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Russland: Staatsfonds verzichtet auf US-Dollar




09.06.21 09:52
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aktuelle Entwicklungen: Die russische Wirtschaft hat sich im ersten Quartal trotz der Restriktionen im Bereich der Ölproduktion im Rahmen von OPEC+ sowie im Dienstleistungssektor aufgrund von COVID-19 etwas besser als erwartet entwickelt: Im Jahresvergleich betrug der Rückgang des realen BIP 1,0%, was nach unseren Schätzungen einer (saisonbereinigten) Wachstumsrate von 0,8% gegenüber dem Vorquartal entspricht, so die Analysten der DekaBank.

Die von den Einkaufsmanagerindices im Mai gesendeten Signale für das zweite Quartal würden ebenfalls optimistisch stimmen: Der Indikator habe sich sowohl für das verarbeitende Gewerbe als auch für die Industrie deutlich verbessert. Die wirtschaftliche Erholung dürfte die Zentralbank in dem Kurs auf geldpolitische Normalisierung bestärken. Da die Inflationsdynamik in den letzten zwei Monaten etwas nachgelassen habe, würden die Analysten der DekaBank ein moderates Tempo mit drei Leitzinsanhebungen um je 25 Bp auf dann 5,75% bis zum Jahresende für am wahrscheinlichsten halten. Das geopolitische Umfeld bleibe im Vorfeld des für den 16. Juni anberaumten Gipfeltreffens zwischen den Präsidenten Biden und Putin schwierig. Die Unterstützung, die Russland dem belarussischen Präsidenten Lukaschenko in Zusammenhang mit der erzwungenen Notlandung des Ryanair-Jets gewährt, bringe das Land international genauso unter Druck, wie die neuen Cyber-Angriffe in den USA, die mit Russland in Verbindung gebracht würden.

Die Ankündigung Russlands, bei der Allokation seines Staatsfonds komplett auf den US-Dollar-Anlagen zugunsten von Gold und anderen Währungen zu verzichten, passe zu dem rauen internationalen Ton (Gesamthöhe des Nationalen Wohlfahrtsfonds ca. 185 Mrd. USD, davon der international angelegte Teil ca. 115 Mrd. USD). Unbekannt sei noch, ob die Umschichtung des ca. 40 Mrd. USD schweren Blocks zwischen dem Finanzministerium und der Zentralbank marktneutral erfolge und somit der Anteil der US-Dollar in den Zentralbank-Währungsreserven ansteige. Da der liquide Teil des Staatsfonds ohnehin in den Währungsreserven gelagert sei, wäre diese Umbuchung durchaus denkbar. Sollte sich die Zentralbank ebenfalls dazu entscheiden, den US-Dollar-Anteil zu reduzieren, würde dies die inländische Goldnachfrage stark unterstützen. Die Zentralbank habe die USD-Aktiva in den Währungsreserven in den vergangenen Jahren bereits reduziert - von ca. 40% (2018) auf ca. 20% (2020). Angesichts des wichtigen Rolle des US-Dollars im Außenhandels Russlands wäre ein kompletter Verzicht auf den US-Dollar in den Reserven ökonomisch nicht sinnvoll.

Perspektiven: Das Impftempo in Russland reiche bei weitem nicht aus, um eine weitere COVID-19-Welle zu verhindern. Es sei allerdings davon auszugehen, dass die Lockdown-Maßnahmen in Zusammenhang mit einer neuen Welle moderat und regional ausfallen würden.

Länderrisiko: Das Risiko weiterer internationaler Sanktionen gegen Russland bleibe immanent. Russland habe sich aufgrund des seit Jahren herrschenden Sanktionsregimes mit dem Westen aber bereits auf eine mögliche Isolation vorbereitet. Deshalb dürften nach Einschätzung der Analysten der DekaBank erst "nukleare" Sanktionen wie z.B. ein Verbot von Ölexporten oder von US-Dollar-Transaktionen, Ausschluss aus internationalen Zahlungssystemen oder ein allgemeines Verbot zum Halten russischer Staatsanleihen durch US-Investoren deutliche Auswirkungen auf die Bonität des Landes haben, auch wenn die Eskalation der Beziehungen mit dem Westen sich bereits heute negativ auf die Wirtschaftsperspektiven auswirke. Solch harte Sanktionen seien derzeit nicht das Hauptszenario der Analysten der DekaBank. Die Ausstattung mit internationalen Reserven sei komfortabel. Dank der konservativen Fiskalpolitik der Vergangenheit verfüge Russland aber über fiskalische Puffer (ca. 12% des BIP) und könne sich auch "Wahlgeschenke" im Vorfeld der Parlamentswahl im September durchaus leisten. (Emerging Markets Trends vom 08.06.2021) (09.06.2021/ac/a/m)






 
 
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