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Rohstoffe: Öl, Platin & Co. auf dem Beifahrersitz




14.10.20 09:40
Postbank Research

Bonn (www.aktiencheck.de) - Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) existiert im September seit 60 Jahren, so die Analysten von Postbank Research.

Die Feierlaune dürfte sich bei den Mitgliedern des Ölkartells aber in Grenzen halten: Die mittel- bis langfristigen Perspektiven an den Ölmärkten seien aufgrund struktureller Veränderungen bei der Nachfrage wenig erfreulich. In den kommenden Monaten könnten die Ölnotierungen zwar etwas zulegen. Das sei allerdings nach dem massiven Einbruch im zweiten Quartal wenig überraschend. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur sei die tägliche Nachfrage zwischen März und Juni 2020 um 16 Millionen Barrel gegenüber dem Vorjahreszeitraum so stark rückläufig gewesen wie nie zuvor. Mit der wirtschaftlichen Erholung ziehe die Nachfrage nun wieder an.

Trotz der sich aufhellenden Konjunktur erwarte die Postbank aber nur moderat steigende Ölpreise. Das hänge auch damit zusammen, dass die globale Ölnachfrage den Prognosen zufolge nicht vor 2022 das Niveau des vergangenen Jahres überschreiten und in den Folgejahren deutlich geringer ansteigen dürfte als vor der Corona-Krise. 2030 könnte die Gesamtnachfrage mit 105 Millionen Barrel pro Tag ihren Peak erreichen - das wären nur 5 Millionen Barrel mehr als 2019.

Die nachlassende Dynamik der Ölnachfrage sei eng verknüpft mit den Entwicklungen im Flug- und Autoverkehr. Während mit einer Normalisierung bei Flugreisen erst in drei bis vier Jahren zu rechnen sei, nehme der Straßenverkehr deutlich zu. In der EU hätten die Pkw-Neuzulassungen im Juni nur noch 22% unter dem Vorjahresmonat gelegen, im April seien es noch 80% gewesen. In der Pandemie würden die Menschen aus Risikoerwägungen den Individualverkehr dem öffentlichen vorziehen.

Allerdings nehme bei Neuwagen der Anteil von Verbrennungsmotoren ab. Aktuell sei mehr als ein Viertel der globalen Ölnachfrage auf Pkw zurückzuführen. Elektrofahrzeuge könnten einen Marktanteil von 35% bis 2030 erreichen. Das würde die globale Ölnachfrage um 2,5 Millionen Barrel pro Tag verringern. Der sich abzeichnende Boom von Elektrofahrzeugen habe auch Folgen für andere Rohstoffe. Rund 40% der Lithiumnachfrage würden aus der Batterieproduktion für E-Autos resultieren - hier werde für dieses Jahr ein Anstieg um 13% erwartet. Dennoch seien die Preise für Lithiumkarbonat aufgrund eines Überangebots seit Jahresbeginn um 18% gesunken.

Eine Preiserholung sei auch bei steigender Nachfrage auf Sicht von fünf Jahren nicht wahrscheinlich. Bei Kobalt liege der Anteil der Nachfrage von E-Autos bei rund 25%. Lieferunterbrechungen im Kongo hätten die Preise zuletzt gestützt und den Rückgang kompensiert. Aus ethischen Gründen (Kinderarbeit im Kongo) würden die Hersteller versuchen, den Kobaltanteil in Batterien zu verringern. Nickel wiederum profitiere von Batterien mit höherer Energiedichte. Die Nachfrage von Elektrofahrzeugen, die derzeit nur für 3% der Gesamtnachfrage stehe, könnte in den nächsten fünf Jahren um 36% steigen.

Eine wichtige Rolle spiele die Automobilindustrie auch für die Entwicklung der Preise in der Platin-Gruppe. Rund 80% der weltweiten Palladium- und Rhodiumnachfrage würden auf die Autoindustrie zurückgehen, bei Platin seien es immerhin 40%. Zwar sollte sich die Erholung des Automobilsektors fortsetzen, allerdings dürfte die globale Automobilproduktion laut Prognosen von IHS Automotive auch 2021 unter dem Vorkrisenniveau verbleiben. Da gleichzeitig Südafrika als weltweit größter Exporteur von Metallen der "Platin-Gruppe" die Produktion bereits wieder auf 90% des Vorkrisen-Niveaus hochgefahren habe, schätze die Postbank das weitere Preispotenzial als gering ein. (Perspektiven Oktober 2020) (14.10.2020/ac/a/m)






 
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