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Rückgang des Gewinnwachstums von US-Unternehmen zu erwarten




06.12.18 15:05
Legal & General IM

London (www.aktiencheck.de) - Die Gewinnwachstumsraten von US-Unternehmen sind weiterhin hoch, das könnte sich jedoch radikal ändern: "Ein Rückgang der Gewinne im Jahr 2020 scheint nahezu unvermeidlich", lautet die Prognose von Tim Drayson, Head of Economics bei Legal & General Investment Management (LGIM).

Trotz volatiler Märkte in der Berichtssaison des dritten Quartals 2018 sollte das Gewinnwachstum für Unternehmen im S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) im Vergleich zum Vorjahr bei fast 25 Prozent liegen. Allerdings dürfte dieser Trend nicht anhalten: "Steuersenkungen und die Erholung des Ölpreises überdecken eine grundlegende Verschlechterung der US-Margen. Zudem kurbeln die fiskalischen Impulse zwar derzeit das Wachstum und die Gewinne an, gleichzeitig trüben sich jedoch die Aussichten für das künftige Gewinnwachstum durch eine Überhitzung der Wirtschaft ein", erkläre Drayson.

Wirtschaft entwickele sich über Potenzialwachstum hinaus

Denn sobald sich die Wirtschaft über ihr Potenzialwachstum hinaus entwickele, entstehe daraus ein doppeltes Problem für zukünftige Gewinne. Erstens sei tendenziell ein schnellerer Anstieg der Arbeitskosten aufgrund der niedrigen Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Zweitens erfordere es eine schärfere Verlangsamung des Wachstums, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Veränderung der Dynamik wiederum würde die Unternehmen zumindest mit Blick auf ihre Fixkosten treffen.

Ein wichtiges Warnzeichen für den spätzyklischen Trend sei die wachsende Kluft zwischen den Gewinnen im S&P 500 und den Gewinnen der allgemeine Wirtschaftstätigkeit im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (National Income and Product Accounts, NIPA). "Tendenziell haben die Gewinne des S&P 500 gegen Ende eines Zyklus die NIPA-Gewinne immer übertroffen. Allerdings waren die Unternehmen während der anschließenden Rezession in der Lage, Ergebnisse und Gewinne wieder neu auszurichten", sage Drayson. Steuersenkungen und Aktienrückkäufe könnten rund 10 Prozentpunkte der diesjährigen großen Lücke zwischen den Gewinnen im S&P 500 und den NIPA-Gewinnen erklären. Darüber hinaus seien die Gewinne des S&P 500 generell zyklischer und würden von den höheren Preisen für Lagerbestände und Vermögenswerte gegen Ende der langanhaltenden Bullenmärkte profitieren.

Druck auf Arbeitskosten werde weiter zunehmen

"In der zweiten Jahreshälfte 2019, wenn die fiskalischen Impulse und das Wachstum nachlassen, dürften die Margen erneut unter Druck geraten, zumal die Arbeitskosten voraussichtlich weiter steigen werden", prognostiziere der Experte. Preiserhöhungen und ein Anstieg der Inflation dürften kaum ausreichen, um die steigenden Kosten auszugleichen. Für die US-Notenbak Federal Reserve (FED) entstehe eine große Herausforderung: "Um eine Überhitzung zu vermeiden, muss die US-Notenbank 2019 schrittweise die Zinsen anheben. Doch selbst wenn es gelingt, im Jahr 2020 mit einem Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts von 1 Prozent eine sanfte Landung zu erzielen, ist es schwierig, einen Gewinnrückgang zu vermeiden", sage Drayson. Denn bei relativ konstanten Kosten sei die Veränderung des Wachstums der Treiber des Gewinnzyklus. Darüber hinaus bestehe die Gefahr eines sich selbst verstärkenden Abschwungs.

Höhere Zinsen und niedrigere Gewinne könnten zu einer Schwäche der Vermögenspreise, größeren Finanzierungslücken, strafferen Kreditbedingungen und zu hohem Druck in einem fremdfinanzierten US-Unternehmenssektor führen. "Eine Verlangsamung des Wachstums im Jahr 2020 könnte in eine Rezession übergehen, die zu einem noch stärkeren Rückgang der Gewinne führt", befürchte der Experte.

Lösung bestehe in stärkerem Beschäftigungsangebot und höherer Produktivität

Dieses Szenario könnte durch ein ausgedehntes starkes Wachstum und mehr fiskalische Impulse verzögert werden, doch dies berge das Risiko eines noch größeren Zusammenbruchs. Eine überraschende sofortige Wachstumsverlangsamung würde zumindest eine stärkere Überhitzung verhindern und es der FED ermöglichen, die Zinsanhebungen früher einzustellen. Auch ein angemessenes Wachstum außerhalb der USA und ein schwächerer Dollar wären hilfreich. "Die einzige langfristige Lösung besteht in einem viel stärkeren Beschäftigungsangebot und in einer höheren Produktivität. Das hält die Lohnstückkosten in Grenzen und steigert das Potenzialwachstum", sage Drayson. (06.12.2018/ac/a/m)






 
 
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