Kolumnist: Feingold-Research

Reverse Bonuszertifikate – Absichern mit Köpfchen




11.06.18 10:09
Feingold-Research

Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der der Markt sehr teuer ist und der Markt für uns nach oben begrenzt scheint. Neben Put-Optionsscheinen bieten Reverse-Bonus-Zertifikate eine attraktive Möglichkeit sich gegen fallende Kurse abzusichern. Goldman Sachs ist auf diesem Gebiet führend und stellt Anlegern eine breite Auswahl an attraktiven Scheinen, wie unter anderem die Dax-Reverse-Bonusse GD8J9F und GD9EZG, zur Verfügung.

Wir stellen Ihnen die Goldman Sachs-Akademie vor, in der die Struktur und Funktionsweise von Reverse-Bonus-Zertifikaten ausführlich und sehr verständlich erklärt wird:


Reverse-Bonus-Zertifikate – Reverse bedeutet umgekehrt – wenden das Bonuskonzept in spiegelverkehrter Form an. Während Käufer von klassischen Bonus-Zertifikaten prinzipiell von steigenden Kursen des Basiswerts ausgehen, ist der Blick bei der Reverse-Variante nach unten gerichtet. Der Inhaber dieses Zertifikats nimmt am Laufzeitende positiv eins zu eins an der negativen Wertentwicklung des Basiswerts teil. Darüber hinaus findet der Bonusmechanismus in umgekehrter Form Anwendung. So liegt der Bonus level zum Emissionszeitpunkt gewöhnlich unterhalb des Kurses des Basiswerts. Die Barriere ist oberhalb angesiedelt. Denn hier soll eine Absicherung für den Fall erfolgen, dass sich der Basiswert entgegen der Erwartung des Anlegers aufwärts bewegt.


Das folgende Beispiel soll die Wirkungsweise verdeutlichen. Es handelt sich um ein ReverseBonus-Zertifikat auf die Kompass-Aktie, die zum Emissionszeitpunkt bei 100 Euro notieren soll. Das Reverse-Zertifikat kostet ebenfalls 100 Euro. Der Bonuslevel liegt bei 70 Euro, die Barriere bei 125 Euro. Das Zertifikat bietet daher eine Absicherung gegen einen Kursanstieg von bis zu 25%.


Bei Reverse-Bonus-Zertifikaten kommt mit dem Reverselevel eine weitere Kenngröße hinzu. Im Beispiel liegt er bei 200 Euro, also bei 200% des anfänglichen Kurses der Kompass-Aktie. Der Reverselevel ist quasi das Pendant zum Nullpunkt bei einem klassischen Bonus-Zertifikat. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit auf oder über dem Reverselevel, ist das Zertifikat wertlos.


Sollte die fiktive Kompass-Aktie während der Laufzeit nie auf oder über die Barriere von 125 Euro steigen, erhält der Inhaber bei Fälligkeit mindestens den Bonusbetrag ausbezahlt. Der Bonusbetrag errechnet sich bei Reverse-BonusZertifikaten, indem man vom Reverselevel den Bonuslevel abzieht (und den Differenzbetrag gegebenenfalls um das Bezugsverhältnis bereinigt):


200 Euro – 70 Euro = 130 Euro.


Das ReverseBonus-Zertifikat bietet also die Chance auf einen 30-prozentigen Bonus (ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und sonstigen Gebühren).


Notiert die Kompass-Aktie am letzten Bewertungstag unter dem Bonuslevel von 70 Euro, partizipiert der Investor auch positiv an der zusätzlichen negativen Wertentwicklung. Würde sich die Kompass-Aktie beispielsweise auf 50 Euro halbieren, bekäme der Anleger 200 – 50 = 150 Euro. Für den Fall, dass die Kompass-Aktie auf oder über die Barriere steigt, gehen auch hier Bonuschance und Absicherung verloren. Der Investor partizipiert dann negativ eins zu eins an der Wertentwicklung. Das heißt: Ein Anstieg von 40% in der Kompass-Aktie würde eine Rückzahlung von 60 Euro bedeuten – also einen Verlust von 40%.


Reverse-Bonus


Das Reverse-Bonus-Zertifikat weist ein anderes Chance-Risiko-Verhältnis auf als ein klassisches Bonus-Zertifikat. Denn die maximale Rendite ist hier von vornherein begrenzt – im Beispiel auf 100%. Dass der Anleger diese Wertentwicklung erzielt, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Denn der Basiswert müsste auf null sinken.


Im Gegensatz dazu kann (je nach Lage des Reverselevels) die Gefahr eines Totalverlustes größer sein als bei einem klassischen (NonReverse-)Bonus-Zertifikat. Dieser Fall tritt ein, wenn der Basiswert bei Fälligkeit auf oder über dem Reverse level notiert – im Beispiel bei einer Kursverdoppelung. Bei einem gewöhnlichen Bonus-Zertifikat müsste der Basiswert dagegen wertlos werden, damit es zum Verlust des gesamten Kapitals kommt. Nach der Verletzung der Barriere, also bei einem deutlichen Kursanstieg des Basiswerts, besitzt der Zertifikatskäufer wirtschaftlich nur einen Put-Optionsschein mit Basispreis in Höhe des Reverselevels, im Beispiel von 200 Euro.


Während bei der klassischen Variante von Bonus-Zertifikaten Basiswerte mit hohen Dividendenrenditen vorteilhaft sind, bieten sich bei den Reverse-Zertifikaten der DAX® oder Aktien mit geringen Ausschüttungsrenditen an. Warum das so ist, wird bei einem Blick auf die Struktur von Reverse-Bonus-Zertifikaten deutlich. Anstelle eines Zero-Strike-Calls und eines Down-andout-Puts bestehen die Reverse-Zertifikate aus einer Put-Option und einem Up-and-out-Call.


Die Put-Option hat einen Basispreis in Höhe des Reverselevels. Der Up-and-out-Call hat einen Basispreis in Höhe des Bonuslevels. Seine Knock-out-Barriere befindet sich in Höhe der Barriere. Während eine hohe Dividendenrendite einen Zero-Strike-Call verbilligt, würde sie eine Put-Option verteuern.


Neben dem Bonuslevel und der Barriere besitzen Reverse-Bonus-Zertifikate also eine dritte Stellschraube: den Reverselevel. Anfangs wurden Reverse-Bonus-Zertifikate meist mit einem Reverselevel emittiert, der doppelt so hoch lag wie der Kurs des Basiswerts bei Emission. Inzwischen kamen verstärkt Reverse-Bonus- Zertifikate auf den Markt, bei denen der Reverselevel tiefer liegt, beispielsweise bei 175% des anfänglichen Basiswertkurses.


Hierdurch erhhält das Reverse-Bonus-Zertifikat einen veränderten, etwas offensiveren Charakter. Wie bereits beschrieben, besteht ein Reverse-Bonus-Zertifikat aus einer Put-Option und einen Up-and-out-Call. Während der Up-and-out-Call den inversen Bonusmechanismus ermöglicht, sorgt der Put für die positive Partizipation an fallenden Kursen des Basiswerts. Ein Reverselevel von 200% würde dabei zum Laufzeitende eine ungehebelte Partizipation an negativen Notierungen ermöglichen.


Nehmen wir an, die Kompass-Aktie notiert bei 100 Euro. Dann würde der Put einen Basispreis von 200 Euro haben. Fällt die Aktie auf 90 Euro, steigt der innere Wert des Puts von 100 auf 110 Euro. Ein Minus von 10% in der Aktie sorgt also für einen um 10% höheren Rückzahlungswert beim Put.


Würde der Reverselevel, also der Basispreis des Puts, bei 170 Euro liegen, verschiebt sich diese Konstellation. Ein Kursverlust der Aktie von 100 auf 90 Euro würde den inneren Wert des Puts von 70 auf 80 Euro erhöhen – ein Anstieg von 14,3%. Ein Absenken des Reverselevels führt also zum  Laufzeitende zu einer Art Hebel beim Reverse-Bonus-Zertifikat.


Genau wie klassische Bonus-Zertifikate werden auch Reverse-Bonus-Zertifikate meistens mit einem Aufgeld gehandelt. Allerdings handelt es sich hier nicht um ein Aufgeld gegenüber dem Basiswertkurs, sondern gegenüber dem inneren Wert des Puts. Es sei aber schon einmal darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um eine „Marge“ für den Emittenten handelt, sondern dass das Aufgeld dadurch entsteht, dass z.B. der Bonusbetrag und damit die Rendite so hoch ist, dass das Zertifikat ökonomisch nicht zum inneren Wert des Puts emittiert werden kann.


Quelle: Goldman Sachs, eigene Recherche



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