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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Zeichen einer Konsolidierung"




25.06.20 08:34
Redaktion boerse-frankfurt.de

Der Glaube an ein V scheint sich festzusetzen, allerdings bleiben Anleger gerade eher passiv mit relativ neutralen Erwartungen.


Zusammenfassung


Trotz dichter Nachrichtenlage hat sich der Markt etwas beruhigt, stellt Joachim Goldberg fest. Die Handelsspanne hat in der betrachteten Woche auf 3,6 Prozent zusammengezogen. Der Verhaltensökonom vermutet, dass viele Akteure abwarten möchten, ob den Börsenpreisen auch gute Wirtschaftsdaten folgen. Auch der Halbjahreswechsel könne Ursache weniger Handelsaktivitäten sein. In Summe sind 2 Prozent der Profis aus Long- und 3 Prozent aus Short-Positionen an die Seitenlinie gezogen. Der Sentiment-Index liegt bei -10 Punkten aber weiter unter Null. Deutlich aktiver seien die privaten Anleger gewesen, allerdings ohne nennenswerte Erfolge.


Goldberg bewertet die Marktstimmung beider Gruppen als neutral, somit fehlen dem Markt Impulse. Deswegen sei die im März begonnene Rallye noch nicht beendet, befände sich aber in einer Korrekturphase mit kurzlebigen Trends, je nach Nachricht. Bemerkenswerterweise würden positive Tendenzen stärker wahrgenommen als negative.



24. Juni 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es hatte sich bereits angedeutet, dass sich das Handelsgeschehen um den DAX herum nach unserer vergangenen Stimmungserhebung beruhigen würde. Dass die DAX-Bandbreite lediglich 3,6 Prozent ausmachte, dürfte auch an den widerstreitenden Informationen gelegen haben. Zum einen waren die Nachrichten zur Entwicklung bei Covid-19 in den USA wenig ermutigend.


Aber zum anderen vermittelten etwa die gestrigen vorläufigen Einkaufsmanagerindices von Markit eine recht zuversichtliche Stimmung hinsichtlich der ökonomischen Gemengelage hierzulande. Wenn es allein danach ginge, ist in der Wahrnehmung der Akteure offenbar schon das Schlimmste überstanden. Zumal ein kurzer Blick auf die Grafik des Einkaufsmanagerindex für die Eurozone ein klar gezeichnetes V erkennen lässt.


Allein: Größere Ausschläge, egal, ob zur positiven oder negativen Seite, wurden bislang durch die Transaktionen der Marktteilnehmer deutlich eingegrenzt. Zumal viele Akteure sicherlich abwarten möchten, ob der guten Stimmung auch genauso gute "harte" Wirtschaftsdaten folgen werden. Und so blieb im Wochenvergleich für den DAX gerade einmal ein Verlust von 0,4 Prozent hängen.


Polarisierung der Positionen nimmt ab


Zu besagten Transaktionen dürften auch die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren beigetragen haben, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index sich auf den ersten Blick kaum verändert hat. Zwar ist der Index nur um einen einzigen Punkt auf einen Stand von -10 Punkte gestiegen, aber die Polarisierung der Bullen und Bären hat sich leicht zurückgebildet. So gab es an schwächeren Handelstagen leichte Käufe und an Handelstagen mit einem Plus leichte, geringfügig stärkere Verkäufe zu verbuchen. Gut möglich, dass sich größere Positionsverschiebungen auch hinsichtlich des bevorstehenden Halbjahresultimo in Grenzen hielten.


Wesentlich aktiver zeigten sich hingegen die Privatanleger. Deren Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich nämlich wieder um 13 Punkte auf einen Stand von -16 verschlechtert. Dies ist insofern bemerkenswert, als die US-Umfrage der AAII (American Association of Individual Investors) bereits bei ihrer Erhebung am vergangenen Donnerstag ebenfalls einen deutlich gestiegenen Pessimismus gezeitigt hatte.


Bei unserer eigenen Befragung konnten wir überdies eine recht aktive Gruppe von Investoren (ca. 5 bis 6 Prozent aller Befragten) ausmachen, die ihre bullishen Positionen aus der Vorwoche um 180 Grad gedreht und sich somit auf die Seite der Bären geschlagen haben. Dabei hatte sich erwartungsgemäß herausgestellt, dass der Optimismus der vergangenen Woche nur von kurzer Dauer war, zumal sich keine schnellen und allzu kräftigen Kursgewinne einstellten.


Ohne Schieflagen keinen Schub


Damit hat sich der Trend der vergangenen Woche fortgesetzt, wonach ein Großteil etwaiger Positions-Schieflagen hierzulande beseitigt worden ist. Zwar befinden sich die Sentiment-Indizes der privaten und der institutionellen Anleger beide in negativem Terrain, aber auf Sicht von drei und sechs Monaten relativiert sich das vordergründig pessimistische Sentiment. Dies gilt vor allen Dingen für die institutionellen Investoren, deren Sentiment-Index sogar deutlich oberhalb des Dreimonatsmittels notiert. Fehlende Schieflagen bedeuten aber auch gleichzeitig, dass ausgeprägte Trends keine allzu großen Chancen haben. Es sei denn, dass neue Engagements internationaler Investoren zu größeren Kapitalverschiebungen hierzulande führen.


Weiterhin gilt, dass die einst im März begonnene Rallye des DAX noch nicht beendet ist, aber sich in einer Korrekturphase mit kurzlebigen, mitunter auch kräftigen Impulsen befindet, deren Fortsetzung abhängig ist von Informationen zur Pandemie oder neuen Entwicklungen im US-chinesischen Handelskonflikt. Und was ökonomische Nachrichten angeht, werden derzeit positive Tendenzen von den Marktteilnehmern stärker als negative Informationen wahrgenommen.


24. Juni 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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