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Morgendämmerung bei Value-Aktien




08.04.21 10:10
Degroof Petercam

Brüssel (www.aktiencheck.de) - Vor ziemlich genau einem Jahr erreichten die Märkte ihren 2020er Tiefststand, nachdem sie inmitten der Pandemie und einer global abgeriegelten Wirtschaft eines der schlimmsten und volatilsten Quartale aller Zeiten erlebt hatten, so Philippe Denef, Head of Quantitative Strategies bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management).

"Work-from-home, stay-at-home, play-at-home, eat-at-home, buy-at-home, entertain-at-home" seien die neuen Mantras geworden. Schnelles Handeln von Regierungen und Zentralbanken habe einen einzigartigen Aufschwung ohne historische Parallele beflügelt und für einen kometenhaften Aufstieg von Wachstumsaktien gesorgt. Während die Anleihenrenditen weiter in den negativen Bereich gedrückt worden seien, hätten Anleger niedrig bewertete (Value-) Aktien abgestoßen, da viele von ihnen aus zyklischen Branchen oder dem Finanz- und Dienstleistungssektor stammen würden, die von Schließungen und dem schleppenden globalen Wachstum stark betroffen gewesen seien. Der MSCI ACWI Value-Index sei stark unter Druck geraten und habe am 20. März 2020 ein Achtjahrestief erreicht. Bezogen auf das Verhältnis von Growth- zu Value-Index sei ein 21-Jahres-Tief am 30. September erreicht worden.

Bis zum Sommer hätten Value-Aktien relative Bewertungsniveaus erreicht, die nur nach Krisen wie 2002 oder 2009 zu beobachten gewesen seien. Trotz der ungewöhnlich niedrigen Bewertungen habe es eines Auslösers bedurft, um die Rotation aus den favorisierten Qualitätswachstums- und "Stay-at-home‘-Aktientiteln einzuleiten. Dieser sei Anfang November mit den ausgezeichneten Nachrichten zu den Impfstoffen, der Aussicht auf eine schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft und der Wahl Joe Bidens mit der Perspektive auf einen massiven fiskalischen Stimulus in den USA gekommen. Die Anleihenrenditen hätten zu steigen begonnen, die Renditekurven seien mit der Erwartung einer höheren Inflation, einer sich verbessernden Wirtschaftsaktivität und sinkender politischer Unsicherheiten sowie geringerer Kreditausfallrisiken noch steiler geworden. Zyklische Sektoren hätten besser abgeschnitten und den Investment-Stilen Value, Low-Quality und High-Volatility aufgrund des wirtschaftlichen Optimismus zu neuem Glanz verholfen.

Was könne man von nun an erwarten? "Die Rotation war in Erwartung der globalen Wachstumserholung, die durch massive fiskalische Konjunkturpakete unterstützt und durch immer lockerere Maßnahmen der Zentralbanken und hohe Ersparnisse der Haushalte finanziert wurde, bereits stark", habe Philippe Denef gesagt. "Obwohl sich einige zyklische Bereiche von ihren Tiefstständen erholt haben (z.B. Automobile, Technologien, Bergbau, Unternehmen mit starkem China-Engagement), gibt es immer noch Gelegenheiten bei Themen, die mit der Wiederöffnung in Verbindung stehen, sowie bei Finanzwerten, Energieaktien oder einigen Titeln im Bereich der Verbraucherdienstleistungen." Die Positionierung der Anleger im Value-Stil sei immer noch gering. Das Momentum der jüngsten Gewinnrevisionen habe sich zugunsten von Value-Aktien gedreht. Zudem werde Value von der relativen Bewertung und den immer noch sehr teuren Wachstums- und Qualitätsfaktoren begünstigt.

Dem DPAM-Experten zufolge böten Value-Strategien, die positiv mit steigenden Anleihenrenditen korreliert seien (im Gegensatz zu Investments in Technologie- und Wachstumsaktien, die von niedrigen Renditen langfristiger Anleihen profitieren würden), Anlegern eine natürliche Diversifizierung des Anleihenrisikos und ein Absicherungsinstrument. "Bislang ist der Anstieg der Anleihenrenditen im historischen Vergleich eher gering ausgefallen. Eine weitere Normalisierung ist zu erwarten, jedoch haben Value-Strategien bislang mit dem Anstieg der Renditen nicht mithalten können", so Denef.

Das Vertrauen habe mit der Wirksamkeit der Impfstoffe zugenommen, und nach und nach werde es den Volkswirtschaften möglich sein, sich wieder zu öffnen. Dies werde einen enormen Nachholbedarf an Konsum und Investitionen freisetzen. Gleichzeitig würden die Inflationserwartungen steigen, da die Rohstoffpreise in die Höhe schießen würden und die Verknappung in den Lieferketten den Druck nach unten erhöhe. In diesem Umfeld würden steiler werdende Renditekurven unterstützend wirken, ebenso wie der allgemeine Rückgang der politischen Unsicherheiten. Die Aktienrotation werde vom Rückenwind der Anleihenmärkte profitieren. Aktien mit hohem Multiplikator würden unter Beschuss bleiben, da die Renditen ihren Wert erodieren würden.

Alles in allem würden die finanziellen Bedingungen weiterhin risikofreudige Strategien und die relative Outperformance des Value-Stils begünstigen. In jedem Fall würden, wie üblich nach einer Periode starker Sektorrotation, die Bewertungsprämien Branchen übergreifend zurückgehen und dem Faktor Value einen zweiten Schub geben. In Europa wurde das Tempo der Erholung durch eine langsamer als erwartete Einführung von Impfstoffen gebremst, aber die USA würden ihr Impfprogramm und die massiven fiskalischen Anreize vorantreiben. Die USA würden der erste Nutznießer des Reflations-Trades sein und dies auf den Rest der Welt übertragen. "Die lang erwartete Morgendämmerung des Value-Stils ist endlich da", bringe es Philippe Denef auf den Punkt. (08.04.2021/ac/a/m)







 
 
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