Erweiterte Funktionen


Neue Importzölle gegen China: Was wäre wenn?




06.09.18 14:54
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die Angst gehe um, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Werde die US-Administration weitere Importe aus China im Volumen von 200 Mrd. US-Dollar mit Zöllen belegen? Glaube man von Seiten der US-Regierung, stehe genau das zu befürchten, nachdem für gestern (5. September) die schriftliche Einschätzung des US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer über den Sinn dieser Maßnahme erwartet worden sei. Die Aktienmärkte hätten in den vergangenen Tagen diese Angst widergespiegelt. Für die mittelfristige Entwicklung der Märkte dürfte entscheidend sein, in welcher Höhe die Zölle angesetzt würden. Anfänglich sei von 10% die Rede gewesen, zuletzt habe Staatspräsident Donald Trump von 25% gesprochen. Die Rückwirkungen könnten in dem einen Fall relativ milde, in dem anderen Fall erheblich sein, sowohl an den Finanzmärkten als auch in der Realwirtschaft.

Um welche Dimension gehe es? Zusammen mit den bisherigen Zöllen würde die USA mehr als 250 Mrd. US-Dollar an Importen mit höheren Tarifen belegen. Das seien rund die Hälfte der chinesischen Importe und knapp 9% der gesamten US-Importe. China habe angekündigt, als Gegenmaßnahme Importe aus den USA im Volumen von 60 Mrd. US-Dollar mit höheren Zöllen zu belegen. In der Summe wären damit nahezu alle Exporte der USA nach China (2017: 130 Mrd. US-Dollar) mit Zöllen belegt, da China für 50 Mrd. US-Dollar bereits Importtarife beschlossen habe. Wie stark die Importeure auf mögliche neue Einfuhrrestriktionen reagieren würden, hänge in entscheidender Weise von der Höhe des Zollsatzes ab. Da es sich beim Großteil der für die Zölle ausgewählten Produkte um Investitionsgüter und Vorleistungen handele, würde in jedem Fall die Kostenbelastung für US-Unternehmen steigen.

Allerdings sollte ein Zoll von 10% bei den US-Unternehmen keine hektische Suche nach neuen Importeuren oder Aktivitäten in Richtung Produktionsverlagerung auslösen. Denn die Einfuhr aus China würde zwar teurer, teilweise würde diese Verteuerung aber durch Abwertung des chinesischen Yuan wieder aufgefangen. Die meisten Unternehmen dürften kurzfristig versuchen einen Teil der Kosten an die Konsumenten zu überwälzen bzw. eine Verringerung der Gewinnmarge in Kauf nehmen.

Anders wäre die Lage, wenn sich die US-Administration für einen Zollsatz von 25% entscheiden sollte. In diesem Fall müssten ganze Produktionsprozesse in den USA neu überdacht werden. Das sei auch das Szenario, bei dem China stärker unter Druck geraten würde und der Wettbewerbsdruck insbesondere für andere Schwellenländer sich intensivieren dürfte. Denn im 25%-Fall würden chinesische Unternehmen mit einer deutlich schwächeren Nachfrage aus den USA konfrontiert werden. Als Konsequenz daraus würde man sich auf die Suche nach neuen Märkten begeben bzw. in Konkurrenz mit Produzenten anderer Emerging Markets treten, was die Währungen dieser Länder zusätzlich unter Druck bringen dürfte. Letztere seien ohnehin bereits angeschlagen und leiden unter der Kombination schwächerer Wechselkurse und einer relativ hohen Auslandsverschuldung - hier seien vor allem die Türkei und Südafrika, aber u.a. auch Argentinien und Indonesien zu nennen.

Während die Schwellenländer in ihrer Gesamtheit stabiler aufgestellt seien als im Vorfeld der Asienkrise von 1997/1998, sei die Gefahr von Turbulenzen dennoch gegeben. Sollte die US-Regierung mit den zusätzlichen Importrestriktionen ernst machen und der Zollsatz auf 25% steigen, werde sich die bislang relativ gute Stimmung an den Finanzmärkten kaum halten, während bei der Weltwirtschaft mit einer deutlichen Wachstumseinbuße im kommenden Jahr zu rechnen wäre. (06.09.2018/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...