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Kolumnist: DONNER & REUSCHEL AG

Mumm Briefing zum Wochenausklang




08.04.22 10:53
DONNER & REUSCHEL AG

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Die Belastungen durch Corona-Restriktionen nehmen weltweit überwiegend ab und ermöglichen eine Erholung der besonders betroffenen Bereiche, wie bspw. Handel oder Freizeiteinrichtungen. Nur in China wurden zuletzt Lockdowns deutlich ausgeweitet, da die Fallzahlen nach wie vor steigen. Dadurch wird der Konsum eingeschränkt, Fabriken und Produktionsanlagen schließen und auch Lieferketten werden erneut belastet. Entsprechend rutschten die chinesischen Einkaufsmanagerindizes zuletzt unter die Expansionsschwelle von 50. Die chinesische Wirtschaft hat somit kurzfristig den Wachstumspfad verlassen, dürfte sich aber in den kommenden Monaten mit einem Abbau von Corona-Restriktionen wieder erholen. Die Erreichung des von der Regierung ausgegebenen Wachstumsziels von 5,5 Prozent für 2022 scheint aber derzeit nicht mehr erreichbar.


Die erneuten Lieferkettenstörungen in China sowie fehlende Rohstoffe und Vorprodukte aus der Ukraine und aus Russland haben gemäß Umfrage des ifo-Instituts erneut für eine Belastung bei deutschen Unternehmen geführt. Von allen Befragten beklagen derzeit 80 Prozent fehlende Vorprodukte. Im Maschinenbau, der Elektro- und der Automobilindustrie liegt dieser Wert sogar bei über 90 Prozent. Nach einem voraussichtlich negativen ersten Quartal startet das deutsche Wirtschaftswachstum auch schwach in das zweite Quartal und die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession1 ist deutlich gestiegen. Sollte es zu einem kompletten Stopp russischer Gaslieferungen nach Europa kommen, wäre eine Rezession auch für das Gesamtjahr unvermeidbar. Das Ausmaß kann derzeit jedoch kaum bestimmt werden. Schätzungen liegen zwischen -0,5 und -3 Prozent. Auch der von der EZB berechnete CISS-Indikator zeigt stark erhöhten systemischen Stress und damit eine erhöhte Rezessionswahrscheinlichkeit an. Die kurzfristige Entwicklung der Inflation hängt ebenfalls maßgeblich vom weiteren Verlauf des Ukrainekonfliktes und möglichen weiteren Sanktionen ab. Nur im Falle einer klaren Deeskalation wäre mit stärker fallenden Energiepreisen und damit einer Entlastung des derzeit weiter hohen Inflationsdrucks zu rechnen. Industrie und Konsum werden somit vorerst auch durch steigende Erzeuger- und Lebenshaltungskosten belastet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Anzahl der Insolvenzen in Deutschland perspektivisch ansteigen und die Niedrigniveaus seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie künftig verlassen werden.


Die EZB dürfte vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheit trotz hoher Preissteigerungsraten auf ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche keine weiteren weniger expansiven oder gar restriktiven Schritte ankündigen. Wahrscheinlich bleibt aber die Beendigung der Wertpapierkäufe im dritten Quartal und die Anhebung von Einlagen- und Leitzinsen spätestens im vierten Quartal 2022. Nach einer Studie des DIW Berlin könnten diese Schritte über eine Aufwertung des Euro im Vergleich zum US-Dollar sogar zu deutlich nachgebenden Heiz- und Kraftstoffpreisen in Deutschland führen, wodurch eine Stabilisierung der deutschen Wirtschaft im zweiten Halbjahr unterstützt werden könnte.


Auch in den USA ist die Rezessionsgefahr zuletzt gestiegen, liegt allerdings noch deutlich unter dem Niveau für Europa. Neben steigenden Energiepreisen ist der maßgebliche Faktor für die US-Wirtschaft die Frage, wie stark die Notenbank Fed die Leitzinsen in den kommenden Monaten anheben wird. Erwartet wird ein großer Zinsschritt um 50 Basispunkte im Mai und ein weiterer Anstieg der Zinsen bis auf 2,5 Prozent bis zum Jahresende. Zudem wurde vonseiten der Fed ein Abbau der Notenbankbilanz um 1,1 Bio. US-Dollar pro Jahr und damit eine schnellere Gangart als zwischen 2017 und 2019 angedeutet. Gestützt wird die US-Konjunktur allerdings durch den sehr robusten Arbeitsmarkt und einen entsprechend stabilen Konsum. In Europa steht am Wochenende die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Erwartet wird ein Sieg, aber keine absolute Mehrheit für Amtsinhaber Macron, so dass eine spätere Stichwahl zwischen Macron und Marine LePen wahrscheinlich ist. Zumindest der erste Wahlgang dürfte kaum Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben.


Insgesamt bleibt die Perspektive weiter steigender nominaler aber tief negativer Realzinsen erhalten. An den Aktienmärkten dürfte die volatile Phase vorerst anhalten, zumindest solange es keine positiven Nachrichten vonseiten des Ukraine-Konflikts gibt. Auch die anstehende Berichtssaison der Unternehmensgewinne für das erste Quartal dürfte angesichts explodierender Erzeugerkosten verstärkte Gewinnwarnungen und verhaltene oder unkonkrete Aussichten mit sich bringen.


1 d.h. zwei Quartale hintereinander mit negativen Wachstum




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