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Kolumnist: Ralf Flierl

Neuer Hut im Ring




28.11.19 14:02
Ralf Flierl



Der US-Wahlkampf könnte zu einem Showdown der Milliardäre werden

Der „kleine Michael“ und seine vielen Milliarden



Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat der Vorwahlkampf der Demokraten nun so richtig begonnen. Mit Michael Bloomberg wirft seit letzter Woche ein Schwergewicht seinen Hut in den Ring. Der ehemalige Bürgermeister von New York und milliardenschwere Medienunternehmer war nach eigenem Bekunden in Sorge, dass die Demokraten keinen Kandidaten aufstellen würden, der es mit dem Amtsinhaber Donald Trump aufnehmen kann. Gerüchten zufolge plant Bloomberg 1 Mrd. USD in seinen eigenen Wahlkampf zu stecken. Er wird es sich leisten können, immerhin ist er laut Forbes mit aktuell 55 Mrd. USD Vermögen der neuntreichste Mann der Welt. Trump selbst reagierte auf seine typische Art. Er würde gegen niemanden lieber antreten als „little Michael“. Bloomberg habe nicht das Zeug dazu, zu gewinnen. Er werde viel Geld ausgeben und am Ende verlieren. Möglicherwiese macht er es sich damit etwas zu einfach. Mit Bloomberg ist ein ernsthafter Konkurrent im Rennen. Konkurrent Joe Biden ist möglicherweise zu tief in die ukrainischen Geschäfte seines Sohnes verwickelt, um eine wählbare Alternative zu sein. Elisabeth Warren dürfte für den amerikanischen Durchschnittswähler ohnehin nicht vorstellbar sein. Mit Bloomberg ist dagegen ein unbelasteter Mann der Mitte im Rennen.



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Um die Ecke gedacht



Für die Börsen könnte insbesondere dessen Position zum Handelskrieg mit China von Bedeutung sein. Bloomberg gilt laut Washington Post als der China-freundlichste Kandidat im Rennen. In der Vergangenheit hatte er sich mehrfach gegen die von Trump erhobenen Zöllen und den dadurch heraufbeschworenen Handelskrieg ausgesprochen. Eine weitere konjunkturelle Schwäche in den USA könnte Bloomberg daher in die Hände spielen, schließlich würde dies die Lust des amerikanischen Wählers auf eine Fortsetzung des Handelskrieges schwinden lassen. Doch es gibt auch eine andere Perspektive, nämlich die chinesische. Solange die Chinesen davon ausgehen, dass Donald Trump der Herr im Weißen Haus bleibt, dürften sie zu Zugeständnissen bereit sein. Ein Deal könnte daher in greifbarer Nähe sein. Immerhin ist Trump in letzter Zeit diesbezüglich verhältnismäßig ruhig und stets darauf bedacht, auf seine Verdienste um die neuen Höchststände an den Börsen hinzuweisen. Sollte sich dagegen eine Niederlage Trumps und ein Sieg Bloombergs (oder des ebenfalls china-freundlichen Bidens) in den Umfragen abzeichnen, sieht es anders aus. Dann könnte Chinas Präsident Xi auf Zeit spielen und stoisch den Regierungswechsel in den USA abwarten. Für die US-Konjunktur und die amerikanischen Leitindizes würde dies zumindest mittelfristig nichts Gutes bedeuten.


Kein klares Bild



Von der großen Politik zu den kleinen börsennotierten Unternehmen. In den letzten drei Tagen waren wir wie jedes Jahr auf dem Deutschen Eigenkapitalforum, einer der größten Small- und Mid- Cap-Konferenzen im deutschsprachigen Raum. Drei Tage lang haben wir jede Menge Vorstände und Unternehmen gesprochen. Was sich ganz klar zeigte: Die Stimmung ist nicht gerade euphorisch, aber auch alles andere als schlecht. Noch immer notiert der SDAX mehr als 5% unter seinem All-Time-High vom Sommer letzten Jahres. Konjunkturell ist die Lage zwiegespalten. Während insbesondere die Industrieunternehmen unter dem Handelskrieg leiden und enormen Gegenwind spüren, laufen viele digitale Geschäftsmodelle nach wie vor hervorragend. Doch auch die zyklischen Unternehmen sehen langsam wieder Licht am Ende des Tunnels. Im nächsten Smart Investor werden wir Ihnen einige der interessantesten Unternehmen der Konferenz vorstellen. Bleiben Sie also gespannt.





Zu den Märkten



Nach der fulminanten Rally zwischen Anfang Juni und Anfang September befinden sich Gold und Silber im Korrekturmodus. Unsere Grundhypothese einer Fortsetzung des Aufschwungs in diesem Bereich sehen wir dadurch allerdings nicht gefährdet. Im Gold lässt sich sehr deutlich zwischen der impulshaften Aufwärtsbewegung und der korrektiven Gegenbewegung unterscheiden (vgl. SIW 45/2019). Kriterien für eine solche Charakterisierung sind unter anderem die überwundenen Kursbereiche und die Häufigkeit bzw. Intensität von Kursüberlappungen. Geht es in kurzer Zeit schnell voran – egal in welche Richtung – würde man eher von einem Impuls ausgehen, ist die Überwindung des Kursbereichs dagegen zäh und erfolgen Vorstöße auf frisches Territorium jeweils nur zaghaft, dann ist die Bewegung eher korrektiv. Ähnlich wie Gold verläuft auch Silber (vgl. Abb., oberer Teil in US-Dollar), wobei die Schwankungen hier allerdings deutlich größer sind. Üblicherweise führt dies zu einem Überschießen des Silbers, das umso ausgeprägter ist, je weiter fortgeschritten eine Bewegung ist. Auch bei Silber lässt sich der starke Aufschwung vom Frühsommer bis zum Frühherbst (grüner Aufwärtspfeil) nachvollziehen, der dann ebenfalls in eine Bewegung mit Korrekturcharakter eingemündet ist. Wie sehr sich die Charakteristik geändert hat, sieht man an den roten Doppelpfeilen, die jeweils zeigen, wie weit der Kurs nach dem Über- bzw. Unterschreiten eines vorangegangen Extrempunktes in Richtung des Ausbruchsniveaus weitergelaufen ist. Während des Aufwärtsimpulses wurden entsprechend weite Strecken zurückgelegt, während der Abwärtskorrektur waren die Bewegungen dagegen so gering, dass die Pfeile kaum noch als solche zu erkennen sind. Eine starke, im Moment sogar doppelt starke Unterstützung zeigt sich zudem im Bereich von 16,20 USD/Feinunze – hier lagen nicht nur markante Hochpunkte der zurückliegenden Bodenbildung, auch die 200-Tage-Linie verläuft aktuell auf diesem Niveau.

Im unteren Teil der Abb. ist die Relativbewegung des Silbers gegen Gold abgetragen und dort zeigen sich zwei weitere interessante Phänomene: Die Outperformance des weißen Metalls begann erst ca. einen Monat, nachdem Gold bereits gestiegen war (Abb., unterer Teil, Beginn des grünen Pfeils). Man kann hier fast eine Analogie zu den Aktienmärkten bemühen: Zuerst steigen in einem Aufschwung die Marktführer und Blue Chips (Gold), dann werden die Titel der zweiten Reihe (Silber) aktiv. Der Begriff „Zweite Reihe“ bezieht sich allerdings nicht auf die Performance, denn wie auch an den Aktienmärkten zu beobachten, lässt sich mit diesen Titeln häufig ein deutlich größerer Ertrag einfahren. Das allerdings gilt auch in der Gegenrichtung, wo es regelmäßig wesentlich schneller bergab geht. Und da sind wir beim zweiten interessanten Phänomen, das sich im Relativchart zeigt: Zwar sank Silber im Zuge der Korrekturbewegung tatsächlich wieder gegen Gold ab, diese Bewegung ist aber ihrerseits von korrektiver Natur. Im Ergebnis zeigt der Relativchart das gleiche Muster wie der Originalchart: Aufwärtsimpuls mit anschließender Abwärtskorrektur. Das hat auch damit zu tun, dass Relativcharts von der Zeitreihe dominiert werden, die die größeren Bewegungen aufweist. Die Schlussfolgerung daraus ist aber dennoch, dass mit – oder kurz nach – einem positiven Abschluss der Goldkorrektur auch Silber seine Korrektur beenden sollte, womit dann wieder eine Outperformance des Silbers und damit die Wiederaufnahme des Aufwärtstrends im Relativchart auf dem „Fahrplan“ stünde.



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Fazit

Egal wie die Politik ausgeht, wir dürften vor goldenen Zeiten für Silberanleger stehen.


Christoph Karl, Ralph Malisch



       

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