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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Die Perspektiven nach der Gegenbewegung




31.05.22 09:23
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


in der Vorwoche setzte in den US-Indizes nach einer siebenwöchigen Abwärtsbewegung die erste deutliche Gegenreaktion seit Ende März ein. Doch das heißt nicht, dass die Bären schon geschlagen sind.


Die Gegenbewegung hat begonnen!


Werfen wir dazu einen Blick auf den Chart des S&P 500, den ich Ihnen in der Vorwoche zeigte:


S&P 500 - Tageschart ab Dezember 2021


Der US-Leitindex hat durch seinen Anstieg gleich mehrere wichtige Widerstände gebrochen: die roten Abwärtslinien, die runde 4.000er Marke und die Rechteckkante bei 4.092 Punkten. Mit der langen grünen Kerze vom Freitag haben die Bullen nun die Chance, das zurückeroberte Rechteck bis an dessen Oberkante bei 4.363 Punkten zu durchlaufen.


Die Gefahr einer größeren Abwärtswelle ist zwar noch nicht ganz gebannt, aber vorerst sieht es so aus, als bliebe es doch bei einer typischen dreiteiligen Korrektur, deren beide Abwärtswellen in etwa den gelben Rechtecken entsprechen. Ein ähnliches dreiteiliges Muster ist in der laufenden Gegenbewegung möglich (siehe gestrichelte Prognosepfeile).


Im Idealfall erreicht der Kurs dabei die obere dicke rote Abwärtslinie. Danach kann dieser übergeordnete Abwärtstrend zwar weitergehen, aber er deutet eher eine ausgedehnte Konsolidierung an als einen großen Ausverkauf.


Langfristig wichtiges Niveau erfolgreich verteidigt


Die Stärke der Gegenbewegung wird uns also nicht nur viel über das aktuelle Kräfteverhältnis von Bullen und Bären verraten, sondern auch über die Perspektiven für die kommenden Wochen und Monate. Daher nochmals der langfristige Chart des S&P 500, den ich Ihnen ebenfalls schon in der Vorwoche zeigte:


S&P 500 - Wochenchart ab 2009


Die Gegenbewegung hat also tatsächlich an der gezeigten Kreuzunterstützung (siehe Pfeil) eingesetzt. Je weiter sie nun geht, desto wahrscheinlicher ist es, dass selbst bei einem erneuten Rückschlag die entsprechenden Linien erneut halten. Der Kurs könnte dann z.B. um die runde 4.000-Punkte-Marke schwanken. Dabei wäre es auch unerheblich, wenn der Aufwärtstrend verlassen wird. Charttechnisch läge dann ein Rechteck oder eine andere Fortsetzungsformation vor, die weiter steigende Kurse wahrscheinlich werden lässt.


Je schwächer jedoch der Erholung bleibt, desto eher besteht die Gefahr, dass ein erneuter Abwärtsschub die Linien bricht und die Abwärtsbewegung dynamisch weitergeht.


Eine extrem lange Negativserie


Das ist auch aus einem anderen Grund bedeutsam. Wie eingangs erwähnt, dauert die jüngste Abwärtsbewegung sieben Wochen – gemessen an den Wochenschlusskursen, die in dieser Zeit jeweils niedriger waren als in der Vorwoche. Das war die drittlängste derartige Abwärtsbewegung in der Geschichte des S&P 500 seit 1928! Dazu der folgende Chart:


S&P 500 - Überkauf-/Überverkauft-Extreme seit 1928


Quellen: MarketMaker mit Daten von VWD, eigenen Berechnungen


Der untere Chartteil zeigt die Zahl der aufeinanderfolgenden Wochen, in denen der Kurs am Wochenschluss größer (grün) bzw. kleiner (rot) als der Vorwochenschlusskurs war. Diese Folgen kann man als Maß nehmen, wie stark der Index überkauft bzw. überverkauft ist.


Nur zweimal – im Mai 1970 und im März 2001 – gab es längere Negativserien als jetzt (je 8 Mal). Dabei drehte der Kurs in einem Fall (1970) sofort nach oben, im zweiten (2001) fiel er nach einer zweimonatigen Gegenbewegung wieder zurück, in welcher der Index aber immerhin um gut 15 % stieg. Letztlich brach er danach aber um 32 % gegenüber dem Tiefststand der Überverkauft-Serie ein bevor er die nächste Gegenbewegung startete.


Warum eine starke Erholung aktuell besonders bedeutsam ist


Die beiden Fälle liefern also keine klare Aussage. Also habe ich mir alle Fälle angeschaut, in denen es mindestens 6 Wochen lang eine solche Negativserie gab. Dies waren insgesamt 17 Fälle, deren Zeitpunkte ich im oberen Chartteil mit den orangen Punkten im Kurschart markiert habe.


Auch hier ergab sich keine klare Tendenz: In 9 Fällen kam es danach nur noch zu moderaten Verlusten von maximal 7,5 %, in den 8 anderen Fällen fielen die Kurse erheblich stärker – im Mittel um weitere (!) 32 %, im schlimmsten Fall (1931/32) sogar fast um weitere 70 %.


Es gibt aber eine deutliche Tendenz bei den Gegenbewegungen: Je länger diese anhielten und je stärker sie ausfielen, desto geringer blieben die folgenden Rückschläge. Die einzige Ausnahme war 2001. Damals gab es einen drastischen Rückschlag trotz kräftiger Erholung. Allerdings wurden die Kurse am Ende durch die Terroranschläge vom 11. September massiv gedrückt – der damalige Einbruch endete (vorläufig) am 21. September, also wenige Tage, nachdem die Börsen nach einer Zwangspause wieder öffneten…


Hoffen auf die Sommer-Rally


Seit seinem Tief am Verfallstag ist der S&P 500 bereits um gut 10 % gestiegen. Das ist im historischen Vergleich schon ein ordentlicher Wert, aber gemessen am vorangegangenen Einbruch noch recht mager. Das Erreichen der oben genannten Marken (z.B. die obere dicke rote Linie) würde mein Vertrauen stärken, dass die Bullen wirksam dagegenhalten können. Und noch besser wäre es, wenn der Anstieg der Vorwoche der Start für eine Sommer-Rally zu den genannten Marken wäre.


Das würde zwar dem typischen saisonalen Verlauf in einem Zwischenwahljahr widersprechen, aber dieser hat bisher ohnehin nicht gestimmt.


Dow Jones - Durchschnittsverlauf im Zwischenwahljahr


Aber bekanntlich ist der Herbst – Zwischenwahljahr hin oder her – immer für einen weiteren Rückschlag gut. Diesem könnten wir jedoch nach einer solchen Sommer-Rally viel gelassener entgegensehen.


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)



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