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Öl: Überlassen die Supermajors den Staatsunternehmen das Feld?




11.06.21 11:05
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - Als Exxon Mobil (ISIN: US30231G1022, WKN: 852549, Ticker-Symbol: XONA, NYSE-Symbol: XOM) sich dazu entschloss, sich von einem großen Ölfeld im Irak zu verabschieden, musste die irakische Regierung schnell einen neuen Käufer finden, so die Experten des Online-Brokers LYNX.

Doch das habe sich als schwieriger als gedacht erwiesen, denn weder Exxons Erzrivale Chevron (ISIN: US1667641005, WKN: 852552, Ticker-Symbol: CHV, NYSE-Symbol: CVX) noch eines der anderen großen Ölunternehmen, bekannt als Supermajors, hätten angebissen. So hätten die Verantwortlichen zwei Möglichkeiten gehabt: Sie könnten Exxons Anteile selbst übernehmen oder diese an eines der staatlich kontrollierten chinesischen Unternehmen verkaufen. Für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX, zeige dieser Vorgang ein potenziell zunehmendes Problem.

"Die Energie-Riesen aus den USA oder Europa ziehen sich auf Druck von Aktionären und anderen Interessensgruppen immer weiter aus den fossilen Brennstoffen zurück, gleichzeitig bleibt aber der Bedarf an Öl und Gas hoch. Das hinterlässt eine Lücke, die nun vermehrt von staatlichen Förderunternehmen wie jenen der OPEC+ geschlossen wird", erkläre der Experte. "Das Problem daran ist, dass Staatsunternehmen im Gegensatz zu den privatwirtschaftlichen Supermajors von öffentlichem Druck, gesetzlichen Vorgaben und Einwänden von Aktionären weitgehend abgeschirmt sind. Umwelt- und Klimaaktivisten, die den Rückzug der Supermajors aus fossilen Brennstoffen forcieren, könnten ihrem Anliegen damit einen Bärendienst erweisen, wenn ihre Marktanteile an weniger streng regulierte und überwachte Staatsunternehmen gehen."

Natürlich gäbe es auch bei den staatlichen Ölunternehmen Unterschiede, schränke Sadowski ein. Trotzdem würden diese bereits jetzt überproportional zum globalen Schadstoffausstoß beitragen. Die Supermajors hingegen stünden unter Druck von Aktivisten, Aktionären und der Politik, ihren Ausstoß zu minimieren - was einer der Hauptgründe für ihre schwindende Bereitschaft zu Investitionen in neue Abbaugebiete sein dürfe. "Die Internationale Energieagentur hat kürzlich eine Roadmap vorgelegt, wie die Weltwirtschaft bis 2050 klimaneutral werden könnte. In ihrem Szenario geht sie davon aus, dass die Nachfrage für fossile Brennstoffe abstürzen und es keine weiteren Investitionen in neue Öl- und Gasfelder geben wird. Doch ganz so einfach ist es leider nicht, denn aktuell sieht es nicht so aus, als ob. die Nachfrage derart stark sinkt - im Gegenteil: Berechnungen von Bloomberg NEF zufolge wird sie in den kommenden 15 Jahren sogar ansteigen. 2050 würden dann 55 Millionen Barrel mehr als heute benötigt - pro Tag, wohlgemerkt", fasse Sadowski zusammen. "Das bedeutet, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage größer wird und die Preise steigen werden. Für staatliche Ölunternehmen ist das ein Chance, die sie sich nicht entgehen lassen werden."

Insbesondere Unternehmen, die bereits heute zu den größten Ölförderern weltweit zählen würden, wie Aramco aus Saudi Arabien, Rosneft (ISIN: US67812M2070, WKN: A0J3N5, Ticker-Symbol: OJS1, Nasdaq OTC-Symbol: OJSCY) aus Russland oder Quatar Petroleum würden die Möglichkeiten nutzen, die ihnen aus dem Rückzug der privatwirtschaftlichen Unternehmen entstünden. "Die Konsequenz wird sein, dass es weniger Transparenz auf dem Öl- und Gasmarkt gibt und es schwieriger wird, Druck auszuüben. Royal Dutch Shell (ISIN: GB00B03MLX29, WKN: A0D94M, Ticker-Symbol: R6C, London: RDSA, NASDAQ OTC-Symbol: RYDAF) und BP (ISIN: GB0007980591, WKN: 850517, Ticker-Symbol: BPE5, Nasdaq OTC-Symbol: BPAQF) haben beispielsweise ihre Strategie in Richtung kohlenstoffarme Kraftstoffe geändert nachdem Aktionäre über Jahre hinweg Druck in diese Richtung aufgebaut haben. Bei Exxon Mobil scheint sich dieser Prozess aktuell zu wiederholen. Bei Unternehmen, die komplett oder zumindest überwiegend in staatlicher Hand sind, funktioniert das nicht. Solange also die jeweilige Regierung keine Ambitionen beim Umwelt-und Klimaschutz entwickelt, gibt es für Staatsunternehmen keinen Grund, sich weiterzuentwickeln." (11.06.2021/ac/a/m)






 
 
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