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Preisreaktion auf OPEC+-Abkommen spiegelt Zustand des Ölmarktes wider




21.07.21 15:20
WisdomTree Europe

London (www.aktiencheck.de) - Die allgemeine Risikoaversion an den Märkten zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der OPEC+1-Vereinbarung hat die direkten Auswirkungen der Entscheidung der Organisation auf die Ölpreise wohl etwas überschattet, so Mobeen Tahir, Associate Director, Research, bei WisdomTree.

Klar sei jedoch, dass die Vereinbarung das Risiko einer zusätzlichen Verknappung eliminiert habe, die möglicherweise aufgetreten wäre, wenn das No-Deal-Szenario noch viel länger angedauert hätte.

Die OPEC+ hätten sich darauf geeinigt, die Ölfördermenge von August bis Dezember jeden Monat um 0,4 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) zu erhöhen, insgesamt 2 mb/d bis Ende des Jahres. Die verbleibenden Produktionskürzungen von rund 3,8 mb/d würden bis September 2022 schrittweise wieder in Betrieb genommen. Dieser Schritt sei bereits erwartet und von den Märkten eingepreist worden, bevor die letzte Sitzung Anfang Juli in einer Pattsituation geendet habe.

Noch wichtiger sei, und das möge nicht überraschen, dass den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), dem Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Russland eine höhere "Basis" zugestanden worden sei, von der aus sie ihre pandemiebedingten Kürzungen der Fördermenge berechnen könnten. Mit anderen Worten: Diese Länder würden höhere Förderquoten erhalten, um sie für ihre Investitionen in den Ausbau ihrer Kapazitäten zu kompensieren. Mit dieser Einigung seien die Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe vorerst beigelegt, und es bestehe die Aussicht, dass aufgrund der erhöhten Fördermengen letztlich zusätzliche 1,6 Millionen Barrel Öl in den Markt fließen würden.

Der OPEC+-Deal offenbare drei wichtige Aspekte über den Charakter der Ölmärkte. Erstens, es herrsche (wahrscheinlich) gerade genug Harmonie in der Organisation, um zu verhindern, dass sich tiefe Gräben auftun und die Länder ihre Fördervereinbarungen aufkündigen würden - ein Risiko, das sich nach der Pattsituation offenbart habe. Zweitens würden die Märkte nicht erwarten, dass die Nachfrage stärker wachse als das Angebot, andernfalls wäre es zu einer deutlich positiveren Reaktion auf die Entscheidung gekommen. Und drittens würden die Kurven von Backwardated-Öl-Futures signalisieren, die auf kurzfristige Engpässe beim Fördervolumen hinweisen würden, dass vermutlich auch zukünftig keine Engpässe zu erwarten seien.

Der oben genannte dritte Punkt lege nahe, dass die Märkte die Ansicht der Experten teilen würden, dass die OPEC+ die Trümpfe in der Hand halte, um die Ölpreise zu kontrollieren, und dass sie über ausreichende Kapazitätsreserven verfüge, um jedes zusätzliche Nachfragewachstum zu befriedigen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) werde für das Jahr 2021 ein globales Wachstum der Ölnachfrage von 5,4 Millionen Barrel pro Tag und für 2022 von weiteren 3 Millionen Barrel pro Tag erwartet, womit die Gesamtnachfrage wieder das Niveau vor der Pandemie erreiche. Ein Teil dieses für 2021 erwarteten Wachstums habe bereits in der ersten Hälfte des Jahres stattgefunden.

Auf der Angebotsseite dürfte die Produktion in den USA in diesem Jahr um 1,6 mb/d steigen, und die OPEC+ beabsichtige, bis September nächsten Jahres mindestens 5,8 mb/d hinzuzufügen. Zusätzliche 1,6 mb/d aus dem jüngsten Abkommen und weitere 1,4 mb/d könnten einen unerwarteten Nachfrageschub auffangen - ein relativ unwahrscheinliches Ergebnis, da die Welt von den Covid-Nachbeben gezeichnet sei.

Die Grundannahme der Experten sei daher, dass die Ölpreise von hier an wahrscheinlich mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen haben würden. Die OPEC+ habe zusätzliche Macht erlangt, um den Markt im Gleichgewicht zu halten und im Gegenzug die Preise zu kontrollieren. Und da Länder wie die VAE nicht mehr für zusätzliche Investitionen in die Ölförderung bestraft würden, werde ein Präzedenzfall geschaffen, der den Produzenten einen Anreiz biete, das Angebot in Zukunft weiter zu erhöhen. Angesichts der Fundamentaldaten von Nachfrage und Angebot sei es unwahrscheinlich, dass ein Aufwärtsszenario für den Ölpreis durch eine breitere Rally bei den Risikoanlagen oder eine Verknappung der Fördermenge ausgelöst werde. Dies müsse von einer erheblichen überraschenden Aufwärtsentwicklung des Nachfragewachstums kommen. (21.07.2021/ac/a/m)






 
 
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