Kolumnist: Sven Weisenhaus

Mögliches Doppeltop beim Goldpreis




18.05.22 10:25
Sven Weisenhaus

Der Goldpreis zeigt derzeit eine massive Schwäche. Seit dem 8. März hat das Edelmetall einen Kursrückgang um mehr als 13 % hinnehmen müssen. Und damit wurde eine Menge charttechnisches Porzellan zerschlagen.


Gold - Kursschwäche


Denn der Kurs fiel unter eine Reihe wichtiger Widerstände zurück, die zuvor mit einem dynamischen Kursanstieg überwunden worden waren.


Aufwärtspotential wurde zu schnell abgearbeitet


Ich erinnere dazu an den Chart aus der Börse-Intern vom 17. Februar:


Gold - langfristige Chartanalyse


Damals hatte der Goldpreis bereits nahezu sämtliche mögliche Abwärtstrendlinien (rot) gebrochen. Und so zeichnete sich nach der (ABC-)Korrektur, die von August 2020 bis August 2021 stattfand, eine Trendwende ab.


Zu diesem Zeitpunkt lag der Goldpreis bei 1.896,86 USD. Und der Kurs war gerade auf ein neues Hoch in der neuen Aufwärtsbewegung geklettert. Damit notierte er so hoch wie seit Juni 2021 nicht mehr. Dadurch etablierte sich zunehmend ein bullishes Elliott-Wellen-Szenario (grüne Ziffern im Chart). Dementsprechend sah ich weiteres Aufwärtspotential (wie mit den grünen Linien skizziert).


Schaut man sich den Chart aus heutiger Sicht an, dann hat der Goldpreis dieses Aufwärtspotential auch abgearbeitet, allerdings sehr viel schneller als erwartet.


Gold - Elliott-Wellen-Analyse


Und vielleicht ist das auch der Grund, warum den Bullen ziemlich genau am Hoch vom August 2020 bei 2.075,08 USD die Puste ausgegangen ist. Der Anstieg dorthin erfolgte viel zu schnell. Und oft reicht die Kraft in einem solchen Fall nicht für den Anstieg über wichtige Hürden. So auch dieses Mal. Der Goldpreis prallte an der Hürde ab und fiel, abgesehen von einer zwischenzeitlichen Konsolidierung und Kurserholung, genauso dynamisch zurück, wie er zuvor gestiegen war.


Mögliches Doppeltop


Dadurch könnte sich nun ein Doppeltop ausbilden.


Gold - langfristige Chartanalyse


Dieses wird wahrscheinlicher, wenn der Goldpreis wieder klar unter das Hoch vom Oktober 2012 bei 1.795,90 USD zurückfällt. Dann ist die wichtige Unterstützung bei 1.676,30 USD das nächste Kursziel der Bären. Und wird diese gebrochen, vervollständigt sich das mögliche Doppeltop.


Geldpolitische Wende lastet wie erwartet auf dem Goldpreis


Ich halte dieses bearishe Szenario durchaus für möglich. Denn ich bin schon seit langem skeptisch bezüglich des Kurspotentials bei Gold. Folgendes ist seit geraumer Zeit wiederholt im Target-Trend-Spezial zu lesen:


„Unsere langfristige Einschätzung zum Goldpreis, wonach das Edelmetall als Investment uninteressant ist (siehe zum Beispiel Analyse vom 01.07.2016), schien bis August 2020 eine Fehleinschätzung gewesen zu sein. Danach lagen wir mit unserer Einschätzung wieder lange Zeit richtig. Der Ukraine-Konflikt hatte die Karten zwar kurzzeitig neu gemischt, doch derartige politische Börsen haben gewöhnlich kurze Beine, so auch dieses Mal. Und es ist zweifelhaft, ob im Umfeld der Änderungen in der Geldpolitik und steigenden Zinsen sowie einem möglichen Hoch in der Inflationsentwicklung ein nachhaltiger Anstieg gelingen kann, insbesondere wenn der Krieg endet und sich das Chaos bei den Rohstoffpreisen ordnet.
Wir erwarten unverändert, dass der Goldpreis langfristig kein großes Aufwärtspotential hat und übergeordnet seitwärts tendiert, er dabei womöglich sogar wieder in den Bereich von grob 1.400 und ca. 1.150 USD (bzw. 1.050 USD) zurückkehren wird. Dies ist insbesondere dann zu erwarten, wenn die Realrenditen (Renditen abzüglich Inflation) steigen.“


Und am 15. Februar war auch in der Börse-Intern zu lesen: „…wenn Russland seinen militärischen Aufmarsch beendet und sich die geldpolitische Wende der Notenbanken fortsetzt, sehe ich Gold eher wieder als uninteressante Anlage an.“


Offensichtlich gewichten die Gold-Investoren die geldpolitische Wende höher als den Ukraine-Krieg. Denn dieser ist noch nicht beendet und dennoch dient der Goldpreis schon nicht mehr als sicherer Hafen, weil der Zinsanstieg Gold als Investment relativ unattraktiv macht. Und dabei wird es wahrscheinlich auch bleiben. Denn das Hoch bei der Inflation dürfte erreicht sein. Die geldpolitische Wende setzt sich hingegen fort.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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