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Ein Rezept für die nächste Finanzkrise




12.01.21 14:24
Barings

Boston (www.aktiencheck.de) - Die nächste Krise mag noch Jahre entfernt sein, aber die Elemente, die zu Problemen führen können, sind bereits vorhanden: Finanzinnovationen, die zu einem Liquiditätsschub führen; Exzesse, die zunächst nicht sichtbar sind, bis sie plötzlich unübersehbar werden; und eine langsame Verschiebung der relativen Preise, die eine Kaskade von Insolvenzen auszulösen droht, so Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute.

Zurzeit befinde sich die Weltwirtschaft auf dem Weg der Besserung, die Industrie sehe gesund aus, das Handelsvolumen ziehe an und die Finanzmärkte seien so lebhaft wie eh und je. Die natürliche Frage für versierte Investoren sei jedoch, ob die guten Nachrichten lange genug anhalten würden, um hohe Multiplikatoren und enge Spreads zu rechtfertigen. Wenn ein Mob, der das US-Kapitol stürme, die Märkte nicht aufrüttele, was dann?

Im Jahr 2008 habe die globale Finanzkrise ihre Wurzeln in einem relativ harmlosen Finanzinstrument namens "Verbriefung" gehabt, das dazu beigetragen habe, Geld aus der ganzen Welt anzuziehen, um US-Hypotheken zu finanzieren. Der technologische Fortschritt und die Globalisierung hätten die Einkommen der Haushalte gedämpft, die Immobilienpreise hätten zu sinken begonnen, und es habe nicht lange gedauert, bis einige der größten Banken der Welt festgestellt hätten, dass sie die Belastung nicht mehr hätten tragen können.

Und heute? Die aufgeblähten Zentralbankbilanzen und die leichte Kreditvergabe hätten eine größere Katastrophe abgewendet, und die Erholung sei real. Aber unter der Oberfläche gebe es tektonische Verschiebungen in der Technologie, in der Klimapolitik und in der Postpandemie, die die relativen Preise für Arbeit, Energie und so ziemlich alles, was man online kaufen könne, verändern würden. Dies seien Kräfte, die langjährig bestehende Geschäftsmodelle langsam erodieren lassen könnten, bis sie die Märkte plötzlich überrumpeln würden.

Derzeit halte sich die Zahl der Insolvenzen in Grenzen und die Unternehmen hätten die Kreditmärkte ohne große Schwierigkeiten angezapft. Die aufgestaute Nachfrage sollte den Umsätzen einen Schub geben, wenn die Lockdown-Maßnahmen enden würden, aber wenn die Käufer wieder zu ihren normalen Gewohnheiten zurückkehren würden, sei kaum abzusehen, ob das Wachstum im nächsten Jahrzehnt viel höher sein werde als im letzten. Eine alternde Bevölkerung bedeute weniger Konsum, eine baufällige Infrastruktur bedeute höhere Kosten und Handelskonflikte würden zunehmende Unsicherheit bedeuten.

Die meisten Krisen würden aus dem Unerwarteten heraus ausbrechen. Je mehr Investoren also auf diese sich verändernden Muster und Preise achten würden, desto einfacher werde es sein, die Risiken für Firmen zu bewerten, die im Moment noch mit Liquidität überschwemmt zu sein schienen. Erfolgreiches Investieren verlagere sich schnell von der Bewertung makroökonomischer Faktoren oder sogar der Vorhersage der Regierungspolitik hin zu der Frage, wie widerstandsfähig die Bilanzen in einer Welt schwankender Preise seien. Letztlich sei das Rezept für eine Krise kaum komplizierter als das. (12.01.2021/ac/a/m)






 
 
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