Rohöl: Produktionsausfälle rücken in den Vordergrund




13.09.21 13:48
Nord LB

Hannover (www.aktiencheck.de) - In vergleichsweise ruhigem Fahrwasser stabilisierten sich die Ölpreise deutlich oberhalb von 70 USD/b (Brent), so Christian Reuter und Thomas Wybierek von der NORD/LB.

Der Preis habe in der letzten Woche nur zwischen 71,99 und 73,67 USD/b geschwankt und sei mit 72,75 USD/b aus dem Handel gegangen. Auf Wochensicht habe sich ein Plus von 1,1% ergeben.

Der Markt sei vor allem durch die Folgen des Wirbelsturms Ida gestützt worden, der in der Woche zuvor im Golf von Mexiko gewütet habe. Der Hurrikan habe schon Ende August die Küste erreicht. Üblicherweise würden die Produktionsplattformen und -einrichtungen einschließlich der küstennahen Downstream-Anlagen für Öl und Gas geschlossen und evakuiert. Die Förderung sei fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das Ausmaß der Schäden sei aber erst in den letzten Tagen deutlich geworden. Diese seien offenbar wesentlich größer als zunächst gedacht. Im Moment seien von 2,2 Mio. b/d Förderkapazitäten noch mehr als 1 Mio. b/d nicht wiederhergestellt - und der nächste Tropensturm sei bereits im Anmarsch. Die Reparaturarbeiten und die Wiederherstellung der üblichen Produktionsniveaus dürften sich also hinziehen. Wohlgemerkt sei die Hurrikan-Saison noch nicht vorüber. Goldman Sachs spreche denn auch von einem "unusual bullish shock". Hinzukämen Befürchtungen, dass bis zu 1,2 Mio. b/d der libyschen Produktion ausfallen könnte. In dem von einem Bürgerkrieg heimgesuchten Land gebe es wohl einen Machtkampf zwischen dem Ölminister und dem Chef der staatlichen Ölgesellschaft.

Von der Nachfrageseite kämen bestenfalls gemischte Nachrichten. Die kritischere Sicht auf die Konjunkturentwicklung in den nächsten Monaten scheine ja inzwischen Konsens zu sein und werde offenbar auch immer wieder bestätigt. Jedenfalls habe China kaum vier Wochen nach seinem letzten "Sieg" über die Pandemie erneut mit einem Ausbruch zu kämpfen, während im Westen die Bemühungen um eine höhere Impfquote keine wirklich durchschlagende Dynamik entfalten würden. Per Saldo bleibe der Markt aber wohl weiterhin unterstützt, erkennbar auch daran, dass der Rückgriff Chinas auf seine strategischen Reserven, die letzte Woche verkündet worden seien, keinen sichtbaren Einfluss auf die Ölpreise gehabt habe. (Ausgabe 37 vom 13.09.2021) (13.09.2021/ac/a/m)





 
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