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Kolumnist: Hans-Jürgen Haack

ROI – really ROI?




22.01.16 15:15
Hans-Jürgen Haack

Lieber Leser,

ich hoffe, die englische, vielleicht etwas verwirrende, Überschrift hält Sie nicht vom Lesen des Briefes ab. Eigentlich soll die Überschrift ja das Gegenteil bewirken, den potentiellen Leser neugierig machen, damit er Lust auf den Inhalt bekommt. Sollten Sie, werter Leser, diese Zeilen lesen, dann ist zumindest das gelungen. Doch zurück zur Überschrift:
ROI, das ist in Finanzkreisen eine wichtige Maßzahl. Sie bedeutet normalerweise „Return on Investment“, also welche Rendite man auf das eingesetzte Kapital erzielt. Doch in 2016 geht es jetzt eher um „Return of Investment“, was man also von seinem eingesetzten Kapital wiedersieht.
Denn im 1. Quartal geht es weiterhin nicht darum, ob man nach oben (falls tatsächlich wieder eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entstünde) vielleicht 5 oder 10 % verpasst, sondern vielmehr, dass man nicht 10 oder 15 % Verlust erleidet - Kapitalerhalt steht an 1. Stelle! Denn unabhängig von der laufenden Erholung (die Stabilität kann unter Umständen auch noch ein paar Tage anhalten, aber auch in einer Seitwärtsphase auslaufen) sind die Problemfelder so mannigfaltig, dass größte Aufwärtsimpulse durch nachhaltige Käufe (also keine Short-Eindeckungen) wenig wahrscheinlich sind.
Zwar wird China als Hauptgrund für die Korrektur genannt, aber das trifft nur bedingt zu. Der Wechsel von einer dynamisch wachsenden Industrie- und Exportgesellschaft zu einer nachhaltigen Dienstleistungs- und Konsumwirtschaft verläuft nie ohne Friktionen und Wachstumsabschwächungen. Was in China abläuft ist völlig normal. Und wenn am Ende –
ungeschönte – 4-5 % Wachstum herauskommen, wäre das eine Zahl, mit der man gut leben kann.
Zudem: weniger als 1 % der US-Exporte gehen nach China! Folglich hat die nachlassende USKonjunktur nur wenig mit China zu tun, ist eher als normaler zyklischer Abschwung zu sehen. Jedenfalls ist das viel eher einer der Ursachen der Korrektur. Aktuell wird so langsam eine rezessive Phase in den USA eingepreist. Aber das ist noch nicht abgeschlossen, weshalb „Sell the Rally“ richtig sein dürfte.

Hinzu kommt noch, dass durch die fallenden Aktienkurse viele kreditfinanzierten Aktien-Engagements nun „unter Wasser“ sind, zwangsweise verkauft werden müssen. Dies entzieht den Märkten genauso Liquidität wie die Verkäufe von Aktien durch Ölförder-Länder, die langsam Probleme bekommen, ihre in guten Zeiten aufgeblähten Haushalte zu finanzieren.
Und ein weiteres Problem köchelt vor sich hin, ist noch gar nicht richtig von den Märkten realisiert worden: Kriege, Terror und die kaum zu lösende Flüchtlingskrise dürften in den nächsten 1 bis 2 Jahren dazu führen, dass Nationalismus die Globalisierung ablöst, dass man sich abschottet, die Grenzen (dann auch für den Güterverkehr!!) weniger offen sind. Das wird früher oder später auf die Wirtschaft durchschlagen. Das Thema hat sogar die Sprengkraft, eine neue große Krise in der EU auszulösen. Und die könnte dann von den Notenbanken nicht mehr gekittet werden, da sie auf der politischen und nicht finanziellen Ebene abläuft – aber dann natürlich verheerende Wirkungen auf die Finanzmärkte hätte. Ein Auseinanderbrechen der EU kann man nicht mehr ausschließen! Das sollten Sie im Hinterkopf behalten (übrigens wird Gold so langsam auch charttechnisch wieder ein Thema – in der HAACK-DAILY haben wir heute eine Position aufgebaut). Ich wiederhole also: Defensive ist angesagt!

Herzlichst Ihr
Hans-Jürgen Haack

P.S. Das HAACK-Performance Zertifikat (ETI) bleibt stabil, Kurs aktuell um 990 € (Ausgabe-Kaufkurs war 1002,50 €), was wir als großen Erfolg bei diesen Märkten ansehen. Da wir im HAACK-INVEST-Musterdepot (wird im Zertifikat abgebildet) sehr defensiv ausgerichtet sind, auch bei einer Seitwärtsbewegung über Reverse Bonus-Zertifikate profitieren würden, dürfte auch ein weiterer Abwärtsschub das Zertifikat kaum drücken.




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