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Nach der Quartalssaison: Kommt jetzt die Zeit der negativen Überraschungen?




11.05.22 15:55
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Die auslaufende Berichtssaison für das erste Quartal 2022 überraschte in Bezug auf Gewinne und Umsätze positiv, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, der Muttergesellschaft von Merck Finck.

Das gelte für die Leitindices in Europa und den USA gleichermaßen. Etwa 76% der US-Unternehmen hätten bei den Gewinnen positiv überrascht und 67% bei den Umsätzen. In Europa hätten diese Werte bei 66% bzw. 73% gelegen. Während des gesamten Quartals hätten sich die Gewinnwachstumsraten im Vergleich zum Quartalsbeginn verbessert, wobei das Wachstum aufs Jahr gerechnet bei 7,3% gelegen habe, während zu Beginn des Quartals 4,7% erwartet worden seien. Damit falle das Gewinnwachstum zwar deutlich kleiner aus als in der Erholung unmittelbar nach der Hochphase der Pandemie, aber es handele sich immer noch um eine starke Wachstumsrate. Auch die Nettomargen seien mit 11,4% im gesamten Quartal robust geblieben und lägen damit über dem Niveau vor der Pandemie.

Auf Sektorebene habe in den USA der Energiesektor das stärkste Wachstum im Jahresvergleich verzeichnet, gefolgt von Industriewerten und Grundstoffen. Das schwächste Wachstum im Jahresvergleich erzielten Finanzwerte und zyklische Konsumgüter, wobei sich hier insbesondere die Entwicklung bei Amazon.com niedergeschlagen habe. Die größten Überraschungen beim Gewinnwachstum seien aus dem Grundstoffsektor gekommen, der um 9,6% zugelegt habe, sowie aus dem Sektor Nicht-Zyklischer Konsum, der mit um 8,7% höheren Gewinnen positiv überrascht habe.

Teile man den Aktienmarkt in defensive Sektoren, zyklische Sektoren und Wachstumswerte auf, hätten die defensiven Werte mit 10,5% die höchste positive Überraschung mit Blick auf die Gewinne je Aktie aufgewiesen. Dem stünden 6,5 für zyklische Sektoren und 7,1% für Wachstumssektoren gegenüber. Die europäischen Märkte hätten ein ähnliches Bild geliefert. Auch hier hätten die Sektoren Energie, Grundstoffe und Industriewerte, aber auch der Sektor Kommunikation die höchsten Zuwächse bei den Gewinnen verzeichnet. Der Finanzsektor habe, neben Immobilien und Versorgern, zu den Sektoren mit dem schwächsten Gewinnwachstum gehört.

Die Marktreaktionen auf Fehlbewertungen und Abweichungen von Konsensschätzungen seien recht heftig gewesen. Unternehmen, die den Erwartungen der Analysten nicht gerecht geworden seien, hätten Kursrückgänge von im Durchschnitt 3,3% verkraften müssen. Die Marktreaktionen bei den Wachstumssektoren sei indes noch heftiger gewesen, wo der durchschnittliche Verlust 5,6% betragen habe. Bei positiven Überraschungen seien die Kurse der jeweiligen Unternehmen im Schnitt um 0,6% gestiegen. Die Jahresprognosen der Unternehmen seien seit Beginn des Quartals im Durchschnitt um 0,9% nach unten korrigiert worden. Dabei habe es keine wesentlichen Unterschiede zwischen zyklischen, wachstumsorientierten oder defensiven Sektoren gegeben. Die meisten Anhebungen der Konsensschätzungen seien im Energiesektor (allerdings in einer kleinen Stichprobe) erfolgt. Die größten Herabstufungen habe es in den Sektoren Grundstoffe, Finanzwerte und Nicht-zyklischer Konsum gegeben.

Decker gehe davon aus, dass das verlangsamte globale Wachstum und der zunehmende Margendruck das Gewinnwachstum belasten würden. Während die Berichtssaison im ersten Quartal bisher sehr stark gewesen sei, gehe er davon aus, dass sich das Wachstum verlangsame und der Druck auf die Gewinnspannen auch aufgrund der Inflation zunehme, so dass sich die Gewinnaussichten ab jetzt deutlich eintrüben könnten. Die gegenwärtig besonders ausgeprägte Stärke des USD erachte Decker als vorübergehend, wodurch Wettbewerbsnachteile für exportierende US-Unternehmen überschaubar sein sollten. Die nächste Quartalssaison dürfte weniger erfreulich verlaufen als die zurückliegende. Anleger sollten sich zudem darauf einstellen, dass die derzeit ohnehin unruhigen Märkte weiter außergewöhnlich stark reagieren würden, wenn Unternehmen die Analystenprognosen verfehlen würden. (11.05.2022/ac/a/m)






 
 
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