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Ölmarkt: Wieviel Macht hat die OPEC?




12.07.19 10:36
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Nach der OPEC-Sitzung von 1. Juli und der OPEC+-Sitzung vom 2. Juli (an der die OPEC-Partnerländer unter der Führung von Russland teilnehmen) zeigten sich Risse in dem Bündnis, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Insbesondere der Iran beklage den Einfluss, den Russland habe. Immerhin hätten Saudi-Arabien und Russland schon vorab im Rahmen des G20-Gipfels entschieden, dass die Ende 2018 beschlossenen Förderkürzungen verlängert werden sollten. Sie würden jetzt bis März 2020 gelten.

Die OPEC+ Partnerschaft sei in der Tat ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steige die gesamte Marktmacht und damit der Einfluss auf die Preise. Auf der anderen Seite sinke der individuelle Einfluss der Mitgliedsstaaten. Das scheine für den Iran besonders schmerzhaft zu sein. Sein Einfluss habe ohnehin durch das Sanktionsregime der USA massiv abgenommen, denn das Land habe gar keine Möglichkeit seine Produktion nennenswert zu erhöhen, weswegen das Land konsequenterweise auch von dem Abkommen ausgenommen worden sei (wie Venezuela auch). Dazu komme, dass das Land, mit dem der Iran um die Hegemonialstellung im Nahen Osten konkurriere, nämlich Saudi-Arabien, ganz offensichtlich das Bündnis führe.

Möglicherweise sei der Iran angesichts der fast auf Null reduzierten Ölexporte (genauer: Im Juni seien nach Schätzungen von Bloomberg 296.000 Barrel/Tag ausgeführt worden) auch der Meinung, dass er ökonomisch nicht viel verlieren könne. Selbst wenn der Preis deutlich steigen würde, würde sich das bei den Einnahmen kaum bemerkbar machen, weil die Exporte so niedrig seien. Mitte 2018 habe man noch ungefähr 2,3 Mio. Barrel/Tag exportiert. Insofern scheine der Iran auch von dieser Seite her nicht an einem schlagkräftigen Bündnis mit Russland interessiert zu sein.

Die OPEC brauche die Partnerländer. Denn der Marktanteil der OPEC-Staaten sei seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2012 habe der Anteil der OPEC-Staaten noch bei 29% gelegen, im Jahr 2018 nur noch bei 26%. Berücksichtige man die reduzierte Förderung des Irans und Venezuelas, lande man aktuell sogar nur bei etwa 24%. Wenn es den USA weiterhin gelinge, seine Produktion so kräftig auszuweiten wie in den vergangenen Jahren, werde sich dieser Trend fortsetzen. Es sei insofern ein geschickter Schachzug Saudi-Arabiens gewesen, Russland und andere Ölstaaten, die insgesamt einen Marktanteil von etwa 20% hätten, 2016/2017 zu einer Kooperation zu bewegen. OPEC+ komme damit auf über 40% Marktanteil, etwas höher als der Wert, den man als OPEC-Bündnis in den 1970er Jahren erreicht habe.

Sollte das Bündnis mit den Partnerländern nicht halten oder Russland einen offensichtlichen Mangel an Disziplin bei der Einhaltung der Förderquoten zeigen, könnte der Einfluss der OPEC generell infrage gestellt werden, was den Ölpreis entsprechend belasten würde. Das könne kurzfristig die Preise ungewöhnlich stark unter Druck bringen. Schon bald aber dürften die Preise sich wieder an den tatsächlichen Angebots- und Nachfrageverhältnissen orientieren. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden glauben, dass geopolitische Spannungen (Iran, Venezuela) auf der einen Seite eine Angebotsflut verhindern würden und dass auf der anderen Seite die Nachfrage nach Öl etwas nachgeben werde. Im Ergebnis dürfte es zu einem Rückgang der Ölpreise auf 60 US-Dollar/Barrel per Ende 2020 kommen (Brent). Per Ende 2019 würden die Analysten mit relativ konstanten Preisen bei 66 US-Dollar/Barrel rechnen. (Ausgabe vom 11.07.2019) (12.07.2019/ac/a/m)







 
 
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