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Ölmarkt: OPEC-Sitzung rückt ins Blickfeld




14.03.19 16:19
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die OPEC-Sitzung am 17. und 18. April rückt näher und damit auch die Frage, ob die OPEC ihre Quoten lockern oder gar noch weiter reduzieren wird, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirtder Hamburg Commercial Bank.

Unter dem Strich könne die OPEC bzw. vor allem Saudi Arabien die bisherige Preisentwickung - der Ölpreis sei seit dem Tief im Dezember 2018 bis heute um rund 34% gestiegen - als Erfolg verbuchen. Das liege zum einen daran, dass Saudi Arabien bei der Rohölproduktion und den Rohölexporten sehr diszipliniert sei und jede Gelegenheit nutze, um eine Übererfüllung der Zielerreichung von 10,2 Mio. Barrel pro Tag zu kommunizieren. Zum anderen würden Venezuela, Iran und Libyen unfreiwillig zu dem knapperen Angebot beitragen, was mit US-Sanktionen (Iran, Venezuela) und Sicherheitsproblemen im Land (Libyen, Venezuela) zu tun habe. Schließlich habe im Januar und Februar offensichtlich auch Russland, das zu dem wichtigsten Partnerland der OPEC gehöre, zur Ölangebotsverknappung beigetragen.

Kurzfristig werde von Venezuela und Iran weiterhin Unterstützung für die Preise zu erwarten sein. In Venezuela werde die durch einen Machtkampf zwischen Opposition und Regierung gekennzeichnete Lage immer kritischer, nachdem ein mehrtätiger flächendeckender Stromausfall Tote gefordert und die Versorgungsengpässe verschärft habe. Der Stromausfall habe offensichtlich auch Auswirkungen auf die Ölproduktion. Im Februar habe Venezuela gemäß Bloomberg-Schätzungen immerhin noch 1,08 Mio. Barrel/Tag produziert, ein Minus von etwa 110.000 Barrel/Tag gegenüber dem Vormonat. Die Kombination von US-Sanktionen, Forderungen der USA an Indien, kein venezolanisches Öl zu kaufen sowie den Auswirkungen der Stromausfälle würden vermuten lassen, dass der Öloutput im März sich zeitweise deutlich reduzieren könnte. Klar sei aber auch: Sollte der Machtkampf zugunsten von Guaido ausgehen, dürften die Ölpreise fallen, da dann die US-Sanktionen aufgehoben würden und das Land eher die Möglichkeit habe, seine Ölreserven zu heben.

In Bezug auf die Iran-Sanktionen könne man beobachten, dass der Iran mit derzeit 2,75 Mio. Barrel/Tag knapp 1 Mio. Barrel/Tag weniger produziere als im Durchschnitt des Jahres 2018. Allerdings hätten einige Länder von den USA die "Erlaubnis", bis Mai weiterhin Öl vom Iran zu beziehen. Indien gehöre dazu und möchte eine Verlängerung dieser Ausnahme erreichen bzw. dränge auf Importe von rund 300.000 Barrel/Tag. Die USA sei gleichzeitig mit Indien in
Handelsgesprächen, in denen Indien bestimmte Privilegien abgesprochen werden sollten, die dem Land im Rahmen seiner WTO-Mitgliedschaft zuerkannt würden. Selbst wenn der "Iran-Waiver" für Indien verlängert werde, dürften die meisten betroffenen Länder nicht in diesen Genuss kommen. Kurz: Iran werde weniger Rohöl exportieren können, was sich letztlich auf die Produktion niederschlagen sollte. Bei Libyen sei eher mit einer Produktionsausweitung zu rechnen. So habe das größte Ölfeld Libyens, das mehrere Monate aufgrund des Bürgerkriegs außer Betrieb gewesen sei, offensichtlich wieder die Produktion aufgenommen. Grundsätzlich habe die Anlage das Potenzial 315.000 Barrel/Tag zu fördern. Das werde zunächst wohl nicht zu realisieren sein.

Derweil habe die OPEC auf die NOPEC-Pläne, wonach Mitglieder von Preiskartellen auch außerhalb von den USA strafrechtlich verfolgt werden könnten, reagiert. So habe der Ölminister der Vereinten Arabischen Emirate, Suhail Mohammed Al Mazrouei, mit der Erhöhung der Produktion gedroht, falls der Gesetzentwurf zum Gesetz würde. Eine Produktionserhöhung der OPEC würde die Preise in den Keller schicken und die Shale-Industrie in den USA hart treffen, an die die Drohung gerichtet sei.

Natürlich würde ein Preisrückgang auch den OPEC-Volkswirtschaften schaden und insofern dürfe man an der Glaubwürdigkeit dieser Drohung zweifeln. Andererseits sei der Zeitpunkt für eine derartige Aussage gut gewählt. Denn derzeit werde wieder eine (nicht neue) Diskussion angeheizt, bei der es um die Frage gehe, ob die Shale-Industrie ihre Ertragsaussichten möglicherweise signifikant überschätzt habe. Die These laute, dass bei vielen Fracking-Feldern die Bohrlöcher zu nah beieinander gesetzt worden seien, so dass die Produktivität des Gesamtfeldes deutlich niedriger ausfalle, als das in Investorenpräsentationen versprochen worden sei. Wenn Bohrlöcher beispielsweise im Abstand von 350 Metern statt von 500 Metern gebohrt würden, um von dort die Gesteinsschichten zu fracken, sei mit einem Druckabfall zu rechnen, der die Ergiebigkeit der einzelnen Bohrlöcher belaste. Falls diese These stimme und die Ergiebigkeit der Felder signifikant überschätzt worden sei - die Rede sei von 10 bis 50% -, sei der Breakeven-Preis für viele Fracking-Felder höher anzusetzen als dies bisher der Fall sei. Der durchschnittliche Breakeven-Preis werde derzeit mit etwa 50 US-Dollar/Barrel (WTI) angesetzt, wobei dieser Wert je nach Feld zwischen etwa 35 und 65 US-Dollar/Barrel schwanken könne. Schon ein 5 US-Dollar höhere Breakeven-Preis dürfte zahlreiche Fracking-Projekte in Frage stellen. Derzeit liege WTI bei 58 US-Dollar/Barrel. (Wochenbarometer vom 14.03.2019) (14.03.2019/ac/a/m)






 
 
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