Erweiterte Funktionen


Ölmarkt: Nach dem Iran ist vor Venzuela




18.05.18 10:22
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die geopolitischen Spannungen an den Ölmärkten halten an, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Nachdem in der vergangenen Woche die US-Regierung vom Atomabkommen mit dem Iran zurückgetreten sei und gleichzeitig die Sanktionen gegen das Land wiedereingeführt habe, sei der Ölpreis mit 80 US-Dollar/Barrel auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren gestiegen.

Aktuell erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG, dass durch die Sanktionen auch europäische Abnehmer auf den Import iranischen Öls verzichten werden. Und das, obwohl sie anders als die USA das Abkommen nicht aufkündigen würden - aus Sorge, von den Vereinigten Staaten ebenfalls mit Strafen belegt zu werden. Allerdings würden die eigentlich für den europäischen Markt vorgesehenen Mengen möglicherweise - zumindest zu einem Teil - Abnehmer in Indien und China finden. Dennoch: Unterm Strich dürften dem europäischen Markt rund 600 Tsd. Barrel/Tag verloren gehen.

Neben dem Iran sei Venezuela ein weiterer geopolitischer Hotspot, der das globale Ölangebot derzeit belaste. Gegenwärtig produziere das lateinamerikanische Land um die 1,4 Mio. Barrel/Tag (-0,7 Mio. Barrel YoY). Bis Jahresende könnte die Produktion um weitere 200 Tsd. Barrel/Tag zurückgehen.

Maßgeblichen Einfluss auf die mittel- bis langfristige Entwicklung bei der Fördermenge sollten die am kommenden Sonntag stattfindenden Präsidentschaftswahlen haben. Sollte sich der jetzige Präsident Nicolás Maduro bei den Wahlen durchsetzen - was kaum jemand infrage stelle - sei wohl nicht mit einer Umkehr der gegenwärtigen Politik zu rechnen und somit auch nicht mit einer Lösung der wirtschaftlichen Krise, in der das Land stecke - das makroökonomische und soziale Klima verschlechtere sich seit 2014 kontinuierlich. Das Land erlebe zurzeit eine Hyperinflation (IWF-Schätzung: 15.000% YoY). Die Wirtschaftsleistung schrumpfe immer weiter und eine Besserung sei nicht abzusehen, da es gegenwärtig keinen Treiber gebe, der dies auch nur im Ansatz ändern könnte. Nur ein Regimewechsel dürfte wohl einen Wandel herbeiführen, welcher das Land sogar wieder zu einem wichtigen Ölversorger machen würde.

Die geologischen Voraussetzungen wären nahezu ideal: Das Land verfüge über die größten nachgewiesenen Schwerölreserven der Welt (301 Mrd. Barrel). Jedoch liege Venezuela im Vergleich zu Ländern mit ähnlich hohen Reserven abgeschlagen zurück, da mit der Verwässerung der so genannten "Apertura Petrolera"-Reformen von 1995, die dem Ölsektor nachhaltig Auftrieb verliehen hätten, im Jahr 2001 ein steter Rückgang der Investitionen zu beobachten gewesen sei. Dabei seien die venezolanischen Schwerölreserven durchaus attraktiv: Erstens Break-evens von 24 bis 34 US-Dollar/Barrel; zweitens Explorationsrisiken und -kosten seien niedrig; und drittens der Großteil der Transport- und Weiterverarbeitungskapazitäten sei vorhanden.

Die Analysten der HSH Nordbank AG glauben, dass die Möglichkeit marktgerechter Reformen zu einer Verdreifachung der Investitionstätigkeit führen könnte, womit Venezuela wieder einen bedeutenden Beitrag zur globalen Ölversorgung leisten könnte. Wie es jedoch gegenwärtig aussehe, scheine wohl alles auf einen erneuten Wahlsieg von Nicolás Maduro hinauszulaufen und somit wäre auch nicht mit Reformen zu rechnen.

Darüber hinaus sei die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten Monatsbericht zu der Erkenntnis gekommen, dass die globalen Öllagerbestände auf das Normalniveau abgebaut worden seien und die OPEC ihre Mission somit erfüllt habe. Dadurch habe sich die OPEC Raum verschaffen, die Produktion ihrerseits wieder auszuweiten, denn ansonsten dürfte der Markt in den kommenden Wochen sein Defizit auf etwa 1,2 Mio. Barrel/Tag ausweiten. Fortgesetzte Kürzungen in 2019 dürften zudem die minimale "Operating Capacity" bei den globalen Lagerbeständen erreichen, was mit einem Anstieg der Ölpreisvolatilität verbunden wäre. (Ausgabe vom 17.05.2018) (18.05.2018/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...