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Norwegen: Öl als Energydrink




07.12.18 11:20
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Das Wirtschaftswachstum in Norwegen nimmt nach einem schwachen Jahresauftakt 2018 Fahrt auf, so die Analysten der Helaba.

2019 könne das Land aber in zunehmendem Maße seine Stärke im Ölsektor ausspielen. Dank des höheren Ölpreises würden das Vertrauen sowie die Investitionen in die Ölindustrie wieder steigen. Entsprechend habe der Leistungsbilanzüberschuss Norwegens im zweiten Quartal dieses Jahres mit fast 81 Mrd. Kronen das höchste Niveau seit Anfang 2015 erreicht. Auch die Auftragseingänge würden bereits anziehen. Damit sollte im kommenden Jahr der Offshore-Bereich der Haupttreiber des Wachstums sein. Das Festland werde ebenfalls zum Wachstum beitragen, denn auch die Stimmung bei den Verbrauchern liege auf sehr hohem Niveau.

Im Verarbeitenden Gewerbe sei das Geschäftsklima günstig, was für solide Investitionen spreche. Per saldo würden die Analysten für 2019 mit 2,4% von einem stärkeren Wachstum ausgehen. Der Arbeitsmarkt dürfte sich aufgrund der freundlichen Wirtschaftslage weiter verbessern. Dementsprechend würden die Analysten mit Lohnsteigerungen um 3% rechnen. Die Inflation habe in den letzten Monaten deutlich angezogen. Die Kerninflation sei noch niedrig, aber aufwärts gerichtet. Im nächsten Jahr dürften die Preise um durchschnittlich 2,8% steigen und damit deutlich über dem Ziel der Notenbank von 2% bleiben.

Ein Belastungsfaktor für die norwegische Wirtschaft sei 2018 der Wohnimmobilienmarkt gewesen. Nach einer Korrektur würden die Preise aber inzwischen wieder anziehen und hätten sogar jüngst neue Allzeithochs markiert. Im nächsten Jahr dürfte der dämpfende Effekt auslaufen und der Erwartung eines beschleunigten Wirtschaftswachstums nicht entgegenstehen.

Schon bald könnte die Euphorie am Häusermarkt aber enden, denn die Norwegische Zentralbank habe die Zinswende eingeleitet. So seien die Leitzinsen Ende September erstmals seit Ende 2011 auf 0,75% angehoben worden. Mit Blick auf die gute wirtschaftliche Entwicklung signalisiere die Norges Bank weitere Erhöhungen. Die Analysten würden von einem Zinsschritt im ersten Quartal 2019 ausgehen. Danach dürften die Zinsen im Halbjahrestakt steigen. Die Norges Bank werde vor dem Hintergrund der hohen Häuserpreise und einer Verschuldung der Privathaushalte von durchschnittlich fast 200% des Einkommens bei Zinserhöhungen jedoch mit großer Vorsicht vorgehen.

Westeuropas größter Ölproduzent verfüge über einen Staatsfonds im Umfang von 1 Billion USD, der die Einnahmen aus der Öl- und Gasindustrie verwalte. Das Fondsvermögen werde zu gut zwei Dritteln in Aktien investiert. 30% seien in Rentenpapiere angelegt und ein geringer Teil der Investments fließe in Immobilien. Um den Wohlstand auch nach Erliegen der Ölförderung zu gewährleisten, dürfe die norwegische Regierung maximal 3% des Fondsvolumens jährlich ausgeben. In den letzten Jahren habe die Fiskalpolitik expansiv agiert, um dem Ölpreisverfall und den rückläufigen Investitionen in die Energiewirtschaft entgegenzuwirken.

2019 sollten die Einlagen die Entnahmen aus dem Staatsfonds aber wieder übertreffen. Damit sei Norwegen für den nächsten Fitnesstest gewappnet. Ein wichtiges Thema bleibe die Unsicherheit über die Zukunft des Welthandels. Zwar exportiere das Land einen Großteil seiner Güter in die EU, die Exportentwicklung in das Vereinigte Königreich könnte jedoch unter den Folgen des Brexits leiden. (Ausgabe vom 03.12.2018) (07.12.2018/ac/a/m)







 
 
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