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Kolumnist: Klaus Singer

S&P 500 – sehr kritisch




10.12.18 12:26
Klaus Singer

Der S&P 500 ist mittlerweile zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen
im Bereich von 2640 gelandet. In der Vorwoche hatte er noch eine
eindrucksvolle Rally hingelegt, die ihn bis auf 2760 getragen hatte.
War der Anlass hierfür eine Äußerung von Fed-Chef Powell, dass sich die
Leitzinsen ihrem neutralen Niveau annähern, so wurde am Montag dieser
Woche auch noch die vage Aussicht auf eine Entspannung im
Handelskonflikt USA-China gefeiert. Das brachte den S&P 500 mit einem
Gap-up noch bis fast 2800. Am Tag darauf sorgte die Verhaftung einer
chinesischen Managerin jedoch für Verdruss und so radierte der S&P 500
in den folgenden Tagen alle Gewinne der Vorwoche aus (siehe Chart!).


Der S&P 500 hatte am 7. November und am vergangenen Montag die
mittelfristig bedeutsame EMA50 überwunden, aber beide Male war das nicht
von Dauer. Aktuell kommt erschwerend hinzu, dass die EMA50 und die
EMA200 gleichauf liegen. Sollte die EMA50 die EMA200 nach unten
schneiden, wird das von einer Reihe von Akteuren als „Death Cross“
angesehen – als Vorbote des Endes der Aktienwelt eben (oder so ähnlich).


Auch unabhängig davon ist es jetzt kritisch. Der Volumenmäßig wichtige
statische Pegel bei 2678 wurde unter hohem Volumen am Freitag gebrochen.
Als dies am 23. November zuletzt geschah, war das Volumen gering, woraus
geschlossen werden könnte, dass die großen Akteure damals eine
Stabilisierung für wahrscheinlich erachteten. Dies dürfte aber ein
Fehlschluss sein – zur Erklärung siehe unten!


Hinzu kommt, dass der Index weit mehr als 62% des Aufwärtsimpulses aus
Anfang April korrigiert hat, der bei 2574 startete. Die Obergrenzen von
zwei aus 2009 herrührenden Aufwärtskanälen (im Chart magenta und braun)
haben sich zuletzt als relevant erwiesen. Der S&P 500 touchierte am
Freitag intraday die braune Linie des flacheren Aufwärtskanals und
schloss leicht darüber (siehe Chart!).


Bei 2600 liegt noch eine aus Volumensicht relevante Unterstützung.
Sollte die nicht halten, kommt auf jeden Fall 2574 ins Spiel. 2574 ist
auch der statische Support-Pegel, an dem der Einbruch vom Anfang Februar
letztendlich halt fand. Sollte diese Marke nicht halten, wäre aus meiner
Sicht die Hoffnung auf eine nachhaltigere Erholung dahin und man müsste
die fortgeschrittene Topp-Bildung bei US-Aktien als abgeschlossen
betrachten.


Dann wären die hier diskutierten Möglichkeiten einer W- oder
Rechteck-Formation Makulatur. Dann sollte zunächst ein Kursziel von rund
2300 eingeplant werden. Die Dow-Phase „spekulativer Exzess“ war Anfang
November 2016 mit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten bei rund 2125
gestartet worden. In diesem Rahmen wurde das Niveau bei 2300 im Januar
2017 überwunden.


Das große Bild im S&P 500 zeigt der folgende Chart (siehe Chart!). Man
sieht recht deutlich, dass die Toppbildung in der zweiten Hälfte
November 2017 begann und sich im großen Bild als Seitwärtsbewegung im
Wochenchart zwischen der Unterstützung bei rund 2590 und dem Widerstand
bei rund 2800 darstellt. Der S&P 500 oszilliert um die EMA50, seit
Anfang Oktober auch um die EMA200 (aktuell bei rund 2750). Die
historische Volatilität über 21 Handelstage ist erhöht. Sie liegt bei
fast 1,5% (NDX: 2%), ihr jüngstes Tief stammt von Mitte September mit
rund 0,4% (NDX: 0,7%). Anfang April, als die Korrektur des Einbruchs von
Februar abgeschlossen war, lag die historische Volatilität schon einmal
bei knapp 1,5% (NDX: 1,9%).


Bis September stieg das Handelsvolumen eher beim Angriff auf
Widerstände, aktuell scheint es eher beim Testen von Unterstützungen
zuzunehmen – mit der Ausnahme vom 23. November, als der Support bei 2638
unter geringem Volumen angegangen wurde. Hier verzerrt aber der Umstand,
dass dieser Tag der „Black Friday“ war, am Tag vorher war der
Thanksgiving-Feiertag.


Aus Sicht der Volumenentwicklung (siehe Chart!) bleibt für die Bullen
noch eine Chance: Würde das Volumen allmählich austrocknen, würde ein
Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung nach oben wahrscheinlich, was zur
Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung führte. Aber wie wahrscheinlich ist
das? Die Chance würde ich auf zehn, vielleicht 15 Prozent taxieren.


Ein Blick auf den “S&P Consumer Discretionary Select” (siehe Chart!),
der ein ähnliches Bild zeigt wie der S&P 500:


Neben der vagen Aussicht, dass sich der S&P 500 allmählich beruhigt und
dann schließlich mit einem Anstieg über 2800 die Toppbildung nach oben
auflöst, bleibt die andere Möglichkeit, dass der dargestellte Support
der Unterseite der Rechteckformation (vorerst) hält und sich somit die
Seitwärtswärtsbewegung (=Topp-Bildung) zeitlich ausdehnt. Diese Chance
und die alternative Möglichkeit, dass der Index die Seitwärtsbewegung
jetzt, in diesen Tagen, nach unten auflöst, würde ich momentan etwas
gleich gewichten.


Und so scheint sich in den Aktienkursen widerzuspiegeln, was am Horizont
wahrscheinlich aufzuziehen beginnt – eine Rezession der US-Wirtschaft
(siehe hier!).


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2018/12/08/sp-500-sehr-kritisch/





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