ist seit Mitte Februar an der London Stock Exchange und auf Xetra gelistet. Der ETC investiert nur in Goldbarren, die die strengen Vorgaben der LBMA für verantwortliches Schürfen in vollem Umfang erfüllen. HANetf veröffentlicht auf der Web-Seite eine Liste aller Barren, aus der die Herkunft des Goldes ersichtlich ist. Darüber hinaus werden die Barren regelmäßig von unabhängigen Experten geprüft.


ETC steht für Exchange Traded Commodity. Genau wie ETFs werden ETCs fortlaufend an einer oder mehreren Börsen gehandelt. Dennoch gibt es einen feinen Unterschied: ETCs sind keine Fonds mit Sondervermögen, sondern Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten. Der Grund: Da Fonds breit diversifiziert sein sollen, ist es in Deutschland nicht erlaubt, einen börsengehandelten Indexfonds auf einen einzelnen Rohstoff – wie Gold – aufzulegen. In den USA und der Schweiz ist dies dagegen problemlos möglich. Die Züricher Kantonalbank etwa verwaltet bereits seit März 2006 den ZKB-Gold-ETF; die US-Gold-ETFs gehören zu den größten ETFs weltweit.


Die Notlösung mit dem ETC hat Konsequenzen für den Schutz der Anleger. Das Vermögen eines ETF ist als Sondervermögen bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Bei Inhaberschuldverschreibungen könnten dagegen Gläubiger bei einer Insolvenz Zugriff auf das ETC-Vermögen erlangen. Die Lehman-Pleite 2008 machte vielen Investoren die Risiken dieser Konstruktion klar. Seitdem sichern die Emittenten der Gold-ETCs das Vermögen ihrer Anleger, indem sie die entsprechende Goldmenge auf einem gesonderten -Sicherungskonto hinterlegen. 


Der Royal-Mint-Physical-Gold-ETC sichert 100 Prozent seines Volumens mit physischem Gold ab. Verwahrstelle des physischen Goldes ist dabei nicht eine Geschäftsbank, sondern – der Fondsname deutet es an – die Royal Mint, die vor mehr als 1.100 Jahren gegründete königlich-britische Münzanstalt. Diese befindet sich im Besitz des britischen Schatzamts und hat etwas außerhalb von Cardiff in Wales ihre Tresore. Dort wird, bewacht von der britischen Armee, auch das Gold des ETC gelagert. Anleger des ETC können sich das für ihre Anteile hinterlegte physische Gold sogar ausliefern lassen. Jeder Anteilschein berechtigt zu einer Lieferung von einer hundertstel Feinunze.


Quelle: Refinitiv

Gold aus Frankfurt


Auch bei Xetra-Gold, dem größten deutschen Gold-ETC, wird das Vermögen mit Gold gesichert. Emittentin ist die Deutsche Börse Commodities GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse AG und mehrerer deutscher Banken. Mindestens 95 Prozent des Xetra-Gold-Volumens sind mit physischem Gold hinterlegt. Dieses wird im Zentraltresor für deutsche Wertpapiere in Frankfurt verwahrt. Der Tresor gehört der Clearstream Banking AG, einer Tochter der Deutschen Börse AG.


Weil auch die Käufer von Xetra-Gold einen Anspruch darauf haben, sich Gold an ihre Hausbank liefern zu lassen, können bis zu maximal 5 Prozent der Schuldverschreibung durch Buchgold gedeckt sein, um diese Lieferungen zu vereinfachen. Bis Anfang Mai 2020 war der Bestand von Xetra-Gold auf über 200 Tonnen Gold angewachsen. Seit der Emission 2007 ist in mehr als 1.000 Fällen Gold mit einem Gesamtvolumen von mehr als fünf Tonnen geliefert worden. 


Wie die beiden erstgenannten ETCs ist auch der Invesco-Physical-Gold-ETC physisch besichert und entwickelt sich im laufenden Jahr überaus erfolgreich. Das Volumen des Invesco-Gold-ETC übersprang vor Kurzem erstmals die Hürde von 10 Milliarden US-Dollar. Allein im März 2020 flossen dem ETC rund 1,7 Milliarden US-Dollar an neuen Kundengeldern zu. An der Entwicklung ist die Fondsgesellschaft nicht ganz unschuldig. Im Februar hatte Invesco die Gebühren für den Gold-ETC um 5 Basispunkte gesenkt. Sie liegen aktuell bei 0,19 Prozent pro Jahr und gehören damit zu den günstigsten im Markt. Ziel des Invesco-Physical-Gold-ETC ist es, den Londoner Goldmarkt zu seinem Nachmittags-Fixpreis abzubilden. Die Rendite der Anlage wird durch Goldbarren erzielt, die täglich zu diesem Spotpreis bewertet werden.


Deutlich kleiner, aber noch preiswerter als der Invesco-ETC ist der Amundi-Physical-Gold-ETC. Er ist erst seit Mai 2019 verfügbar und bislang nur gut 2,6 Milliarden US-Dollar schwer. Mit Kosten von lediglich 0,15 Prozent pro Jahr unterbietet er jedoch fast den gesamten Wettbewerb. Günstiger sind nur noch die -Euwax-Gold-ETCs der zur Börse Stuttgart gehörenden Euwax AG. Sie erheben überhaupt keine Gebühren. Auch diese ETCs sind zu 100 Prozent mit Gold unterlegt und bieten einen Anspruch auf physische Lieferung des Goldes.


Der Amundi-Physical-Gold-ETC wird durch physisch allokiertes Gold gesichert, das von der HSBC Bank als Verwahrstelle gehalten und dort einzeln identifiziert und zugeordnet wird. Wichtig ist das strikte Prozedere deshalb, weil Amundi – wie HANetf und Invesco – bei seinem Gold-ETC einem ESG-tauglichen Ansatz folgt. Im Gegensatz zum Royal-Mint-Physical-Gold-ETC von HANetf oder zu Xetra-Gold ist hier allerdings keine Auslieferung von physischem Gold möglich.


Vom boomenden Gold profitieren, ohne selbst physisches Gold kaufen zu müssen, können Investoren auch mit dem Xtrackers-Physical-Gold-ETC. Der Gold-ETC der DWS, der durch Goldbarren physisch besichert ist, zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Zum einen gibt es ihn auch in einer in Euro abgesicherten Variante, mit der Anleger das Wechselkursrisiko zwischen US-Dollar und Euro praktisch ausschließen können. Zum Zweiten ist er im Gegensatz zu anderen, insbesondere ausländischen Gold-ETCs sparplanfähig. Insgesamt sind bei Online-Brokern sechs Sparplanangebote verfügbar, wobei das günstigste bei 1,25 Euro Ordergebühren für eine Sparrate von 100 Euro liegt. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent pro Jahr liegt der Xtrackers-Physical-Gold-ETC im mittleren Preissegment, seine in Euro abgesicherte Variante ist mit einer Total Expense Ratio von 0,59 Prozent pro Jahr deutlich teurer.


Quelle: World Gold Council

Steuern sparen


Abgesehen von der Aussicht auf weitere Kursgewinne, locken Gold-ETCs noch mit einem anderen Vorteil: Wer mit physischem Gold hinterlegte ETCs im Depot hat, kann Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei kassieren – zumindest dann, wenn die Möglichkeit zur Goldauslieferung besteht. Das hat der Bundesfinanzhof für Xetra-Gold entschieden. Nach einer Haltedauer von zwölf Monaten besteht diese Steuerfreiheit auch dann weiter, so der Bundesfinanzhof in einem Urteil von 2018, wenn das Gold ausgeliefert wird. Das Bundesfinanzministerium hat die BFH-Urteile durch Erlasse bestätigt. So müssen Finanzämter Gewinne aus dem Verkauf von Xetra-Gold und anderen Inhaberschuldverschreibungen, die einen Lieferanspruch auf physisches Gold grammgenau verbriefen, nach einem Jahr Haltedauer als steuerfrei behandeln. Bei ETCs, die wie Euwax-Gold I Auslieferungen erst ab 100 Gramm ermöglichen, sind Kursgewinne jedoch abgeltungsteuerpflichtig. Verluste sind dann aber unabhängig von der Haltedauer verrechenbar.


ETC-Name


ISIN Volumen in Mio. Euro Laufende Kosten in % Auflagedatum Wertentwicklung seit Jahresanfang in %
Amundi Physical Gold ETC FR0013416716 2.458 0,15 21.05.19 17,5
Invesco Physical Gold ETC IE00B579F325 11.367 0,24 26.06.09 17,5
Royal Mint Physical Gold ETC XS2115336336 262

0,22


27.02.20 -
Xetra-Gold DE000A0S9GB0 10.915 0,36 14.12.07 17,5
Xtrackers Phy. Gold ETC, hedged DE000A1EK0G3 3.094 0,59 15.06.06 13,4

von Alfons Niederländer, © Juni 2020, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin. Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.




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