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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Quartalsberichtssaison - damit müssen Sie jetzt rechnen




09.07.13 07:17
Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,


am Montag hätte der DAX seinen 25. Geburtstag mit einer ordentlichen Kursrallye feiern können. Am 1. Juli 1988 wurde der offizielle Aktienindex für den deutschen Markt eingeführt der DAX. Damit bekamen die Anleger endlich eine einheitliche Benchmark an die Hand. Doch die Party wurde leicht verschoben.


Verspätete Geburtstagsparty


Denn am Montag pendelte das Geburtstagskind lediglich seitwärts, am Dienstag und Mittwoch früh verlor der Index sogar kräftig an Boden mit Verlusten von zeitweise über 3 Prozent. Erst vom Tief bei 7.730 Punkten aus ließ der DAX dann doch noch die Korken knallen und die Partygäste verhalfen ihm sogar zu einer Rückkehr auf das Niveau vom Wochenstart.



Allerdings dauerte die Party nicht sehr lange und der Kater kam heftig. Schon am Freitag rauschte der DAX wieder in den Keller und schloss nur etwas mehr als 70 Zähler über dem Wochentief, dafür aber fast 230 Punkte unter dem Wochenhoch.


Doch schauen wir uns einmal genauer an, was die Kurskapriolen der Woche ausgelöst oder verstärkt hat.


Kocht die Schuldenkrise in der EU wieder hoch?


Da wäre zum einen die Regierungskrise in Portugal zu nennen. Aber auch die erneuten Querelen mit Griechenland waren natürlich nicht geeignet, positive Stimmung zu schaffen. Und aus China gab es erneut schwächere Konjunkturdaten. Hier sank der Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungssektor von 54,3 auf 53,9 Punkten. Dies alles dürfte die Märkte zu Wochenbeginn unter Druck gebracht haben.


ADP-Arbeitsmarktbericht leitet Kursrallye ein


Für Kursgewinne sorgten erst die Zahlen vom Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing Inc (ADP), die am Mittwoch um 14:30 Uhr veröffentlicht wurden. Laut dem Bericht entstanden im Mai 188.000 Stellen. Analysten hatten lediglich mit 160.000 gerechnet, nach 134.000 Stellen zuvor.
Die positive Marktreaktion war etwas ungewöhnlich, denn bislang stieg mit positiven Arbeitsmarktdaten die Wahrscheinlichkeit für ein schnelleres Ende der Anleihekäufe durch die Fed, weshalb es zur Veröffentlichung der Daten in der Vergangenheit regelmäßig zu Kursverlusten kam.


EZB beschleunigt die Aufwärtsbewegung im DAX


Mitverantwortlich für den weiteren Anstieg der Kurse am Donnerstag war die EZB. Deren Präsident Mario Draghi teilte in einer Pressekonferenz nach der Zinssitzung mit, dass die Zinsen in Europa für längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar auf einem noch niedrigeren Kurs verharren werden.


Letzteres ließ sogar weitere Zinssenkungen erwarten. Und damit tritt die EZB nun eindeutig NICHT in die Fußstapfen der amerikanischen Notenbank, die bereits über einen schrittweisen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nachdenkt. Die Märkte bejubelten die Möglichkeit, dass die EZB für einen Ausgleich zur Fed sorgen könnte.


Die positive Entwicklung des DAX kam dabei ohne Unterstützung aus den USA zustande. Dort wurde am Donnerstag der Unabhängigkeitstag, also der Nationalfeiertag der USA, feierlich begangen, weshalb die US-Börsen geschlossen blieben.


US-Arbeitsmarktdaten beenden Börsenparty


Während am Mittwoch die positive Marktreaktion auf den ADP-Arbeitsmarktbericht etwas unerwartet ausfiel, setzte am Freitag wieder business as usual ein. Als der offizielle US-Arbeitsmarkt für Juni veröffentlicht wurde und recht deutlich über den Erwartungen ausfiel, brachen die Märkte aus den gewohnten Motiven ein.


Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag mit 195.000 deutlich über den 160.000 erwarteten Stellen. Auch die Werte für die Vormonate wurden, zum Teil beachtlich, nach oben revidiert. So sind im Mai nun ebenfalls 195.000 Stellen geschaffen worden, nach zuvor lediglich 175.000 gemeldeten Stellen. Und der Wert für April wurde gar von zuvor 149.000 auf nun 199.000 Stellen revidiert.


Zwar wurden die positiven Daten zunächst mit einem Kursanstieg gewürdigt (siehe folgender Chart), doch kurz darauf setzte sich wieder die Angst vor einem Ende der expansiven Geldpolitik durch. In der Folge verlor der DAX rund 200 Punkte.



Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote hat sich dabei nicht verändert. Sie notiert, wie bereits im Vormonat, bei 7,6 Prozent.


Die Fed hat ihr weiteres Vorgehen explizit an diese Arbeitslosenquote gekoppelt. So gesehen, hätten sich die Anleger keine Sorgen machen müssen, aber sie taten es trotzdem. Und zwar weil die neu geschaffenen Stellen mittlerweile auf eine nachhaltigere Erholung des US-Arbeitsmarktes hindeuten.


Ausblick


Auch in Zukunft kann es daher sein, dass der offizielle US-Arbeitsmarktbericht die Märkte immer wieder in den Keller reißt. Trotzdem kann es zwischen der Veröffentlichung dieser monatlichen Daten immer wieder zu steigenden Kursen kommen. Denn wenn sich der Arbeitsmarkt erholt, dann erholt sich auch die US-Wirtschaft. Und dies geht sicherlich einher mit einer Verbesserung der Gewinne der Unternehmen. Das wiederum sollte sich bei den Einzelaktien und damit auch in den US-Indizes auswirken.


Fallende Kurse durch US-Konjunkturdaten und steigende Kurse aufgrund möglicher Gewinnsteigerungen der US-Unternehmen dürften sich in den kommenden Wochen aufheben. Auch das spricht also dafür, dass wir im Sommer eher eine Seitwärtsbewegung erleben werden, so wie wir es in den vorangegangenen Ausgaben bereits erwartet haben und wie sie sich inzwischen abzeichnet.


Nachdem nun die Notenbanken getagt haben und der für die Märkte so wichtige monatliche US-Arbeitsmarktbericht bekannt ist, könnte es bereits in dieser Woche zu einer deutlichen Marktberuhigung und damit zu einer abnehmenden Volatilität kommen. Insbesondere auch, weil der Wirtschaftskalender deutlich leerer ist und die Politik in die Sommerpause geht, womit von dieser Seite ebenfalls kursbewegende Faktoren ausbleiben.


Wegen der Bundestagswahlen im Herbst könnte es allerdings zu entsprechendem Wahlkampfgetöse kommen, womit die Sommerpause in Deutschland kürzer als sonst ausfallen dürfte. Mit vereinzelten, plötzlichen und nicht erklärbaren Kurssprüngen, die wir für diese Zeit prognostiziert haben, muss man also weiterhin rechnen. Politische Börsen haben aber bekanntlich kurze Beine, weshalb sich diese Bewegungen im Weiteren meist egalisieren und sich häufig als Fehlsignale herausstellen.


Zudem steht bereits eine Alternative bereit, auf welche die Investoren ab dieser Woche ihren Fokus legen werden. Denn heute startet die Quartalsberichtsaison. Unternehmenszahlen rücken damit in den Vordergrund.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse


Ihr


Sven Weisenhaus


 


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