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Kolumnist: Ralf Flierl

Poker Süß-Sauer




24.01.19 14:22
Ralf Flierl



Auch aus dem Wok wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird




 
Schlitzaugen oder Schlitzohr?
Während die Welt wie gebannt auf den Brexit-Poker starrt gibt es zum 1. März eine Frist, die eine weitaus größere Wirkung auf die Weltwirtschaft haben könnte. Denn bis zu diesem Tag hat Donald Trump die geplanten Zölle auf diverse Produkte aus chinesischer Produktion ausgesetzt. Kommt es in den nächsten Wochen zu keiner Einigung, würden Zölle von 10% auf Waren im Gegenwert von 200 Mrd. USD anfallen. Eine Unsicherheit für die Konjunktur, die den Börsianern in den letzten Wochen zunehmend Kopfschmerzen bereitet. Gibt es positive Nachrichten über einen „Deal“, wie zuletzt am vergangenen Freitag, stehen alle Ampeln auf Grün. Machen dagegen neue Gerüchte über ein Stocken der Verhandlungen die Runde, wie gestern geschehen, legen die Märkte den Rückwärtsgang ein. Der letzte mutmaßliche Vorschlag der chinesischen Seite zeigt jedoch eindeutig, zu welchen Zugeständnissen das Reich der Mitte bereit ist: China würde demnach bis 2024 amerikanische Waren im Wert von 1.000 Mrd. USD zusätzlich erwerben, das Handelsbilanzdefizit der beiden Länder damit auf null reduzieren. Dagegen heißt es seit gestern, die Trump-Regierung würde Gespräche auf höchster Ebene zunächst einmal auf Eis legen.
The Art of the Deal – Donald Style



Unabhängig von den täglichen Schlagzeilen lohnt sich jedoch ein Blick auf Donald Trumps Persönlichkeit, will man verstehen, was hier tatsächlich gespielt wird. Ein Blick in dessen Buch „The Art of the Deal“ verrät die Vorgehensweise, die der selbsternannte Dealmaker schon in seinen Zeiten als New Yorker Baulöwe angewendet hat. Zunächst einmal laut brüllen, danach den Gegner eine Zeit lang im Ungewissen lassen, danach einen Deal schließen, der durchaus auch ein bisschen von der zuvor formulierten Extremposition abweicht. Ähnlich könnte es auch im Fall des China-Pokers laufen. Trump – so unberechenbar er auch sein mag – sollte wissen, dass er sich eine größere konjunkturelle Delle nicht leisten kann, wenn er denn 2020 wieder gewählt werden möchte. Doch was wäre für einen Narzissten wie Trump besser, als sich als Sieger über den Herausforderer China zu profilieren. Der Druck, einen Deal zustande zu bringen, ist für ihn daher ähnlich hoch wie der auf die chinesische Seite, die Zölle zu vermeiden. Mit dem Handelskrieg und dessen Vermeidung beschäftigen wir uns auch im neuen Smart Investor, der am Samstag erscheint.
Schwellenländer vor Comeback?



Wie groß der Druck auf die Regierung in Peking ist, die stotternde Wachstumsmaschine am Laufen zu halten, zeigen die gerade veröffentlichten Konjunkturzahlen. Laut den am Montag veröffentlichten Zahlen ist die Wirtschaft im Reich der Mitte um 6,6% gewachsen – die niedrigste Wachstumsrate seit 28 Jahren (!). Kein Wunder also, dass auch die Börsen in Hong Kong und Shanghai bereits seit längerem auf Tauchstation sind. Genau wie die Börsen vieler anderer Emerging Markets in Asien, Osteuropa und Südamerika. Nicht wenige Anleger scheinen sogar Angst vor einer Neuauflage der Asien- und Russland-Krise von 1997/1998 zu haben. Doch wie groß sind die Gefahren einer Abkühlung in den Entwicklungsländern tatsächlich? Ein Thema, dem wir im neuen Smart Investor intensiv nachgegangen sind. Darin beschäftigen wir uns u.a. mit den attraktivsten Aktienmärkten in den Schwellenländern, russischen Einzeltiteln, der volkswirtschaftlichen Entwicklung in den Emerging Markets und haben mit dem Osteuropa-Experten Andreas Männicke gesprochen. Als Abonnent haben Sie das neue Heft am Samstag in Ihrem Briefkasten. Sie sind noch kein Abonnent? Hier können Sie ein zweimonatiges Probeabo abschließen. Wem das nicht schnell genug geht sei unsere App (iOS und Android) ans Herz gelegt. Hier können Sie auch einzelne Hefte ganz bequem auf ihrem Smartphone oder Tablet lesen und sogar einzeln erwerben. Abonnenten haben selbstverständlich kostenlosen Zugriff auf die aktuelle Ausgabe und das Archiv der letzten Jahre.
Verdeckter Rosenkrieg



Nicht ganz so begnadet im Deal Making wie die Amerikaner im Allgemeinen und „The Donald“ im Besonderen, sind die Europäer. Der Brexit taumelt seiner harten Variante entgegen, aber selbst die scheint ihren Schrecken langsam einzubüßen. Vermutlich wird aktuell noch auf so etwas wie die Lösung in letzter Minute gesetzt. Das Einzige was da angesichts der Komplexität eines Austrittsvertrags aber realistisch wäre, ist ein Aufschub – der wäre zwar keine Lösung, würde der EU aber die Möglichkeit eröffnen die Briten so lange weiter zu bearbeiten, bis sie schließlich in einem weiteren Referendum doch noch von ihrem Vorhaben ablassen. Sollte Ende März der harte Brexit kommen, dann wird es natürlich auf zahlreichen Feldern der Zusammenarbeit und des grenzüberschreitenden Wirtschaftens erst einmal haken. Andererseits hat Freiheit schon immer ihren Preis gehabt, und da scheint die britische Freiheitsbewegung im historischen Vergleich ein echtes Schnäppchen zu sein. Immerhin gehört die Europäische Union noch zu jenen Organisationen, die man lebendig verlassen darf, auch wenn es, wie Spötter vielleicht anmerken werden, dafür bislang nicht einen Präzedenzfall gibt.
Aachener Rettungsschirm für Marcon



Und weil es in dieser „hybriden zwischenstaatlichen und supranationalen Organisation“ (Charakterisierung laut CIA Factbook) an allen Ecken und Enden knirscht, wird Politik in Manier eines aufgeschreckten Hühnerhaufens gemacht. Die beiden Hühner, die sich gestern im Deal Making versuchten, waren der französische Präsident und die deutsche Kanzlerin. Ersterem steht das Wasser bekanntlich bis zum Halse. Der unbeliebteste Präsident in der Geschichte der Fünften Republik kann sich gegen die im Wochentakt protestierenden Gelbwesten-Bürger nur noch mit Wasserwerfern und Gasgranaten behaupten. So sehr Macron im Inland auch bedrängt sein mag, um die deutsche Kanzlerin vor sich her und in ein von der französischen Diplomatie konstruiertes Vertragswerk hinein zu treiben, reicht es für den „Dealmaker“ aus dem Élysée-Palast allemal. Über eines konnte auch die in bemüht gefühliger Yellow-Press-Manier inszenierte Vertragsunterzeichnung nicht hinwegtäuschen: Diese händchenhaltende Pseudo-Love-Story wird deutsche Sparer und Steuerzahler noch teuer zu stehen kommen. Das einzig sichtbare Asset, das die französische Seite in die vertiefte Allianz einbringen kann, ist die in den letzten Monaten gesammelte Erfahrung in der gewaltsamen Niederschlagung von Bürgerprotesten. Offenbar ein Pfund, mit dem sich in Berlin wuchern lässt. Dass diese EU immer weniger mit den Visionen der Gründerväter zu tun hat, sieht man wohl nirgendwo klarer als im Osten des Kontinents. Der frühere tschechische Präsident Václav Klaus wetterte umgehend gegen den „Geheimvertrag“ von Aachen. Wie man auf die absurde Idee kommen konnte, dass eine Stärkung der Achse Paris-Berlin die auseinanderstrebende EU stabilisiere, ist nicht einmal ansatzweise nachzuvollziehen. Im Gegenteil: Der Graben zu den östlichen EU-Staaten der Visegrád-Gruppe wird dadurch noch weiter akzentuiert, vermutlich auch der zu Italien, das beim Tête à tête des Grauens ebenfalls außen vor blieb.
Ein Skandal, der sich gewaschen hat



Nicht erst seit gestern beschäftigen wir uns intensiv mit dem strauchelnden Riesen Deutsche Bank. Seit gestern ist die zuletzt wenig ruhmvoller Geschichte der Bank um ein Kapitel reicher. Wie der Nachrichtendienst Bloomberg enthüllte, ermittelt die Federal Reserve Bank wegen eines der größten Geldwäscheskandals der Geschichte gegen das Geldhaus. So soll die Bank von einer estnischen Tochter der dänischen Danske Bank benutzt worden sein, um 230 Mrd. USD an schmutzigen Geldern in die USA zu transferieren. Die estnischen Behörden haben die Danske Bank bereits dazu aufgefordert, 1,5 Mrd. USD Kapital zurückzustellen, um mögliche Strafen zu bezahlen. Noch ist offen, welche Summe für die Deutsche Bank im Feuer steht. In den letzten Jahren hatte die Bank wenige Fettnäpfchen ausgelassen. Und jeder dieser Regelverstöße hatte in der Regel richtig Geld gekostet. Laut der Analyse des neuen Großaktionärs Douglas Braunstein, der im November rund 3% der Anteile erworben hat, dürfte die Bank in den vergangenen Jahren 15 Mrd. EUR Straf- und Vergleichszahlungen geleistet haben. Weitere 17 Mrd. EUR wurden auf faule Kredite und Assets abgeschrieben. Gleichzeitig habe das Unternehmen annähernd 30 Mrd. frisches Eigenkapital aufgenommen. Die Relation der Zahlen zeigt vor allem eines deutlich: Während die Bank heute zu rund 50% neuen Investoren gehört, ist all deren frische Kapital in die Beseitigung von Altlasten geflossen, nicht in die Entwicklung des Geschäftsmodells. Solange die Serie an Skandalen nicht abreißt, dürfte sich daran auch so schnell nichts ändern…

Zu den Märkten



Die seit dem Jahreswechsel laufende Entlastungs-Rally im DAX konnte mit der Marke von 11.000 Punkten (blaue Waagrechte) eine wichtige Hürde zurückerobern. Das Niveau erwies sich im Abwärtsgang des vergangenen Jahres zweimal als tragfähige Unterstützung, bevor es dann doch dynamisch nach unten durchbrochen wurde. Auch im aktuellen Aufwärtsgang sammelte der Index zunächst seine Kräfte, bevor er zum Sprung über die 11.000 ansetzte (grüne Markierung). Sogar die steilste der drei rot eingezeichneten Abwärtslinien konnte im Zuge dieser Bewegung nach oben durchbrochen werden. Das Kursverhalten um die 11.000er-Marke hat einen der grundlegen Glaubenssätze der Technischen Analyse damit eindrucksvoll bestätigt: Aus Unterstützung wird Widerstand und umgekehrt. Voller Geigen hängt der DAX-Himmel dennoch noch lange nicht. Denn von zwei weiteren technischen Gesetzmäßigkeiten droht Ungemach: Kurzfristig ist der DAX im übergekauften Bereich und mittelfristig sind zwei abwärts gerichtete Trendlinien noch vollkommen intakt.
Musterdepot Aktien & Fonds



Im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage lesen Sie heute über Goldcorp, Wheaton Precious Metals und eine erfolgte Transaktion aus der Vorwoche. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.
Smart Investor 2/2019



Wie bereits erwähnt, steht der neue Smart Investor 2/2019 kurz vor dem Roll-Out. Zum kommenden Wochenende ist das Heft in Ihrem Briefkasten. Schon am Freitag können Sie die neue Ausgabe auf ihrem PC oder via App per iPhone und Android Smartphone bzw. auf dem Kindle lesen. Es gibt also keine Ausrede, den Smart Investor nicht griffbereit zu haben. Lohnen wird es sich das obendrein: Denn neben den Emerging Markets und der Politik der USA haben wir viele weitere Themen rund um Börse, Wirtschaft und Politik für Sie im Heft. So berichten wir beispielsweise von der 2. Währungskonferenz der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft und von aktuellen Strömungen in der seit der Finanzkrise andauernden Geldsystem-Diskussion. Breiteren Raum nimmt auch unsere Berichterstattung zu den Edelmetallen ein. Hier hat sich ein „Goldenes Kreuz“ gebildet. Und was es damit auf sich hat, lesen Sie ebenfalls im neuen Heft.
Fazit

Es ist die Zeit der Dealmaker! Dabei kann naturgemäß nicht jeder das bessere Ende auf seiner Seite haben.

Christoph Karl, Ralph Malisch



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