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Neuro-Finanz: Die Abzocker vom Öl




18.02.21 12:15
INVIOS GmbH

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Immer wieder im Winter steigen die Ölpreise, so Nikolas Kreuz, Geschäftsführer der INVIOS GmbH.

Die Anbieter würden sich dabei Erkenntnisse der Neuro-Finanz zunutze machen: Mit einem guten Argument werde dem Kunden die Illusion vermittelt, die Situation einschätzen zu können. "Das Gegenteil ist der Fall", habe Nikolas Kreuz gesagt.

Eigentlich sei die Nachfrage nach Öl pandemiebedingt schwächer. Viele Länder seien im Lockdown, aus dem Verkehrsbereich komme kaum Nachfrage und auch Fabriken würden oft nur mit halber Kraft arbeiten. Gleichzeitig schwäche sich der US-Dollar zum Euro ab. Das spreche für niedrigere Ölpreise. Umso mehr der Dollar bei passender Gelegenheit umgekehrt auch gerne als Argument für höhere Preise genommen werde. "Oft hören wir, dass der Ölpreis hierzulande wegen eines steigenden US-Dollars anzieht. Doch alle diese Argumente sind vulgärökonomische Erklärungsversuche", so Kreuz.

Die Ölnachfrage sei nicht vollständig eingebrochen, auf der anderen Seite steuere die Weltkonjunktur aber auf eine Rezession zu. "In diesem Umfeld müssten die Ölpreise als ein Konjunkturbarometer eigentlich deutlich nachgeben", so Kreuz. Dass das nicht so geschehe, liege an den beteiligten Marktakteuren. "Derzeit arbeiten die Ölländer wieder etwas wirkungsvoller zusammen, drosseln die Produktion und halten die Preise stabil", so Kreuz. Dazu komme, dass angesichts der niedrigen Zinsen am Rentenmarkt und bereits sehr hoher Kurse bei Aktien Investoren auch den Ölmarkt als eine Renditequelle begreifen würden.

Hier treffe dann das konstante Angebot auf eine gesteigerte Nachfrage, die - unabhängig von der Konjunktur - den Preis von ökonomischen Sachzusammenhängen ablöse. "Hier werden die Argumente eingesetzt, wie sie gebraucht werden", habe Kreuz gesagt. Der Wintereinbruch auf der nördlichen Hemisphäre? Sorge für mehr Bedarf, die Preise würden steigen. Produktionsausfall beim Fracking wegen des starken Winters in den USA? Die Preise würden steigen. "Die Argumente sind beliebig austauschbar und deshalb so gut, weil sie für jeden nachvollziehbar sind", so Kreuz. Diese Nachvollziehbarkeit sorge für ein Sicherheitsgefühl bei den Anlegern - oder auch bei den Tankenden an der Zapfsäule.

"Dabei handelt es sich nur um eine sehr verkürzte Darstellung eines komplexen Sachverhalts", so Kreuz. "Aber das sorgt dafür, dass eben nicht die OPEC als gieriges Kartell oder die US-Fracking-Firmen als böse Profiteure der kalten Witterung dastehen." Es ermögliche den Marktmachern, die Preise noch so lange da zu halten, wo sie sie brauchen würden: relativ weit oben. Der Ölpreis werde irgendwann aber wie alles im Leben zu seinem Gleichgewichtspreis zurückkehren und folge damit dem Mean-Reversions-Effekt. Am Ende werde dann der ein oder andere auf dem falschen Spekulantenfuß erwischt. (18.02.2021/ac/a/m)






 
 
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