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Kolumnist: Feingold-Research

Regierungswechsel in den USA – Kaum Einfluß auf die Börse?




22.01.21 09:54
Feingold-Research

Der Markt sehnt sich nach Stabilität und Transparenz. Als effizienter Auktionsmechanismus ist er auf Transparenz angewiesen, um Aktien und wirtschaftliche Aktivitäten zu bewerten. Normalerweise mögen der Markt – und die Menschen im Allgemeinen – keine Veränderungen, aber dieses Mal, da wir an der Schwelle zu einer gewaltigen Veränderung stehen, ist das, was wir sehen, tatsächlich eine potenzielle Rückkehr zu echter Stabilität, Normalität und Transparenz. Wir stellen den Kommentar von Matthew Benkendorf, Vontobel Quality Growth, für die Südseiten der Börse München vor.


Zwar fand mit der Amtseinführung von Joe Biden als 46. US-Präsident ein offizieller Führungswechsel im Weißen Haus statt, aber die Art der Politik, die wir erwarten können, unterscheidet sich nicht radikal von dem, was wir in der Vergangenheit erlebt haben. Das Wachstum der Unternehmensgewinne, das die Aktienperformance antreibt, dürfte jedoch kurzfristig gestärkt werden, wenn neue fiskalische Anreize beschlossen werden.

Konsumorientierte Unternehmen als Nutzniesser



In den USA gibt es eine bedeutende Dichotomie, bei der es vielen großen, börsennotierten Unternehmen scheinbar gut und in gewisser Weise großartig geht, während nicht börsennotierte, kleine und mittlere Unternehmen, die den Großteil der Beschäftigung in diesem Land ausmachen, tagtäglich zu kämpfen haben. Die Politik, die wir sehen könnten, um dieses Problem anzugehen, würde eher von unten nach oben arbeiten, mit Initiativen, die zuerst die Löhne der Arbeiter unterstützen, und dann die Unternehmen, mit einem Fokus auf kleinere Unternehmen. In einer konsumorientierten Wirtschaft macht es Sinn, den Kuchen zu verteilen, indem mehr Menschen mit mehr Kaufkraft in die Wirtschaft einfließen. Als solche könnten konsumorientierte Unternehmen in den nächsten vier Jahren die Nutznießer sein.

Droht negative wirtschaftliche Überraschung?



Aber so einfach ist es nicht. Die Entwicklung mehrerer wirksamer Impfstoffe hat uns einen hoffnungsvollen Ausblick auf den verbleibenden Lebenszyklus von COVID-19 gegeben – und die Verteilung, obwohl sie anfangs enttäuschend war, sollte im weiteren Verlauf fein abgestimmt werden. Irgendwann, ob nun in sechs oder neun Monaten, werden wir auf COVID-19 als einen Zeitpunkt zurückblicken können. Doch trotz aller positiven Rhetorik könnte das größte Risiko, das vor uns liegt, eine negative wirtschaftliche Überraschung sein. Solange wir COVID-19 nicht aus dem Weg geräumt haben, ist es unklar, wie tief das wirtschaftliche Loch ist, und noch weniger klar, wie schnell wir uns aus ihm herausgraben können.
Wie von Joe Biden breit angekündigt, ist der Kampf gegen COVID-19 eine seiner wichtigsten Prioritäten. Es wird jedoch noch weitere Unsicherheiten geben. Zinsänderungen und politische Unruhen könnten Märkte und Unternehmen erschüttern. Es besteht auch Ungewissheit über den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung von COVID-19.

Pandemie als Trendbeschleuniger



Die virusbedingten Störungen haben einige wichtige Trends beschleunigt, wie z.B. die Verlagerung zum E-Commerce, die bereits im Gange waren. Der Technologiesektor macht heute 27 Prozent des S&P 500 Index aus, wobei eine kleine Anzahl von Unternehmen die Performance dominiert. Es handelt sich um einen natürlich konsolidierten Bereich, und viele führende Unternehmen, wie z.B. Google, halten quasi monopolistische Positionen. Obwohl große IT-Unternehmen in letzter Zeit stärker ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten sind, sind wir der Meinung, dass Anleger in US-Tech-Unternehmen nicht übermäßig besorgt sein sollten. Wir glauben, dass das Verbraucherverhalten das zukünftige Wachstum von IT-Unternehmen vorantreiben wird, und wir beobachten genau, wie diese Unternehmen einen Mehrwert für ihre Kunden schaffen.

Nachhaltige Wachstumsaussichten bei etablierten Unternehmen



Aus Anlegersicht ist es angesichts des unsicheren Verlaufs der wirtschaftlichen Erholung nach dem COVID-19 wichtig, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die gegenüber makroökonomischen Verwerfungen widerstandsfähig sind. Unabhängig vom makroökonomischen oder politischen Hintergrund ist es wichtig, sich mit den Fundamentaldaten der Unternehmen zu beschäftigen und nach einer vorhersehbaren langfristigen Ertragskraft zu suchen. Anleger sollten nach Unternehmen mit bewährten und wiederholbaren Modellen und etablierten marktführenden Positionen Ausschau halten und sich mehr auf den zugrunde liegenden Status bestimmter Unternehmen und ihre dauerhaften, nachhaltigen Wachstumsaussichten einstellen.
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