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Kolumnist: Bernd Niquet

Nun gratulieren Sie mir mal




29.07.18 13:25
Bernd Niquet

Nein, bloß nicht, herzlichen Dank, das war nur der Aufhänger für die zwanzig Jahre, die ich mittlerweile hier im Netz verbracht habe.

Letzte Woche Freitag vor zwanzig Jahren bin ich aus meinem Angestelltendasein geschieden, und diese Woche Freitag vor zwanzig Jahren habe ich meine Selbständigkeit festgemacht.


Da begann ich dann bald eine börsentäglich eine Hotline, von irgendetwas musste ich ja leben. Und vorher schon habe ich täglich Kolumnen geschrieben. Ich weiß gar nicht genau, wo die am Anfang erschienen sind. Zuerst wohl beim GoingPublic-Verlag, später dann bei wallstreet:online, anschließend Spiegel-Online, und danach Gatrixx, Instock, Stockworld und im Doersam-Brief.


Anfangs hat das auch gutes Geld gebracht, denn wir schrieben ja das Jahr 1998. Und da ging der Neue Markt durch die Decke. Und Börsenbücher hatten natürlich ebenfalls Konjunktur.


Damals wurden wir alle jeden Tag reicher.


Dann jedoch war Schluss, es kam die große Krise von 2000 bis 2003. Da wurde bald gar nichts mehr für Kolumnen gezahlt und viele Provider gingen pleite. Börsenbücher wurden unverkäuflich und die Börsengewinne schmolzen. Zum Glück habe ich rechtzeitig die Reißleine gezogen.


Und die Kolumnen habe ich dann aus Freude an der Sache weitergeschrieben. Fünf Jahre gut verdient, fünfzehn Jahre Hobby. Das ist mein Leben. Never mind.


Gerade habe ich einmal die früheste Kolumne herausgesucht, die ich auf meinem Computer noch finden kann. Sie ist vom 11. Juni 1999 und erstaunlicherweise nicht ganz so peinlich, wie ich das befürchtet habe. Sie beginnt so:


„Heute ist ein spannender Tag für mich. Denn jetzt kann ich endlich sehen, ob ich den Relaunch der Internet-Seite überlebt habe. Das ist schon eine witzige Situation, selbst mit anschauen zu können, ob man überlebt hat. Und die Ärzte ..., äh Programmierer sollen ja ihr Bestes gegeben haben. Mal sehen: ........… Ja! ..........… Da! ........… Jetzt sehe ich mich! .......… Da steht´s! ......... Der Zugang ist gelegt – und der Patient hat überlebt.


Dabei sind wir Berliner natürlich in ganz besonderer Weise mit dem „Relaunching“ vertraut, denn wie oft wurde diese Stadt nun schon neu ausgerichtet. So, wie jetzt auch wieder. Aus diesem Grunde war es natürlich auch eine besondere Hilfe, dass wir jetzt von einem Vertreter Gottes auf Erden den wirklich ultimativen Beistand erhalten haben.


Denn, so schrieb Erzbischof Kardinal Meisner diese Woche in der „Welt“, Berlin sei zwar nicht gerade das Abbild des himmlischen Jerusalems, aber auch nicht die Hure Babylon. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich in diesem Moment aufgeatmet habe, als ich das aus so berufenem Munde gehört habe.“


Tja, so kreiste ich also schon damals genauso um mich selbst wie heute. Nur dass das Internet damals eben noch etwas anderes war. Bin ich drin?, das war zu dieser Zeit noch eine echte und sogar die entscheidende Frage.


Und Börsenträume gab es damals noch en masse. Heute hingegen reden wir meist über Realitäten.




Bernd Niquet





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