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Rohöl im Sog globaler Risk-Off-Bewegungen




11.10.18 14:45
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die Preise für Rohöl gerieten zum Ende der Berichtswoche spürbar unter Druck, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Damit würden die Rohstoffmärkte dem globalen Risk-Off-Sentiment folgen, das in den vergangenen Tagen eingesetzt habe. Der Preis der Rohölsorte Brent notiere am Morgen bei etwa 82 USD/Barrel, nachdem dieser im Verlauf der Berichtswoche mit knapp 87 USD/Barrel den höchsten Stand seit Ende 2014 markiert habe.

Von fundamentaler Seite dagegen würden die Märkte weiterhin gut unterstützt bleiben: Neben den bereits bekannten Faktoren wie dem rückläufigen Ölangebot aus dem Iran, hätten die Märkte zusätzlich Unterstützung durch die wegen Hurrikane Michael aus Sicherheitsgründen deutlich eingeschränkte Ölförderung im Golf von Mexikos bekommen. Knapp 40% der Produktionskapazitäten hätten laut der zuständigen US-Sicherheitsbehörde wegen des Wirbelsturms geschlossen werden müssen. Damit hätten dem Markt kurzfristig ungefähr 670.000 Barrel/Tag gefehlt.

Möglicherweise könnten die Produktionsausfälle vom gegenwärtigen Niveau aus zunehmen, denn es werde befürchtet, dass sich dieser Tropensturm als einer der stärksten seit mehr als 14 Jahren erweisen könnte. Jedoch dürfte nicht nur die Angebotsseite unter dem Hurrikan zu leiden haben, sondern auch die Nachfrageseite. Kurzfristig bestünde das Potenzial, so die Evidenz von den beiden Hurrikans Harvey und Irma, dass die Nachfrageseite deutlich stärker von dem Hurrikan betroffen werde.

Preistreibend hätten die weiter rückläufigen iranischen Exporte gewirkt. Angaben von Reuters zufolge, seien die iranischen Exporte in der ersten Woche auf nur noch 1,1 Mio. Barrel/Tag zurückgegangen, nachdem diese im September noch durchschnittlich 1,6 Mio. Barrel/Tag betragen hätten. Besonders stark seien die Exporte in Richtung Europa und China gefallen und von etwa 400.000 auf 255.000 Barrel/Tag zurückgegangen. Angesichts dessen, dass die US-Sanktionen erst in der ersten Novemberwoche in Kraft treten sollten, könnte dies ein Indiz für noch höhere Verluste an iranischen Barrel sein, als von den Analysten erwartet.

Allerdings könnten die iranischen Exporte vom jetzigen Niveau weniger schnell fallen, denn die USA würden sich gegenwärtig mit den wichtigsten Ölkäufern des Irans in Gesprächen bezüglich Ausnahmeregelungen befinden. Einem nicht namentlich genannten Offiziellen der US-Regierung zufolge würden die USA über Ausnahmen von den Sanktionen nachdenken. Offensichtlich sollten Abnehmerländer doch mehr Zeit bekommen, ihre Öllieferungen aus dem Iran durch andere zu ersetzen, wenn sie diese zumindest deutlich reduzieren würden.

Eines der begünstigten Länder scheine Indien zu sein, das im November gut informierten Quellen zufolge 9 Mio. Barrel Rohöl aus dem Iran kaufen wolle. Das entspreche 300.000 Barrel pro Tag. Im September hätten die entsprechenden Einfuhren bei knapp 500.000 Barrel pro Tag gelegen. Falls auch andere Abnehmer wie die EU, Japan und Südkorea weiterhin iranisches Öl kaufen dürften, würden die Sorgen vor einer Angebotsverknappung zum Jahresende erheblich gemindert.

Entlastung für den Ölmarkt komme dagegen aus einem anderen geopolitischen Hotspot: Nach Angaben der staatlichen libyschen Ölgesellschaft habe das Land die Ölproduktion auf 1,25 Mio. Barrel/Tag steigern können. Das wären rund 500.000 Barrel/Tag mehr als Ende Juni. Sollte dieses Produktionsniveau beibehalten werden, könnten damit ein Teil der wegfallenden iranischen Exporte egalisiert werden. (11.10.2018/ac/a/m)







 
 
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