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Kolumnist: Klaus Singer

Rohstoffpreise – weiter aufwärts?




06.11.17 16:15
Klaus Singer

Die Aktienkurse eilen von Hoch zu Hoch, die Bewertung von Aktien
erreicht immer luftigere Höhen. Zwar wird erwartet, dass die
Unternehmensgewinne im dritten Quartal um etwa acht Prozent gegenüber
dem Vorjahr angestiegen sind. Im Quartal zuvor betrug die Steigerung
jedoch über 12%. Zudem wurde die Gewinnentwicklung im abgelaufenden
Vierteljahreszeitraum hauptsächlich vom Energiesektor gestützt, der im
S&P 500 auf einen Anteil von über 20% kommt.
Die Gewinnentwicklung im Energiesektor wiederum wurde vor allem bewirkt
durch die steigenden Ölpreise. Oil Brent hatte Ende Juni ein Tief von
knapp 45 Dollar markiert. Aktuell müssen gut 62 Dollar bezahlt werden.
Rohöl ist der zentrale Rohstoff für viele Bereiche der Industrie. Häufig
gelten steigende Ölpreise daher als Beleg für eine wachsende Wirtschaft.


Der Preis von Oil Brent in Dollar hatte zur Jahresmitte 2008 ein Hoch
bei rund 245 erreicht (siehe Chart!). Die folgende Echo-Bubble brachte
im zweiten Quartal 2011 ein Preis-Hoch bei gut 125, das ein Jahr später
nochmals erreicht wurde. Anfang 2016 wurde bei 28 ein belastbares Tief
erreicht, es folgte ein Anstieg auf 56 Dollar per erstem Quartal 2017.
Nach einem Test des wichtigen Pegels bei rund 45 zu Ende Juni (hier war
Ende 2008/Anfang 2009 ein Boden gefunden worden) ging es deutlich
aufwärts auf aktuell gut 62 Dollar. Aus meiner Sicht avisiert die
Preisentwicklung den Pegel von knapp 70, der sich mehrfach als relevant
erwiesen hat, zuletzt im Mai 2015 als Widerstand. Als Zeitziel käme das
erste Quartal 2018 infrage.


Kupfer ist von besonderer Bedeutung für unsere stark
infomationstechnisch ausgerichtete Wirtschaft. Das Metall spielt unter
anderem als guter elektrischer Leiter eine große Rolle. Der Preis dieses
Rohstoffs hatte im Februar 2011 ein Topp gebildet (siehe Chart!), einige
Monate vor den Preisspitzen bei Rohöl und beim DJ UBS Commodity
Rohstoff-Index. Ein belastbares Tief wurde zusammen im Januar 2016
markiert, etwas zeitgleich mit anderen Rohstoffpreisen. Seitdem ging es
aufwärts, beschleunigt seit Herbst 2016 (Anfang November 2016 wurde
Trump US-Präsident). Nach einer Konsolidierungsphase stieg der
Kupferpreis ab Juli wieder deutlich an und steht mittlerweile über dem
wichtigen Pegel bei 480. Nächste Ziele wären gut 520 und dann 580.


Das “Breitwand”-Bild bei Rohstoffen liefern Rohstoff-Indices, von denen
es mehrere Varianten gibt. Im DJ UBS Commodity Index (jetzt Bloomberg
Commodity Index) erfolgt die Gewichtung der Indexkomponenten nach der
globalwirtschaftlichen Bedeutung des einzelnen Rohstoffes. Die
Beurteilung erfolgt aufgrund von Handelsumsätzen und Produktionszahlen.
Der Index enthält aktuell 19 verschiedene Rohstoffe, die Gewichtung je
Rohstoff liegt zwischen zwei und 15 Prozent. Der Index zeichnet sich im
Unterschied zu anderen Rohstoffindices dadurch aus, dass der Anteil des
Agrarsektors relativ hoch ist. Rohstoffe wie Baumwolle und Mais,
Lebendrind oder Zucker kommen auf einen Anteil von über 30%. Die anderen
Rohstoffindizes gewichten Energierohstoffe deutlich höher.


Im Chart des DJ UBS Commodity Index ist das Hoch aus Mitte 2008 bei
knapp 240 gut zu erkennen (siehe Chart!). Dem folgte eine Echo-Bubble,
die im April 2011 ein Preis-Hoch bei einem Indexstand von rund 175
produzierte. Anfang 2016 wurde schließlich bei 73 ein belastbares Tief
erreicht, danach kam es bis zur Jahresmitte 2016 zu einem Anstieg bis
90. Aktuell notiert der Index darunter bei 87. Aus meiner Sicht spricht
viel dafür, dass der Index den Bereich von 102 bis 105 anvisiert, das
Tief aus dem Frühjahr 2009. Als Zeitziel käme die erste Jahreshälfte
2018 infrage.


Da Rohöl eine große Bedeutung auch bei der Förderung, bzw. Herstellung
von anderen Rohstoffen hat, beeinflusst seine Preisentwicklung auch die
vieler anderer Rohstoffe. Durch die Konstruktion des DJ UBS Commodity
Index wird eine übersteigerte Auswirkung des Rohlölpreises auf die
Rohstoffkosten insgesamt eingeschränkt. Damit dürfte der Index auch eine
bessere Tauglichkeit als vorauslaufende Indikation für die Entwicklung
der Verbraucherpreise besitzen.


Aus dem Rohstoffbereich stehen die Zeichen insgesamt auf „weiter
steigend“. Das spiegelt sich im US-PPI (Produktionspreisindex) wider,
der im September um 4,1% gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist. Der
US-CPI (Konsumentenpreisindex) konnte um 2,2% zulegen. Hinsichtlich der
Trendauswertung hatten sich beide Indices bis in den Herbst 2016
unterhalb ihres mittelfristigen Trends entwickelt. Seitdem steht die
Auswertung auf „neutral“ bezogen auf den aufwärts gerichteten Trend.
Beim PPI ist eine baldige Trendbeschleunigung deutlich wahrscheinlicher
als beim CPI.


Der von der Fed besonders beachtete PCE-Preis-Indikator (ohne
Nahrungsmittel und Energie) kommt im September auf eine Jahresrate von
1,33%, ein Stück weit unter dem Inflationsziel der Fed bei zwei Prozent.
Hier ist seit der Jahresmitte eine Entwicklung unter dem mittelfristigen
Trend festzustellen. Die großen Akteure an den Finanzmärkten gehen zwar
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Fed
im Dezuember einen weiteren Zinsschritt unternimmt auf einen Leitzins
von dann 1,25 bis 1,50%. Aber eine verschärfte Gangart wird nicht
erwartet. Zudem ist mit Powell eine Nachfolge auf den Chefsessel der Fed
vorgesehen, der die „zartfühlende“ Politik von Fed-Chefin Yellen
fortsetzen dürfte. Schließlich kommt der ja auch an dem Asset-Geschäft…
und weiß daher, was die Zunft wünscht.


Bei der Entwicklung der Rohstoffpreise spielt der Dollar-Wert eine
bedeutende flankierende Rolle. Die Preise notieren gewöhnlich in Dollar.
Ein schwächerer Dollar stützt die Preise, weil die Rohstofflieferanten
um Währungsverluste bereinigte Preise anpeilen. Der Dollar-Index hat
zwischen Jahresanfang und Anfang September deutlich an Wert eingebüsst.
Seitdem ist der Index jedoch wieder von 91 auf fast 95 gestiegen (siehe
Chart!).


Hierfür werden im wesentlichen drei Faktoren ausgemacht. Die
Future-Ausrichtung der großen Spekulanten war zuletzt sehr bullisch pro
Euro. Die EZB hat eine Verlängerung ihres QE-Programm beschlossen, was
den Außenwert des Euro drückt. Und drittens nimmt allmählich die
Trumpsche Steuerreform Gestalt an, wonach die großen US-Multis zu einem
sehr niedrigen Steuersatz ihre im Ausland geparkten Gewinne von deutlich
über zwei Bill. Dollar heim holen können. Der Chart des Dollar-Index
offenbart mit einem sich nach rechts öffnenden Dreieck Unsicherheit. Ein
weiterer Anstieg bis in den Bereich von 97 erscheint mir aktuell
wahrscheinlich. Das würde einem Absinken von Euro/Dollar bis etwa 1,14
entsprechen.


Hinsichtlich der Entwicklung der Rohstoffpreise würde weitere
Dollar-Stärke bedeuten, dass die Währungsseite diese zunächst jedenfalls
nicht begünstigen würde. Umso bedeutsamer wäre es, wenn sie dennoch
weiter zulegen. Dies würde als Zeichen für zunehmenden Bedarf und damit
als Zeichen für eine wachsende Weltwirtschaft interpretiert.


Es ist zu erwarten, dass Rohstoffpreise übergeordnet weiter anziehen.
Das lässt erwarten, dass die Verbraucherpreisindices zukünstig (weitere)
Stärke zeigen. Das gäbe für Aktien in der aktuellen Analyse- und
Gefühlslage der Akteure ein bullisches Signal, eine moderate Steigerung
der Verbraucherpreise würde als Zeichen für wirtschaftliches Wachstum
angesehen. Der Goldpreis dürfte in diesem Umfeld ebenfalls Unterstützung
bekommen.

[Charts von Incrediblecharts]


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2017/11/05/rohstoffpreise-weiter-aufwarts/





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