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Kolumnist: Klaus Singer

S&P 500 mit Allzeithoch




07.05.17 13:30
Klaus Singer

Die US-Arbeitsmarktdaten für April kamen besser herein als erwartet. Die
Zahl der neuen Jobs stieg um 211.000, für den ohnehin schwachen Vormonat
wurde sie allerdings nach unten revidiert. Die Akteure an den
Aktienmärkten nahmen die jüngste Entwicklung als Beleg für die Aussage
der Fed, dass der Tempoverlust in den Makrodaten, wie er sich auch in
der BIP-Entwicklung für Q1 zeigt, nur vorübergehend ist. Der S&P 500
markierte (knapp) ein frisches Allzeithoch.
Die jüngste Entwicklung der Arbeitsplätze hat das Bild jedoch nicht
gedreht – jedenfalls nicht übergeordnet. Im Februar 2015 wurde mit fast
2,3% die Spitze des jährlichen Job-Zuwachses seit der Finanzkrise
erreicht. Seitdem sinkt die Steigerungsrate auf aktuell jetzt 1,6%
(siehe Chart im unteren Bildteil). Die Trendauswertung zeigt seit Mai
2016 Tempoverlust (rote Signallinie im großen Chart oben). Noch liegen
die jährlichen Zuwächse komfortabel über ein Prozent – aber es ist
unverkennbar, dass der Konjunkturzyklus in die Jahre gekommen ist.


Die Arbeitslosenquote ist auf 4,4% gesunken und liegt damit jetzt unter
der natürlichen Arbeitslosenquote. Diese besagt, dass zu einem im
gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht gegebenen Reallohn eine gewisse
Arbeitslosenquote gehört, die aus strukturellen Marktunvollkommenheiten
resultiert. Wenn die natürliche Arbeitslosenquote erreicht ist,
entspricht das nach Friedman dem makroökonomischen Gleichgewicht, in dem
die erwartete der aktuellen Inflationsrate gleicht. Wird sie
unterschritten, legt das nahe, dass sich Inflationsdruck aufbaut.
Unabhängig von der Frage, wie stichhaltig diese Theorie ist, zeigt sich,
dass die Geldpolitik der Fed innerhalb von ein, zwei Jahren nach
Unterschreiten jeweils restriktiver geworden ist.


Dieser Zusammenhang wird im folgenden Chart illustriert (h/t
Incrediblecharts – siehe Chart!). Dabei steht „currency component of M1“
für den Verlauf der Geldversorgung. Der Zusammenhang ist recht deutlich.
In den 1990er Jahren geschah allerdings genau das Gegenteil – die
Geldversorgung wurde mit dem Fall der Arbeitslosenquote unter ihr
natürliches Pendant sogar noch ausgeweitet (dann kam die Tech-Blase und
dann platzte diese).


Die durchschnittlichen Studenlöhne stiegen im April erwartungsgemäß um
0,3%, sie liegen damit gut 2,3% über dem Vorjahresniveau und zugleich
deutlich unter der Schwelle von rund drei Prozent, über der die Fed
jeweils die geldpolitischen Zügel angezogen hat.


Hinsichtlich Inflationsausblick ergibt sich aus all dem weiterhin, dass
sich der Preisdruck gegenwärtig nur mäßig entwickelt. Unabhängig davon
wird nach impliziten Fed-Funds-Futures fest damit gerechnet, dass die
Fed im Juni einen weiteren Zinsschritt unternimmt. Die
Wahrscheinlichkeit wird auf 78,5% beziffert, am Tag vor der
Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten waren es noch 73,8%. Mit einer
deutlichen Straffung des geldpolitischen Kurses wird jedoch weiterhin
nicht gerechnet, die Politik der Zinsschrittchen wird als Bestätigung
für die Stärke der US-Wirtschaft genommen.


Drei weitere Ereignisse waren in der zurückliegenden Woche
bemerkenswert: Euro/Dollar legte deutlich zu. Die Rohstoffpreise,
insbesondere für Öl kamen erheblich unter Druck (wobei Zusammenhang
zwischen schwachen Rohstoffpreisen und sinkendem Außenwert des Dollar
ungewöhnlich ist). Und der S&P 500 markierte ein neues Allzeithoch.


Als Gründe für die Stärke von Euro/Dollar wird angeführt, dass vor dem
zweiten Wahlgang bei der französischen Präsidentenwahl nach Überzeugung
der Akteure an den Finanzmärkten der Sieger Macron bereits feststeht.
Gleichzeitig strömen offenbar Mittel aus dem Dollar-Raum als
Portfolioinvestitionen in den Euro-Raum und bewirkten, dass europäische
Aktien deutliche relative Stärke gegenüber US-Werten zeigen. Das
Währungspaar notiert jetzt komfortabel über der langfristigen
Aufwärtslinie aus 1985 (siehe Chart – blaue Linie; zum langfristigen
Bild siehe hier), aber auch über der Nackenlinie einer untypischen
inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation (grüne Linie). In der
volatilen Bodenbildung von Euro/Dollar spiegelt sich die heterogene
Meinung der Währungsspekulation zum Euro-Thema wider, sowie auch die
gegensätzlichen Auswirkungen der Rolle des Euro als Carry-Trade-Währung
und als Anlageregion mit relativ zu den USA unterbewerteten, aber auch
längst nicht mehr billigen Aktien.


Kupfer gilt als wichtiger Indikator im Bereich der Industriemetalle,
auch aufgrund seines Einsatzes in der Elektronik. Die Bodenbildung
konnte hier Anfang November 2016 als abgeschlossen angesehen werden. Der
Preis stieg danach zügig an und notiert seit geraumer Zeit in einer
Seitwärtsspanne – im gezeigten Index von S&P zwischen gut 380 und 420.
Aktuell scheint sich ein Test ihrer Untergrenze anzubahnen (siehe Chart!).


Bei Öl kam es in den zurückliegenden Tagen zu einem heftigen Einbruch.
Das Bild ist hier ähnlich wie bei Kupfer. Nach einem Tief zum
Jahresbeginn 2016 hat sich eine Seitwärtsspanne etabliert, die im
gezeigten Index von S&P zwischen 240 und 300 liegt. Auch hier befindet
sich der Index auf dem Weg zu deren Unterseite (siehe Chart!).


Der S&P 500 hat ein neues Allzeithoch erreicht. Das vom 1. März wurde um
gut drei Punkte überboten, mit einem Schlusskurs von 2399,29 wurde die
runde Marke von 2400 knapp verfehlt (siehe Chart!). Geholfen hat dabei
auch, dass der Trump-Administration im zweiten Anlauf ein Teilerfolg bei
der Rückabwicklung von Obamacare gelungen ist. Die „Reform“ muss jetzt
noch den Senat passieren. Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit von
Trump treten damit wieder in den Hintergrund. Und das ist besonders in
Hinblick auf die Steuerreform wichtig, die als wichtigster Treibsatz für
das Wirtschaftswachstum, wichtiger noch, für die Unternehmensgewinne,
angesehen wird. Die Aktienbullen hoffen, dass sich dadurch die
elaborierten Unternehmensbewertungen dann nachträglich als nachhaltig
erweisen werden.


Einstweilen ist die Volatilität im S&P 500 eingeschlafen, und zwar
sowohl die historische als auch die implizite nach VIX. Der VIX notiert
so tief wie zuletzt Anfang Juli 2014, kurz darauf hatte der S&P 500
damals bei 1989 ein lokales Hoch erreicht. Es folgten zwei Einbrüche,
der zweite führte Mitte Oktober bis zu einem Schlusskurs von gut 1860
herunter. Technisch ist die aktuelle Lage ähnlich wie damals, die
Wahrscheinlichkeit einer Korrektur ist relativ hoch, bedeutendere
Gewinnmitnahmen liegen nahe.


Der S&P 500 hat ein neues Allzeithoch erreicht. Die Volatilitäten sind
eingeschlafen, die Wahrscheinlichkeit von korrigierenden Gewinnmitnahmen
nimmt zu. Bei Euro/Dollar scheint eine Bodenbildung vollendet,
gleichzeitig zeigen Rohstoffe insgesamt Schwäche. Das ist ungewöhnlich,
solche Verwerfungen zeigen häufig sich verschiebende strategische
Ausrichtungen in den Finanzmärkten an.


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2017/05/07/sp-500-mit-allzeithoch/





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